Das aktuelle Wetter Moers 12°C
Kultur

Mit Watthose auf die Kunstinsel

30.08.2010 | 12:06 Uhr
Mit Watthose auf die Kunstinsel
Das Seewerk zeigt Arbeiten des Künstlers Anatol Herzfeld. Foto: Ulla Michels

Moers.Sein „Parlament“ auf der Kunstinsel Nepix Kull nur zum Ansehen, das will Anatol Herzfeld auf gar keinen Fall. Der berühmte Beuys-Schüler möchte die 17 schwarzen Stühle mit der hohen Rückenlehne, die im Kreis Aufstellung finden sollen, als Einladung verstanden wissen und auch als Zeichen demokratischen Bemühens in Moers. „Die Insel könnte von Menschen angenommen werden zur Beratung oder um dort Geburtstag zu feiern“, meint der gebürtige Insterburger.

Die aus Schichtholz gefertigten Sitzmöbel stehen bereits wettergerschützt auf dem „Seewerk“-Gelände in Kapellen. Das umfangreichere Vorbild für die geplante Installation begeisterte die Seewerker Angelika Petri und Frank Merks bei einem Besuch auf der Museumsinsel Hombroich bei Neuss. Dort hat Anatol, wie er sich auch kurz und bündig nennt, nicht nur eine Werkstatt, sondern auch vielfältige Skulpturen geschaffen, die bestens mit dem natürlichen Umfeld korrespondieren.

Gegenwart als Quelle
der Intuition

Es sind zumeist archaische Formen mit hoher Symbolkraft. Angelika Petri erzählt, dass der Wunsch, Anatol für eine Ausstellung im „Seewerk“ zu gewinnen, schon seit 2005 besteht, es aber nie so richtig geklappt habe. In diesem Jahr ging sie die Sache gezielt an und meldete sich telefonisch bei dem Künstler mit dem Schnauzbart.

Ein Treffen wurde vereinbart, bei dem der ehemalige Verkehrspolizist spontan zusagte.

Auch den Maler
entdecken

Wer Anatol Herzfeld bislang nur als Bildhauer kannte, der bekommt bei der nächsten Schau im „Seewerk“, die am 11. September eröffnet wird, die Gelegenheit, auch den Maler zu entdecken. „Meine Intuition ist mit dem Gegenwärtigen gekoppelt“, sagt der 79-Jährige, der auch das Geschichtenerzählen mit voller Berechtigung zu seinen künstlerischen Talenten zählt, zu seinen Bildern. Afghanistan, Tschernobyl, Schweinegrippe oder die Unterdrückung von Menschen in den Entwicklungsländern sind einige der Themen, die darin Eingang gefunden haben.

Eigens für die Präsentation dieser Werke renovierten die engagierten Seewerker einen sehr geräumigen Dachboden. „Wir haben den Raum innerhalb von drei Wochen fertig gemacht.“

Angelika Petri macht dabei deutlich, dass dies alles andere als leicht war. Aber die Mühen haben sich gelohnt und auch Anatol ist offenbar zufrieden mit dem Resultat. Der erste Blick fällt auf ein Arrangement mit Tisch und drei Metallstühlen mit Kronen auf den Rückenlehnen. Dieses Werk soll, wie der Künstler aufklärt, die Gewaltenteilung versinnbildlichen.

Problemlos
pendeln

Angelika Petri und Frank Merks möchten Watthosen zur Verfügung stellen, damit interessierte Bürger an der Nepix Kull – ohne nass zu werden – durch den Wassergraben stapfen können, um Parlamentssitze auf der Kunstinsel zu besetzen. Vor seinem Engagement in Moers kannte Anatol die Stadt nicht.

Wer von ihm ein Statement zur Grafenstadt erhofft, der wird wohl enttäuscht. „Über Moers lässt sich nicht diskutieren.“ Die Aussage kann alles Mögliche bedeuten.Unverkennbar ist hingegen die Begeisterung des Künstlers für den Niederrhein und Bauernhöfe, die die historische fränkische Form bewahrt haben.

Dank Shuttle wird man am 11. September zwischen Kunstinsel und dem Kapellener „Seewerk“ problemlos pendeln können.

Ulrich Ernenputsch

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3625991/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Helges Heimatabend im Zelt
Bildgalerie
Helge Schneider
Freibad in Kamp-Lintfort öffnet
Bildgalerie
Lifestyle
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
Lösung noch vor Mitternacht
Wissenschaft
Studierende des zweiten Semesters aus dem Studiengang „Medien und Kommunikationsinformatik“ der Fakultät Kommunikation und Umwelt nahmen an einem Programmierwettbewerb zur Erstellung kleiner Helfer-Programme teil.
Dank an die Finder
Kriminalität
Moers. Es ist etwas ungewöhnlich: Sigrid Mayer wurde bestohlen, aber sie möchte sich bedanken. Und zwar bei drei Jugendlichen, die ihr das Portemonnaie zurückbrachten, das ihr Taschendiebe am Mittwochmittag gestohlen hatten.