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Mit dem Rad nach Norwegen – trotz Rücken-OP

29.07.2015 | 10:00 Uhr
Mit dem Rad nach Norwegen – trotz Rücken-OP
Orthopädie St. Bernhard Krankenhaus Kamp-Lintfort: Herbert Roebers (Mitte) nach seiner Bandscheiebn-OPFoto: privat

Kamp-Lintfort.   Herbert Roebers will im nächsten Jahr die 3500 Kilometer lange Tour in Angriff nehmen. Im Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital machte man seine Bandscheibe dafür fit.

Herbert Roebers Beschwerden begannen bereits, als er gerade 20 Jahre alt war. Bei einem Arbeitsunfall brach er sich das Schien­bein. Das Ergebnis der damaligen Behandlung: eine Verkürzung des Beines. Damals war es ein halber Zentimeter, heute, 40 Jahre später, ist das linke Bein 1,5 Zentimeter kürzer als das rechte. Den Schiefstand versuchte Roebers mit Schuhen und Einlagen auszugleichen. Aber immer häufiger hatte er starke Rückenbeschwerden, einen sogenannten „Hexenschuss“, der dann immer länger anhielt.

Der behandelnde Orthopäde erkannte das Problem und verordnete Herbert Roebers eine spezielle Rückenschule. Dann aber kam der Abend, an dem die Schmerzen unerträglich wurden. Dass er im nächsten Jahr mit dem Fahrrad zu einer 3500 Kilometer langen Tour nach Norwegen aufbrechen würde, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt nie träumen lassen.

Massive Beschwerden

Vom Notarzt wurde er ins St. Bernhard-Hospital eingewiesen. Dr. Florian Danckwerth, Chefarzt der Klinik für Konservative Orthopädie, Schmerztherapie und Manuelle Medizin, nahm sich seiner an. „Seine Beschwerden waren massiv“, so Danckwerth. „Besonders das Kribbeln im Bereich der großen Zehe machte mir Sorgen.“ Dazu kam, dass Herbert Roebers sich partout nicht operieren lassen wollte. „Es ist ja immer konservativ gegangen, ich sah nicht ein, warum das dieses Mal anders sein sollte“, begründete der Patient seine Entscheidung.

Danckwerth stellte fest, dass Herbert Roebers einen großen Bandscheibenvorfall hatte. Erkennen konnte man ihn erst im Kernspin-Tomographen. Und er musste dringend operiert werden. Nach Konsultationen mit seinem neuen Kollegen, Dr. Martin Grummel, Chefarzt der Orthopädischen Klinik I, waren sich beide schnell einig: Nur eine Operation konnte Herbert Roebers wirksam helfen. Beide Ärzte sprachen ausführlich mit dem Patienten und überzeugten ihn von der Operations-Notwendigkeit.

Ein Trugschluss des Gehirns

Das Perfide für Herbert Roebers war, dass er dort, wo der Bandscheiben-Vorfall war, gar keine Schmerzen hatte. Sondern eben ganz woanders. „Das ist ein Trugschluss des Gehirns“, erläutert Danckwerth. „Oft ist der Schädigungsort nicht der Ort der Schmerzen. Denn das Hirn nimmt nicht den Druck auf die Nervenwurzel als Schmerz auf, sondern den gesamten ausstrahlenden Verlauf.“

„Die gemeinsame Kompetenz beider orthopädischer Abteilungen ist die Stärke unseres Hauses. In solchen Fällen können sich die Patienten auf eine sofortige Zweitmeinung verlassen. Dabei steht immer im Vordergrund, dass eine Operation vermieden wird, wenn irgendwie möglich, aber dem Patienten wirklich geholfen wird“, so St. Bernhard-Geschäftsführer Ottmar Köck. „Durch die enge Zusammenarbeit unserer beider Kliniken verhindern wir unnötig lange konservative Behandlungen, aber auch unnötige Operationen“, sind sich auch Martin Grummel und Florian Danckwerth einig.

Nicht immer ist eine Operation bei einem Bandscheiben-Vorfall die beste Wahl. „Das muss in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft werden“, erläutert Grummel. „Nur wenn Lähmungen und ein Taubheitsgefühl auftreten, die auch Stuhl- oder Urininkontinenz mit sich bringen können, ist die Entscheidung klar.“

Die überwiegende Zahl aller Bandscheiben-Vorfälle lässt sich erfolgreich konservativ behandeln. „Wichtig ist die korrekte medizinische Entscheidung im Einzelfall“ , betont Danckwerth. Eine Erfahrung, von der Herbert Roebers nun profitierte.

Erst Reha, dann die Radtour

Roebers besucht jetzt – nach einer notwendigen, dreimonatigen Ruhephase – eine Rehabilitationsklinik. Dort lernt er die notwendigen Übungen, um sich und seine Wirbelsäule fit zu halten. Herbert Roebers plant aber weit über diese Zeit hinaus. „Nächstes Jahr will ich die für dieses Jahr geplante Fahrrad-Tour machen“, lacht er.

3500 Kilometer lang wird sie sein und ihn bis nach Nord-Norwegen führen. „Ich habe meinen Ärzten gesagt, dass ich all meine Hoffnungen in ihre Hände lege und weiß, dass sie mich nicht enttäuschen und dass ich nicht anschließend im Rollstuhl sitzen werde“, erzählt der 63-Jährige. Seine Hoffnungen haben ihn nicht getrogen.

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2015-07-29 10:00
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