Meisterliche Kunst aus Papier in Kamp-Lintfort

Diese scheinbar frei schwebende Faltkunst hat Origamimeisterin Wanni Lee gefertigt.
Diese scheinbar frei schwebende Faltkunst hat Origamimeisterin Wanni Lee gefertigt.
Foto: FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort..  Die kleine Chung-Wan Lee hätte nie gedacht, als sie mit der Mutter zuhause in Seoul Origami-Figürchen bastelte, dass dies einmal ein wichtiger Teil ihres künstlerischen Lebens würde. Eigentlich kam sie 1986 von Korea nach Deutschland, um europäische Kunst zu studieren und Abstand von den Ausdruckformen Asiens zu gewinnen. Wanni Lee, wie sich die 56-Jährige inzwischen nennt, ist noch immer verwundert, welche Wendungen ihre künstlerische Karriere hier genommen hat. Von überzeugend schlichten Keramikarbeiten über Kalligraphie bis hin zu meterhohen Origami-Skulpturen. Alle ihre Entwicklungsschritte waren und sind eine Ausstellung wert.

Klare Formen

Als Künstlerin entdeckt hat die Koreanerin, die heute in Duisburg lebt, der Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp, Dr. Peter Hahnen. Er liebt sowohl die klaren Formen der Keramik als auch die ungewöhnlichen Faltarbeiten der Künstlerin und hat schon einiges von ihr ausgestellt. „Als ich ihre Mappe sah, wusste ich, dass sie eine Chance bekommen musste.“ Gerade bereitet sie im Zentrum Kloster Kamp einen neuen Origami-Kurs vor.

Zuhause in Korea studierte Wanni Lee Kunst und arbeitete als Lehrerin. Auch die traditionelle Keramik war ein Studienfach. In Deutschland studierte sie in Berlin, Krefeld und Düsseldorf unter anderem ebenfalls Keramik, aber auch Bildhauerei. Ihre Liebe gehört den klaren, geometrischen Formen. „In der Kunst sieht man nicht, dass Du aus Asien kommst, bekam ich oft zu hören. Und das war ja eigentlich auch mein Ziel.“

Ein Mutter-Kind-Spiel

Dann vor drei Jahren ein einschneidendes Ereignis: „Ich lernte die Koreanerin kennen, die den Origami-Verein in Düsseldorf leitet“, erzählt Lee. In Korea sei Origami Volkskunst und ein Mutter-Kind-Spiel. „Irgendwann hab ich an der Wand im Wohnzimmer Schmetterlinge angebracht, als flatterten sie zum Fensterlicht.“ – „Die waren auch schon bei uns zu sehen. Es war schade, als wir sie abnehmen mussten“, erinnert sich Hahnen.

Ganze Lichtinstallationen, bestehend aus Draht und Origami, sowie Lichtobjekte sind inzwischen entstanden. Vor einer Weile entdeckte die Künstlerin Bücherseiten als Material für ihre Falt-Arbeit. „Es muss nicht immer Origami-Papier sein.“ In Antiquariaten oder auf Tauschbörsen ersteht sie das Material, dessen literarischer Inhalt später in pagodenartigen, teils meterhohen Skulpturen weiterlebt. Bei wieder anderen Objekten setzt Lee farbliche Akzente, in dem sie Seiten aus Katalogen oder Illustrierten verwendet. Tausende alter Bücher hat Lee so verarbeitet und ihnen eine neue Bestimmung gegeben. „Die Formen sind traditionell asiatisch, jetzt bin ich dort wieder angekommen.“

Nicht nur in der Region hat man die koreanische Künstlerin entdeckt. Gelegenheit zu einer Ausstellung hatte sie auch bereits in Paris. „Gerade gab es von dort wieder eine Anfrage. Das bedeutet aber auch, monatelang Tag und Nacht hart zu arbeiten.“ Ihre pädagogischen Fähigkeiten ermöglichen ihr auch, im Großraum Duisburg Origami-Kurse und Seminare für alle Altersstufen zu geben, unter anderem auch im Zentrum Kloster Kamp.

Was nicht zuletzt auch ein finanzielles Standbein für die frei schaffende Künstlerin bedeutet.

„Das Falten schult Hand und Auge, es ist Feinmotorik, die auch den Kindern gut tut. Zu falten macht Spaß, es kostet nicht viel, es macht geduldig und es entspannt.“