Meins bleibt meins ?
10.02.2012 | 16:51 Uhr 2012-02-10T16:51:00+0100
Moers. Michael und Claudia feiern als Moerser Prinzenpaar groß und mit Herz – leider nur inoffiziell.
Die Tanzfläche im Kulturzentrum Rheinkamp ist leer. Kurz vor Schluss der Kappensitzung rocken Polizisten, Teufel, Zauberer und Clowns zum „Anton aus Tirol“ jetzt die Bühne, während im Seitengang das Moerser Prinzenpaar auf seinen Auftritt wartet. Prinz Michael „der Köchelnde“ drückt seiner Prinzessin Claudia „der Liebenden“ fest die Hand. Von Nervosität keine Spur. Darüber sind die zwei, die auch im wirklichen Leben ein Paar sind, längst hinweg. Dabei sind sie streng genommen nur inoffiziell in der Moerser Prinzenrolle.
Offiziell wurde die vom Kulturausschuss Grafschafter Karneval in dieser Session nicht besetzt – es gab keine Bewerber. „Wir hatten keine Probleme, ein Prinzenpaar zu finden“, sagt Norbert Lipperheide. Der Leiter der Moerser Zweigstelle der Caritas Werkstätten Niederrhein, in der Menschen mit Behinderung arbeiten, zeigt sich selbstbewusst: Prinz ist Prinz.
Eine ganz normale Angelegenheit
Zum ersten Mal in seinen 38 Jahren jecker Geschichte ist das Prinzenpaar der Caritas-Werkstätten in diesem Jahr außerhalb der eigenen Feiern aufgetreten. „Da es in diesem Jahr kein offizielles Moerser Prinzenpaar gibt, haben die Hochstraßer unser Paar angefragt“, sagt Lipperheide, für den das erste Auswärtsspiel eines gehandicapten Regentenduos eine ganz normale Angelegenheit war. Vielleicht war sie lange überfällig: „In den Caritas-Werkstätten kommt Karneval in der Bedeutung noch vor Weihnachten. Es passt zu den Menschen hier, zu ihrer Direktheit, zu ihrer Emotionalität. Bei unseren Feiern geht es von null auf hundert in drei Sekunden – ohne einen Tropfen Alkohol.“
Wäre es nach Michael Hertgens und Claudia Schmitz – so heißt das Prinzenpaar mit bürgerlichem Namen – gegangen, hätten es mehr Auftritte sein können. Ebenso würde die 40-jährige Claudia mit ihrem Prinz gern beim Nelkensamstagzug auf einem der offiziellen Wagen mitfahren und Kamelle werfen. „Warum nicht?“, fragt Lipperheide.
„Für uns die die Session so gut wie gelaufen“, sagt der Vorsitzende des Grafschafter Karneval, Hans Kitzhofer. Meins bleibt Meins? Eine spontane Teilnahme am Zug sei nicht mehr möglich – „aus versicherungstechnischen Gründen.“ Grundsätzlich aber halte er die Idee, das Prinzenpaar der Caritas-Werkstätten künftig mehr in den offiziellen Moerser Karneval einzubinden für gut: „Das kann man nur fördern.“
Was ein Karnevalsprinz alles können muss? „Orden verteilen und bützen“, bringt der 44-jährige Prinz Michael, der in der Hauswirtschaft der Werkstätten arbeitet, die Bürde des Amtes auf den Punkt. Das erledigen die beiden im Kulturzentrum mit viel Herzlichkeit. Schunkeln, Tanzen, Singen, Stimmung machen – der Prinzenjob ist kein Handicap für das jecke Paar.
Orden verteilen Prinz Michael und Prinzessin Claudia „nur an Leute, die wir wirklich leiden können.“ Und wenn sie Nelkensamstag schon nicht vom Wagen Kamelle schmeißen dürfen, so wollen sie dem Zug auf der Straße zuschauen und „später Berliner essen“, sagt Claudia. Rosenmontag werden sie zum letzten Mal in der Prinzenrolle bützen. Nächstes Jahr feiern sie wieder ohne Amt. Als Clown. Oder als Bauchtänzerin. Ganz offiziell – und vermutlich genauso vergnügt.
0mitdiskutieren