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Mehr Platz für Menschen

29.01.2009 | 20:36 Uhr
Mehr Platz für Menschen

STADTENTWICKLUNG. Pläne für Neuen Wall und Kö wurden kontrovers diskutiert. Jetzt liegen sie für jedermann im Rathaus aus.

MOERS. Es war eine lebhafte Bürgerversammlung, in der (prinzip-)gemeckert wurde, was sie noch abendfüllender machte. Aber die Info-Veranstaltung zum Masterplan Innenstadt - und damit zur Umgestaltung des Neuen Walls - bot auch viele Anregungen, konstruktive Kritik und sogar Lob für die Planungsbüros. Im Laufe der Präsentation kristallisierten sich im rappelvollen Sitzungssaal des Alten Rathauses zwei Sorgenkinder heraus: ein mehrgeschossiges Parkhaus auf dem jetzigen Parkdeck und ein großer Kreisverkehr statt Trotzburg-Kreuzung.

STÄDTEBAU Die städtebaulichen Neuerungen erklärte Matthias Pfeifer von RKW Architektur und Städtebau. Die Busse sollen aus der Homberger Straße weichen und der Bahnhof auf den Neuen Wall verlegt werden. Entlang des in Richtung Ostring versetzten Königsees, der eine Art Ruheoase werden soll (Motto: "Mehr Platz für Menschen), wird es auf der Ostseite des Walls drei Gebäude geben. Nördlich, wo jetzt das Parkdeck ist, ein mehrgeschossiges Parkhaus, das 510 Stellplätze oder mehr bieten könnte. "Damit wäre der dann ein autofreier Kastellplatz kompensiert."

Das nächste Gebäude, etwa in Höhe der Bank-Filiale, soll zwei Geschosse haben. "Es würde als Sichtschutz zwischen dem neuen Freizeitbereich am jetzigen Busbahnhof und den neuen Haltestellen fungieren." Noch etwas weiter südlich befände sich, wie angekündigt, ein neues Cafe Roos. "In diesem Bereich würde die Verbindung zwischen Homberger Straße und Steinstraße optimiert, wovon die Homberger profitieren könnte."

Die Pläne fanden Anklang, aber auch Kritik. Wie Pfeifer darauf komme, dass die Einkaufsstraße durch die reine hübsche Anbindung aufblühen würde, wollte Karin Hohl wissen. Und ein anderer Besucher der Präsentation warf ein: "Die Homberger geht den Bach runter, wenn der Busverkehr da rausgenommen wird."

LANDSCHAFT Eine Debatte gab es auch bei der Vorstellung der Landschaftsarchitektur durch Markus Gnüchtel, GTL Landschaftsarchitekten. Die alte Wallanlage soll geschlossen und komplett begehbar gemacht werden, das Wasser von allen Seiten erreichbar sein. "Der Teich wird von ihnen allen nicht genutzt, so wie er jetzt ist." Gnüchtel meint vor allem die Mehrfachbarrieren durch Sträucher und Parkplätze am Ostring sowie den kleinen Abhang am Neuen Wall. Er stellt sich vor, den Zugang behindertengerecht zu gestalten, spricht von einem Kaskaden-Wasserfall. Um den See nach hinten zu verlegen, müssten 69 Bäume gefällt werden. Das erregte Kritik. "Wir pflanzen dafür 75 neue Kaiserlinden." Ein Ausgleich, meinte Gnüchtel, auch beim Sauerstoff-Umsatz. Kostenpunkt: 150 000 Euro.

VERKEHR Den meisten Ärger bereitete den interessierten Moersern die Verkehrsführung und die Parkplatzsituation. Den Verkehr soll von Norden kommend an der Trotzburg ein Kreisverkehr regeln, den täglich 28 000 Fahrzeuge benutzen werden. Geradeaus in den Neuen Wall dürfen nur noch Autos, die in das geplante Parkhaus oder hinter dem Wallzentrum rechts einbiegen wollen. Zwischen dieser Höhe und der Einmündung zum Kastellplatz dürfen nur Busse und Räder fahren, dahinter wieder Autos.

Dr. Ralf Huber-Erler von R+T Büro für Verkehrsplanung kündigte an, die Glückauf-Schranke an der Baerler Straße zu entfernen und die Ecken Rheinberger Straße/Baerler Straße und Mühlenstraße zu einem großen Knoten zusammenzuführen. Ein weiterer markanter Punkt sei der Knoten Homberger Straße/Klever Straße. Insgesamt soll der zunehmende Verkehr über einen Innenstadt-Ring um die City herumgeleitet werden.

Kritisiert wurde, dass sich die Parkplätze mit dem neuen Parkhaus und der Mühlenstraße auf den Norden der City konzentrieren würden. "Was ist mit Besuchern des Schlosstheaters und der Stadtkirche?" Dem Vorschlag von Margret Dettmann, das neue Parkhaus lieber auf dem Neumarkt zu bauen und den Busbahnhof dafür aufs Parkdeck zu verlegen, um somit auch von der Trotzburg aus einen herrlichen Blick auf die neue Stadtmitte zu ermöglichen, folgte Baudezernent Günter Wusthoff nur zögerlich. "Wir werden darüber sprechen." Das Parkhaus war für die anwesenden Moerser ein ästhetisches Problem. Oder in Dettmanns Worten: "Das hässliche Ding will keiner."

Die Pläne liegen bis einschließlich Freitag, 6. Februar, im Fachbereich Stadtplanung und Grünflächen, Neues Rathaus, aus. Dort können auch Anregungen gegeben werden, die an die Fachausschüsse weitergeleitet werden.

Was ist Ihre Meinung zu der Präsentation der Planungsbüros? Wir sind gespannt! Schreiben Sie an die NRZ, Homberger Str. 4, 47441 Moers oder mailen an lok.moers@nrz.de

MICHAEL PASSON

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Kommentare
30.01.2009
10:39
Mehr Platz für Menschen
von kolli | #1

Wie solche Projekte in Zeiten der Finanzkrise wohl finanziert werden?
Jede Stadt hat doch mittlerweile ihr Center, das scheint für Investoren bisher ein lukratives Geschäft gewesen zu sein.

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