„Mehr Geld für Jugendarbeit“
04.04.2011 | 17:28 Uhr 2011-04-04T17:28:00+0200Rheurdt.„Mehr Geld für Jugendarbeit“, fordern die Grünen im Gemeinderat. Ein anderes Konzept müsse her. Und Streetwork von einer gestandenen Person.
Das Kind beim Namen zu nennen, traute sich jetzt Elke Währisch-Große von den Grünen im Gemeinderat: „Wir sind bei den Haushaltsverhandlungen darauf gestoßen. Die Kosten für die Jugendarbeit sollen gesenkt werden.“
Weiter: „Wir wollen an den richtigen Stellen nachlegen oder sparen. Und dieser Posten müsste aufgestockt werden. Den Betrag zu kürzen, ist das falsche Signal.“ Hintergrund: Die Awo erledigt die Jugendarbeit per Vertrag in der Gemeinde Rheurdt.
Versierte, gestandene Kraft
Für mehr Geld bekäme die Gemeinde eine versierte, gestandene Kraft in der aufsuchenden Jugendarbeit, sprich, für Streetwork. Dieser könne durchaus von der jetzigen Streetworkerin Tanja Jendraschek flankiert werden. „Aber man kann keine rund 20-Jährige spät abends noch allein auf die Straße und am Ortsrand in die Büsche schicken, wo sich die Jugendgruppen ja oft aufhalten.“ Zumal es einer so jungen Kraft auch an Erfahrung fehle. „Unsere Kritik hat nichts mit der Person zu tun. Es geht um das Konzept.“
Auch mit der Arbeit im Jugendzentrum Awo-Bahnhof wende man sich nach Ansicht der Grünen an die falsche Zielgruppe. „Kinder sind in Rheurdt viel in Vereinen, in der Ganztagsbetreuung der Schule oder in der Familie behütet.“ Daher werde dieses Awo-Programm auch wenig genutzt. Es gehe vielmehr um die 13- bis 17-Jährigen. „Sie sind in der Pubertät, werden gerade flügge.“ Diejenigen, die sich abends auf der Straße aufhielten, wollten keine feste Anbindung oder ein Programm. „Sie wollen abends einfach irgendwo in Ruhe abhängen.“ Dies werde im Awo-Bahnhof kaum berücksichtigt. „Ich habe das Gefühl, wir decken einen Bedarf, der nicht da ist. Und der Bedarf, der existiert, wird nicht bedient.“
Davon will Viktor Kämmerer, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbands Kleve, gar nichts wissen. „Zugang zu Jugendlichen zu finden, muss nichts mit dem Alter zu tun haben. Ältere sind dafür aber wohl eher nicht geeignet.“
Derzeit stehe man vor Verhandlungen für einen neuen Vertrag über die Jugendarbeit. Streetworkerin Tanja Jendraschek sei Sozialpädagogin, die berufsbegleitend ihr Diplom in Nimwegen mache. Sie kenne die Gemeinde. Gefahren für die junge Frau sieht Kämmerer nicht in Rheurdt.
„Issum gibt viermal
so viel dafür aus“
Bisher bezahle die Gemeinde der Awo jährlich 50 000 Euro, der Kreis zahle noch einmal so viel, das Land steuere gut 7000 Euro bei. „Davon bestreiten wir die Arbeit in Rheurdt, Schaephuysen und die Streetworkerin sowie alle Neben- und Betriebskosten.“ Und: „Issum gibt viermal so viel für die Jugendarbeit aus.“
Für die Jugendlichen-Gruppen auf der Straße sei der Awo-Bahnhof auch offen. Dass das kalte Ambiente nicht gerade zum gemütlichen Plausch einlädt: „Dort kann man sich ungezwungen in einem Raum in der oberen Etage aufhalten.“ Und grundsätzlich könne die Awo nur das anbieten, was die finanziellen Möglichkeiten erlaubten. „Unsere Leute leisten hervorragende Arbeit.“
Wenn man vom Sparen rede, könne man wohl kaum bei den fixen Betriebskosten anfangen. „Das ginge zu Lasten der Öffnungs- und Einsatzzeiten.“
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