Mehr als Kinder, Küche, Kirche in Kamp-Lintfort

Vorne v.l.: Elisabeth Ploch, Gisela Bonk, Gisela Schmitz und Liesel Giebichenstein. Hinten v.l.: Katharina Schwarz, Roswitha Dudek und Gabriele Rein.
Vorne v.l.: Elisabeth Ploch, Gisela Bonk, Gisela Schmitz und Liesel Giebichenstein. Hinten v.l.: Katharina Schwarz, Roswitha Dudek und Gabriele Rein.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Verein Frau und Kultur feiert seinen 25. Geburtstag – und schmiedet immer weiter Pläne. 58 Mitglieder gibt es aktuell.

Kamp-Lintfort..  Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in einem Kamp-Lintforter Wohnzimmer ein Verein gegründet wurde, der vor allem eines zum Ziel hatte: die kulturelle Bildung der Frauen in der Bergarbeiterstadt zu fördern. „Es gibt ja schließlich noch was anderes als Kinder, Küche, Kirche“, sagt eines der Gründungsmitglieder von „Frau und Kultur Kamp-Lintfort“, Elisabeth Ploch. Die 81-jährige Ehrenvorsitzende ist auch heute noch mit dabei, wenn sich der Verein zwei Mal im Monat trifft, um über Kunst und Literatur zu diskutieren oder gemeinsam kulturell interessante Orte in der Region unter die Lupe nimmt. Am 7. Juli feiern die Frauen den runden Geburtstag in ihrem neuen Domizil in der „Alten Scheune“ auf dem Kamper Berg mit einem bunten Programm und Gästen.

Kampf dem Korsett

Gegründet 1896 in Berlin, hatte der Verband Frau und Kultur sich damals zunächst ein Ziel gesteckt: Kampf dem Korsett! Was vordergründig ein Aufbegehren gegen frauenfeindliche Modetyrannei war, war im eigentlichen Sinne viel mehr – nämlich ein Akt der Emanzipation. Die Frauen beginnen zu netzwerken, überall in Deutschland und auch in Europa gründen sich Ableger, die sich schnell sozial und kulturell engagieren – Bildung und Emanzipation der Frau immer im Blick.

Eva Paschmann, ehemals Bundesvorsitzende des Vereins, trug die Idee vor 25 Jahren auch nach Kamp-Lintfort. Die 88-jährige Liesel Giebichenstein erinnert sich: „Sie fragte, ob der Verein nicht auch was für Kamp-Lintfort wäre. Na klar, haben wir gesagt, auch Bergarbeiterfrauen interessieren sich für Kultur.“ Insgesamt 14 Frauen waren es dann, die den Verein vor Ort ins Leben riefen. Zunächst nur Frauen aus Kamp-Lintfort, heute kommen die Mitglieder auch aus Moers, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg.

„Unser Programm haben wir immer viel aus den eigenen Reihen bestritten“, sagt Liesel Giebichen­stein. Gründungsmitglied Gisela Schmitz (86) erinnert sich noch an ihren ersten Vortrag: „Das war wie ein Sprung ins kalte Wasser.“ Bis heute, sagt Gisela Bonk (86), ebenfalls Gründungsmitglied, sei ihnen Literatur immer wichtig gewesen. „Und wenn wir ins Museum gehen – dann immer mit Führung.“

Wie es heute mit dem Nachwuchs aussieht? „Na ja, die ganz Jungen fehlen“, sagt die 2. Vorsitzende Katharina Schwarz. Trotzdem wächst der Verein in den letzten Jahren – aktuell zählt er 58 Mitglieder. Jeden ersten Mittwoch im Monat widmet sich die Gruppe in der „Alten Scheune“ bei einer Niederrheinischen Kaffeetafel Referaten und Vorträgen der Literatur und Kunst, jeden dritten Mittwoch im Monat geht es auf Ausflüge in die Region – zuletzt etwa ins Kröller-Müller-Museum in die Hoge Veluwe.

„Wir würden uns freuen, wenn neue Frauen dazustoßen“, sagt Vorstandsmitglied Roswitha Dudek. Wer sich informieren will: 02842/10495, www.frau-und-kulur.de/kamp-lintfort.