Medizin-Krimi in Kamp-Lintfort

Am Dr. med. Christian Illian und Dr. med. Karsten Maier
Am Dr. med. Christian Illian und Dr. med. Karsten Maier
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Streit um die chirurgische Praxis zwischen zwischen zwei Ärzten und dem St.Bernhard-Hospital geht weiter. Die Ärzte erheben schwere Vorwürfe gegen das Hospital.

Kamp-Lintfort..  Der Termin-Kalender ist voll bis Mitte Februar, täglich kamen 50 bis 60 Menschen in die Praxis an der Kamperdickstraße, um sich von Dr. Christian Illian und Dr. Carsten Maier helfen zu lassen. So wie früher von Dr. Simon, bevor ihn seine Krankheit quasi über Nacht arbeitsunfähig machte. Eine Klasse-Bilanz nach knapp zwei Monaten Öffnungszeit. Jetzt ist schon wieder dicht. Das Sozialgericht Duisburg will es. Oder besser: Das St. Bernhard-Hospital, das die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), dem Duo aus Moers den Kassensitz zu übertragen, nicht akzeptieren kann. Illian legt seine Zurückhaltung in diesem Medizin-Krimi ab: „Die wollen uns ganz einfach platt machen.“

Und die Chancen dazu stehen nicht mal schlecht. 12 000 Euro verlieren die Ärzte, beide Familienväter Anfang 40, monatlich – solange sie keine Kassenpatienten, die etwa 85 Prozent ausmachen, behandeln dürfen. Denn die Miete, die Gehälter für die 3,5 Angestellten und die Wartungsarbeiten laufen ja weiter. Der letzte Knüppel, den das St. Bernhard beziehungsweise seine Oberärztin Theresia Scharfschwerdt als Klägerin dem Duo zwischen die Beine werfen konnte, hat es überraschend noch mal zu Fall gebracht.

Ein falsches Argument

Die Vorgeschichte in Kürze: Simon erkrankte, die Patientenversorgung wurde unter anderem durch den Einsatz des St. Bernhard beziehungsweise seiner Oberärztin aufrecht erhalten. Simon wollte seinen Kassensitz schließlich an das St. Bernhard verkaufen, der Sitz sollte anschließend übersiedeln zum Krankenhaus, das ein Medizinisches Versorgungszentrum plante und auch schon Geld in die Hand genommen hatte. Das Problem: Ein solcher Kassensitz muss ausgeschrieben, darf nicht an Institutionen abgegeben werden. Was die Kassenärztliche Vereinigung auch tat und das junge Duo der 57-jährigen Oberärztin vorzog. Deren Einspruch wehrte der Berufungsausschuss der KV ab, weshalb Scharfschwerdt nur die Klage vor dem Sozialgericht blieb. Und die richtete sich, Achtung, jetzt wird’s knifflig, gegen die Entscheidung, Illian/Maier im Juli die sofortige Behandlungserlaubnis für Kassenpatienten zu erteilen. Also: Kein Start, bevor das Gericht nicht endgültig entschieden hat, wer den Kassensitz am Ende bekommt. Und das kann nach NRZ-Informationen vier bis fünf Jahre dauern.

Dem wurde nun stattgegeben. Die Patienten und natürlich die Ärzte sind stinksauer, sagen sie. Zumal sie die Begründung nicht nachvollziehen können. Der finanzielle Schaden sei überschaubar, weil beide ja noch ihre Stelle im Bethanien hätten. Ein Irrtum des Richters: Beide haben eine halbe, die andere Hälfte setzen sie in der Praxis ein, um dort einen ganzen Kassensitz auszufüllen. Zudem sei der Kreis Wesel chirurgisch überversorgt. Wie gesagt, selbst bei diesem neuen Team gäbe es den nächsten Termin erst in über einem Monat.

Zu voreilig geplant und verzockt

Hinter allem steht nach Meinung von Christian Illian der Kaufmännische Direktor des St. Bernhard-Hospitals, Josef Lübbers. Der habe offenbar zu voreilig geplant und sich am Ende verzockt. Zudem gebe es die irrige Angst, man würde Kamp-Lintforter Patienten dem Bethanien-Krankenhaus in Moers zuführen. „So ein Quatsch.“

Unterstützung erhalten Maier und Illian ausgerechnet von Dr. Bernd Simon, der seine Praxis, sein Lebenswerk, anfangs dem St. Bernhard vermachen wollte. „Ich habe zu spät gemerkt, dass Lübbers meiner Praxis nur das Licht ausknipsen wollte, um ein MVZ zu realisieren. Ich wurde zuvor ziemlich unter Druck gesetzt, das war und ist nicht schön. Ich hoffe inständig, dass diese Juristerei bald ein Ende hat und Dr. Illian und Dr. Maier endlich in Ruhe arbeiten können. Denn das waren einfach die besten Bewerber.“

St. Bernhard: „Ein Jahr lang waren wir gut genug“

Beim St. Bernhard-Hospital vertreten sie eine gänzlich andere Sichtweise. „Ein Jahr lang war Dr. Theresia Scharfschwerdt bestens geeignet, die Praxis-Vertretung für den plötzlich schwer erkrankten Kamp-Lintforter Unfallchirurgen Dr. Bernd Simon zu übernehmen. Auch in den Augen der Kassenärztlichen Vereinigung“, heißt es in einer Stellungnahme. „Sie hat den Patienten der Praxis in dieser Zeit gezeigt, welche ausgezeichneten medizinischen Qualitäten sie hat und dass man sich hier auf sie verlassen kann“, sagt Lübbers.

Es sei sowohl Wunsch von Herrn Dr. Simon, als auch der des Krankenhauses gewesen, den bestehenden Praxissitz so bald wie möglich ins Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am St. Bernhard-Hospital zu verlegen. Auch hatte er bereits einen Anstellungsvertrag für das MVZ am St. Bernhard-Hospital unterschrieben, so Lübbers.

„Wir begrüßen die Entscheidung des Sozialgerichtes zur erneuten Überprüfung der Vergabe“, betont Josef Lübbers.