Märchen zwischen Hexenwald und Knusperhäuschen

Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Was wir bereits wissen
Beim Märchenfestival in der Dong gab es wieder zwei Tage lang tolle Märchen und Geschichten zu hören.

Neukirchen-Vluyn..  Am Wochenende verwandelte sich das Gelände rund um die Alte Mühle in der Dong in einen zauberhaften Märchenwald. Zum achten Mal konnten Jung und Alt beim Märchenfestival den spannenden Geschichten der Erzähler aus Deutschland und Österreich lauschen.

Vor rund zehn Jahren hat Joachim Bürger die Mühle mit der Parkanlage gekauft. „Ich stand damals auf dieser riesigen Fläche und dachte: Hier muss ich irgendetwas draus machen, etwas Großes.“ Als Bürger in Irland war, entdeckte er das „storytelling“, zu Deutsch: Geschichten erzählen. „Als ich das gesehen habe, wusste ich, das ist es. So etwas ist in Deutschland selten und passt zu meinem Anwesen.“

Acht Erzähler pro Tag

In diesem Jahr waren es wieder acht Erzähler pro Tag. Eine von ihnen war Katharina Ritter. Mit ihrer Geschichte über den goldenen Rehbock zog sie nicht nur die kleinen Besucher in ihren Bann.

Märchenerzählen ist für sie nichts Anderes als „Filme im Kopf erzeugen wollen“, erklärt die Münchenerin. Seit 15 Jahren arbeitet Ritter als hauptberufliche Erzählerin. „Ich habe den schönsten Beruf der Welt für mich gefunden“, sagt Ritter. Bei ihrer Märchenstunde merkt man, wie sie mit dem Publikum spielt, sodass jeder aufmerksam zuhört und mitmacht. Vieles im Programm ist spontan. Ritter: „Ich schaue vor Beginn, wie alt das Publikum im Durchschnitt ist und überlege mir, welche Geschichte ich erzähle.“

Die gebürtige Österreicherin schätzt das Märchenfestival in der Dong: „Die Besucher sind sehr aufgeweckt und machen das Fest zu dem, was es ist. Für uns Erzähler ist es schön, wenn jeder Besucher mitmacht und voll dabei ist.“

Am Nachmittag ertönte der Dudelsack von Frank Bernegger: Das Startsignal für die Märchenwanderung durch den Wald rund um die Mühle war gegeben. An verschiedenen Punkten erzählte Elisabeth Nieskens ihre Geschichten. Für sie ist es eine andere Atmosphäre, in einem Wald zu erzählen: „In fast jedem Märchen sucht eine Figur ihr Glück oder ihren Weg. Und das machen wir hier auch mit unserer Wanderung“, erklärt die Österreicherin.

Märchen auf Reisen

Ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes war neben der Nacht der Kobolde am Samstag mit Live-Musik der Band „Ferry2Kerry“ der Verleih der „Goldenen Spindel“. Ein Preis, den der beste Erzähler durch eine Publikumsabstimmung erhielt. In diesem Jahr war das Märchenfestival zudem „auf Reise“. Die Bürgerstiftung der Stadt entwickelte die Idee, das Fest für Menschen, die den Weg nicht mehr zu Fuß schaffen, mobil zu machen. So besuchten drei Erzähler die Senioren in den Einrichtungen in Neukirchen und Vluyn.

Für Initiator Joachim Bürger hat das Märchenfestival auch weiterhin Zukunft: „Weltweit gibt es nur zehn Festivals dieser Art. Eines davon zu sein, macht einen selbst stolz und macht die Stadt national bekannter“, erklärt der Mühlen-Besitzer und ergänzt: „Mir selbst macht es natürlich unheimlich viel Spaß, das Fest auf die Beine zu stellen. Von der Planung bis zum eigentlichen Event. Der größte Feind in diesem Jahr war nur das Schwimmbad bei den Temperaturen gewesen.“