Legen Sie einfach auf!
15.02.2012 | 20:15 Uhr 2012-02-15T20:15:00+0100
Moers.Rücksichtslose Abzocke am Telefon und im Internet kommen täglich massenhaft vor. Dies zeigte sich einmal mehr bei unserer Telefonaktion mit Verbraucherberatung und der Polizei.
Verbraucherschützerin Gisela Daniels und Kriminalhauptkommissar Wolfgang Clanzett beantworteten eine Stunde lang nahezu ununterbrochen Fragen unserer Leserinnen und Leser. Besonders Gisela Daniels war gefragt. „Am häufigsten waren Beschwerden und Fragen zu Telefonwerbeanrufen“, so die Verbraucherschützerin und auch innerhalb der kurzen Zeit wurde klar, wie einfallsreich die Abzocker sind.
Für Beträge von 89 Euro bis 119 Euro wurde den Betroffenen zum Beispiel ein kabelloses Gerät angeboten, das angeblich noch nicht einmal angeschlossen werden muss, aber trotzdem alle künftigen Werbeanrufe unterdrücken soll.
Wolfgang Clanzett kann teilweise nur noch den Kopf schütteln, wenn er hört, wofür Betrüger Geld verlangen. So berichtet ein Anrufer, dass er 4000 Euro bezahlen sollte, weil sein Auto in einen Unfall verwickelt gewesen sei – obwohl es unbeschädigt vor der Türe steht. Eine andere erhält eine Rechnung für ihren Besuch auf der Internetseite „Click and buy“. Der Clou: die Frau besitzt gar keinen Computer. „Es ist eigentlich immer das gleiche Verfahren, nur mit den unterschiedlichsten Geschichten“, weiß Wolfgang Clanzett.
Nachbarn können als Zeugen dienen
Doch was tun, wenn man auf eine der vielen Maschen der Betrüger reingefallen ist? Schon wenn man einen Anruf erhält, der dubios scheint, hält, sollte man sofort aktiv werden, rät Gisela Daniels: „Zuerst nachfragen, mit welcher Firma man es wirklich zu tun hat und die Telefonnummer mitschreiben.“ Wenn möglich, sollte man einen Zeugen dazu holen, der das Telefonat mit verfolgt.
Wenn die Zahl der Werbeanrufe steigt, empfiehlt die Verbraucherschützerin: „Legen Sie einfach auf! Oder seien Sie unfreundlich!“ Einer der wichtigsten Punkte ist jedoch, jeden Monat seine Kontoauszüge und die Telefonrechnung zu prüfen. Hierbei sollte man nicht nur auf Abbuchungen achten, sondern auch auf kleine Einzahlungen wie 1,01 Euro, da durch diese nur geprüft wird, ob unter dieser Nummer ein Konto existiert und dann monatliche Abbuchungen folgen.
Sollte trotz allem ungewollt ein Vertrag zustande kommen, sollte man sich ruhig an die Verbraucherberatung wenden und alle schriftlichen Dokumente aufheben. Oft reicht schon ein „Widerspruchsschreiben“. Muster und Vorlagen, mit denen man den lästigen Vertrag wieder loswerden kann, gibt es bei Gisela Daniels. Wenn keine Daten von dem jeweiligen Unternehmen vorhanden sind, sollte man eine Rückbuchung durchführen, da sich die Betrüger in vielen Fällen dann schriftlich melden: „Dann haben Sie die Adresse.“ Bei Fällen, in denen der Betrug offenkundig ist, rät die Polizei zur Anzeige. Zu dem bietet das Bundesdatenschutzgesetz jedem die Möglichkeit, eine Unterlassung von Werbeanrufen und die Löschung der eigenen Daten aus dem System zu verlangen.
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