Lebenshöhepunkt von elf Jahren

Das Schloss wächst immer noch aus der Erde. Siehst Du, wie es gewachsen ist seit letztem Jahr? Die Frage der Indra aus Strindbergs „Ein Traumspiel“, mit dessen Premiere unter der Regie von Pia Bierey 1988 die elf Jahre begannen, die ich an diesem unvergleichlichen Theater leben und arbeiten durfte, konnte schon gestellt werden, als wir an dem durch Holk Freytag gegründeten und zu überregionalem Ruhm geführten Schlosstheater unsere Arbeit begannen. Das STM war bereits hoch und gleichsam aus der Erde gewachsen. Es wuchs weiter, zu anderer und leuchtender Größe, auch nachdem ich 1999, nach einem Lebenshöhepunkt von elf Jahren Haus und Stadt verlassen hatte.

In tiefer Dankbarkeit gratuliere diesem Haus, in dem sich in Kunst und Leben Schicksale kreuzten, fanden und trennten. Ich gratuliere allen Menschen, die an diesem Hause lebten und arbeiteten, jeder Leitung, jedem Ensemble, das kam und ging, insbesondere jedoch den Mitarbeitern, die uns, die Durchreisenden, vom Beginn des STM durch die Jahrzehnte trugen und ertrugen bis heute. Ich gratuliere und danke dem Rat und der Verwaltung, durch deren Mut und deren beispielloses Engagement ein einzigartiges Theaterwunder gegründet, ermöglicht und bis heute bewahrt wurde. Mehr als großstädtische Urbanität auf kleinstem Raum ist erreicht, mehr als der Mut einer Kleinstadt zur kleinen Metropole.
Rupert Seidl, 1988 bis 1999 Schauspieler und Intendant am STM