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Kunst ging kurz baden

06.09.2010 | 18:02 Uhr
Kunst ging kurz baden

Moers.In roter Latzhose steht Anatol Herzfeld am Ufer der Nepix Kull, dirigiert Frank Merks und Luigi Lettieri durch die Furt, als sie einen weiteren Stuhl rüber zur Dreiecks-Insel schleppen, die Teil einer barocken Festungsanlage war.

Nach und nach bildet das schwarze Gestühl mit den hohen Lehnen und den darauf eingebrannten Kreuzblumen einen Ring um die in der Inselmitte stehende 200 Jahre alte Eiche. Ein germanischer Thingplatz? „Nein“, sagt Anatol und verweist darauf, dass in diesem Beraterkreis einst gerichtet wurde. Ihm aber gehe es ums Beobachten und darum, sich bewusst zu werden, welche Kraft die Natur hat, die aus dem kleinsten Samen einen mächtigen Baum wachsen lässt.

Stühle trotzen
Wind und Wetter

Während seiner Erklärung lässt der Neusser Künstler keinen Moment die beiden Männer aus den Augen, die sich vorsichtig, Schritt für Schritt, mit einem weiteren Stuhl durch das trübe Wasser vorwagen. „Moment, Luigi muss hier rüber, sonst rutscht er wieder weg“, warnt Anatol und macht eine Handbewegung nach links. Einmal war der Italiener ins Straucheln geraten. Seither hat seine Anglerhose ein kleines Loch und der Gummistiefel ist voll Wasser gelaufen. Macht nichts, Luigi ist hart im Nehmen. Und die Stühle sind stabil. Ihr wasserfest verleimtes Schichtholz wird Wind und Wetter trotzen. Bis Mitte Oktober sollen sie auf der Kunstinsel stehen.

Der 79-jährige Anatol bezeichnet sie nicht als Kunstinstallation. Es sei eher so, als würde ein Gärtner Parkbänke aufstellen, die einladen zu Ruhe, Entspannung oder zur Betrachtung. Doch wer soll auf die Insel kommen. „Die Alten brauchen viel zu lang, da ist die Kunst längst vorbei“, sagt Anatol und lacht. Er setzt auf die Jugend und ihre Neugier. Wenn’s nicht zu kalt ist, würden Jungen und Mädchen hinüberwaten und die Stühle in Besitz nehmen. Und wenn auf allen Stühlen Kindernamen stünden, wäre es doch toll, wenn diesen Kindern die Objekte überlassen würden - unter der Bedingung, dass sie einmal im Jahr für 24 Stunden auf die Insel gebracht werden - an einem schönen Herbsttag. Eine verlockende Aussicht.

Anatol traf übrigens an Nepix Kull gestern den früheren Leiter des Duisburger Stückblechkontors, der ihm vor Jahren die Bleche für die 23 Stühle seines auf der Insel Hombroich stehenden „Parlaments“ geschnitten hat. Das Moerser „Insel-Parlament“ wird am Samstag, 11. September, um 15 Uhr eröffnet.

Volker Strommenger

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