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Hüsch-Abend

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21.01.2015 | 08:00 Uhr
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Foto: Ulla Michels

Moers. Fans von Hanns-Dieter Hüsch haben den Termin schon lange in ihrem Terminkalender blockiert: Der 6. Mai ist der Geburtstag von HDH. In diesem Jahr wäre der Kabarettist 90 Jahre alt geworden. Moers will seinen wohl bekanntesten Sohn an diesem Tag ehren und feiern – mit einer lebensgroßen Bronzeskulptur und einer Veranstaltung in der Festivalhalle. Die erste Liga des deutschen Kabaretts wird an dem Abend auf der Bühne stehen.

„Hanns Dieter Hüsch – Unsterblich“ lautet die Überschrift der Geburtstagsfeier mit Jürgen Becker, Matthias Brodowy, Wendelin Haverkamp, Lars Reichow, Arnulf Rating und Wilfried Schmickler. Veranstalter sind das städtische Kulturbüro und das Schlosstheater in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk, der live im Radio und als Livestream im Internet übertragen wird.

„Alle haben sofort zugesagt, als die Anfrage kam“, berichtet Wilfried Schmickler im Gespräch mit der NRZ. „Das versteht sich ja von selbst.“ Was nicht nur daran liegt, dass man den Mann persönlich geschätzt habe: „Wenn du einen Hüsch-Abend machst, bekommst du ja nur gutes Material. Da kannst du nichts falsch machen.“ Denn in der Tat werden Jürgen Schmickler und seine Kollegen ausschließlich Hüsch-Texte vortragen, „die ganze Bandbreite: vom niederrheinischen Döneken bis zu den literarisch anspruchsvollen Hagenbuch-Geschichten“. Allerdings werde man „ein paar Experimente“ machen und unter anderem Geschichten, die als Solo geschrieben wurden, zu dritt vortragen.

Wilfried Schmickler kennt Hanns Dieter Hüsch seit seiner Schulzeit: „Ich habe 1973 Abitur gemacht. In der Mittelstufe konnten wir Jürgen von Manger rauf- und runterbeten. In der Oberstufe waren es dann die Platten von Hüsch“, erinnert sich der Leverkusener. „’Das Wort zum Montag’ und ‘Enthauptungen’ hatten wir auswendig drauf, das war ein Muss.“ Jahre später begegnete Schmickler – inzwischen selbst Kabarettist – HDH bei den WDR-Mitternachtsspitzen und war abermals beeindruckt: „Er hat die ganze Freundlichkeit und die Menschlichkeit, die man aus seinen Texten kennt, auch gelebt. Er war ein ganz angenehmer Umgang.“

Kollege Jürgen Becker sieht das genauso: „Das war ein sehr kollegiales und zugewandtes Verhältnis.“ Dem Kölner fällt zudem spontan ein, dass sich der Kabarettist um die Region verdient gemacht habe: „Ohne Hanns Dieter Hüsch hätte man gar nicht gewusst, dass es den Niederrhein überhaupt gibt“, sagt er. „Dass es die DDR gibt, wussten wir ja“, meint Becker. „Aber der Niederrhein?“ Die Region könne Hüsch nicht dankbar genug sein: „Das ist eine enorme Errungenschaft.“

Becker begegnete dem „Schwarzen Schaf“ erstmals Mitte der 80er Jahre: „Sein Programm ‘Und sie bewegt mich doch’ habe ich fünfmal angeguckt.“ Überhaupt sei ein Kabarettabend mit ihm stets ein Erlebnis gewesen: „Bei Hüsch war man immer ergriffen.“ Er habe unterschwellige Botschaften gehabt, seine Texte seien literarisch gewesen – „selbst die albernen Nummern“.

200 Kilogramm Gewicht

Und jetzt soll der große Kabarettist des Niederrheins eine Skulptur bekommen. Ist das die richtige Art, das Andenken zu wahren? Jürgen Becker überlegt. Ja, sagt er. „Aber das beste Andenken sind natürlich seine Texte.“

Gleichwohl hat der Abend in der Festivalhalle einen Vorlauf. So soll nach aktueller Planung zunächst ein Kranz am Grab von Hanns Dieter Hüsch auf dem Hülsdonker Friedhof niedergelegt werden. Anschließend wird die Skulptur auf dem Platz vor dem Bildungszentrum an der Wilhelm-Schroeder-Straße feierlich enthüllt. Der Schweizer Kunstmaler und Bildhauer Karlheinz Oswald ist damit beauftragt. In Kürze, weiß Hans-Albrecht Meyer-Stoll vom Moerser Freundeskreis Hanns Dieter Hüsch, wird die lebensgroße Bronzestatue gegossen. Sie zeigt den Kabarettisten stehend und leicht nach vorne geneigt, „so, wie er sich vor seinem Publikum verneigt und ihm gedankt hat“. Derzeit gibt nur ein kleines Modell von dem Kunstwerk bei Meyer-Stoll zu Hause. Das Original wird 200 Kilogramm wiegen und „von der Stadt ordentlich im Boden verankert, damit sie niemand klauen kann“.

Auch Christel Rasche-Hüsch kommt

Jahrelang hatte der Freundeskreis auf diesen Tag hingearbeitet. Mithilfe von Spenden seiner 55 Mitglieder und von Hüsch-Kollegen sowie mit Beiträgen der Sparkasse, der Landeskulturstiftung und des Fördervereins für den Kabarettpreis „Das schwarze Schaf vom Niederrhein“ kamen 35 000 Euro für die Statue zusammen. Die Stadt bekommt sie als Geschenk, am 6. Mai wird sie den Moerser Bürgern übergeben. Wird die Witwe, Christel Rasche-Hüsch, bei der Feierstunde dabei sein? Hans-Alfred Meyer-Stoll freut sich: „Mit Sicherheit!“

Thomas Wittenschläger

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2015-01-21 08:00
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