Kirchentag verträgt auch Kabarett - Moerser Pfarrer berichtet

Pfarrer Uwe-Jens Bratkus-Fünderich  und
Pfarrer Uwe-Jens Bratkus-Fünderich und
Was wir bereits wissen
Der Moerser Pfarrer Uwe-Jens Bratkus-Fünderich traf den niederrheinischen Autor und Kabarettisten Okko Herlyn in Stuttgart beim Kirchentag.

Moers/Stuttgart..  Das wäre auf dem legendären Kirchentag 1969, der auch in Stuttgart stattfand, undenkbar gewesen: Eine Bibelarbeit eines Theologieprofessors, die mit vielen kabarettistischen Elementen arbeitet. Damals ging es darum, ob die Bibel als Wort Gottes wissenschaftlich hinterfragt werden darf; ob man als Theologe den Text lesen muss, wie jeden anderen Text aus dem Altertum. Hätte man damals behauptet, der Evangelist Lukas sei mit seinen Geschichten so etwas wie ein verdeckter Hanns-Dieter Hüsch, man hätte nur ein Kopfschütteln geerntet.

Heute ist das anders. Der Kirchentag ist fröhlich, kritisch, nachdenklich und unverbissen. Dazu tragen auch bekannte Kabarettisten bei, die sich auch an große Bibelarbeiten heranwagen.

Einer, der diesen Wandel miterlebt hat, ist der Theologieprofessor und Kabarettist Okko Herlyn aus dem Kirchenkreis Moers. Er freut sich, dass die Besucher des Kirchentages dafür gesorgt haben, dass diese Grundhaltung den Kirchentag bestimmt.

Und die Texte, die zum Motto des Kirchentages ausgelegt werden, sind Herausforderungen. Da erzählt Lukas zum Beispiel von einem Hausverwalter, der die Mietschulden seiner Mieter einfach reduziert, indem er Unterlagen fälscht. So kann er seinem Hausbesitzer sagen: Es ist genug Geld gekommen. Juristisch bewegt man sich hier im Feld von Unterschlagung, Diebstahl und Korruption. Und dieser Haushälter wird von Jesus als vorbildlich dargestellt.

Okko Herlyn: „Das war schon eine harte Nuss für mich als Theologen. Ich wusste, der Kirchentag hatte mich angefragt, um darauf auch kabarettistisch zu antworten. Und das gelingt mir immer besser.“

Begeisterte Zuhörer

Die Mischung bei der Bibelarbeit habe die Zuhörer begeistert. „Ich werde in dieser Richtung weitermachen. Vieles Schwere kann man besser ausdrücken, wenn man es leicht sagt.“ Hat übrigens Hanns-Dieter Hüsch, der viele Kirchentage geprägt hat, auch so gesehen. Und der wusste ja, dass Gott immer mit dem Fahrrad nach Dinslaken fährt. Und der ist jetzt auch schon tot – ja, der Hüsch. Aber das ist eine andere Geschichte. Von Klugheit.

Was kann man lernen aus der Bibel? „Na ja, einfach mal selber nachzudenken, wäre ein erster Schritt.“ Und Offenheit: „Ich kann und will damit leben, dass ich morgen über vieles anders denke als heute. Ich möchte immer für neue Erfahrungen und Erkenntnisse offen sein. Wenn’s nicht gerade um das neue Handy geht.“ So fragt der Professor in einem neuen Buch: „Was ist eigentlich evangelisch?“ Was drin steht, konnte er nicht verraten, da er es eben erst gekauft hatte. „Ist zum Kirchentag erscheinen – im Neukirchener Verlag.“