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Kinzel – ein Mann gibt auf

07.10.2010 | 17:50 Uhr
Kinzel – ein Mann gibt auf
Heinz-Dieter Bartels gibt Auskunft zum Ausscheiden von Otfried Kinzel bei der Niag. Foto: Volker Herold

Moers.Eins muss man Heinz-Dieter Bartels lassen: Er stellt sich wenigstens am Tag nach dem Schock für viele Niag-Mitarbeiter.

Anders als Werner Kook und Wolfgang Orth, die im Niag-Vorstand die Interessen des Mehrheitseigners Rhenus Veniro ohne Kompromiss, dafür mit gnadenlosem Kalkül vertreten. Für Presseanfragen bleiben die Herren taub. Anders auch als Landrat Ansgar Müller, der in einer solchen Situation absolut keine Möglichkeit sieht, sich von einem Seminar kurz zu melden. Anders letztendlich als Otfried Kinzel, Mr. Niag, der nach 18 Jahren als Vorstand jetzt offenbar völlig entnervt das Handtuch warf.

In einer Pressemitteilung steht, dass der neu zu formierende Vorstand in einem Klima arbeiten solle, in dem „das persönliche Vertrauen der Vorstandsmitglieder zueinander Basis einer erfolgreichen zukunftsorientierten Zusammenarbeit“ ist. Aufsichtsratschef Bartels, als stellvertretender Landrat und CDU-Mann einer der Protagonisten der Privatisierung am 1. Januar 2006, ergänzt: „Otfried Kinzel ist aus freien Stücken zurückgetreten und zum Wohle des Unternehmens.“ Heißt also, Kinzel stand einer effizienten Entwicklung des Unternehmens im Weg? „Nein.“

Nachfolger soll
ehrenamtlich sein

Bartels spricht aber auch von einem „Spannungsbogen, der seit Beginn der Privatisierung da war. Bis dato wurde die Niag gemeinnützig geführt, seit Januar 2006 eben nach dem Aktiengesetz, um qua Vertrag bis 2013 wettbewerbsfähig zu sein.“ Der Mann hat ein Problem: Wie kann er ausdrücken, dass dieses Ziel ohne Kinzel und die ständigen Querelen im Vorstand besser erreicht werden kann, ohne seinem langjährigen Weggefährten, wie er ihn beschreibt, zum Abschied noch so richtig in die Suppe zu spucken? Die Antwort lautet „Gar nicht!“, deshalb eiert er, und es ist ihm sichtlich unangenehm.

Stattdessen lobt Bartels den 58-Jährigen und seine Verdienste um das Unternehmen, das er erst interessant gemacht habe für Investoren wie Rhenus Veniro. Im Rückblick muss das Kinzel zynisch vorkommen. Erst durch das dritte Vorstandsmitglied entmachtet, dann mit vielen Entscheidungen zu Lasten „seiner“ Mitarbeiter mürbe gemacht. Kinzel widmet sich ab Jahresende ganz seiner Aufgabe als Geschäftsführer des Kommunalen Wasser Werks in Rheinberg und soll darüber hinaus die Kontakte zwischen der Niag und der Hochschule Rhein-Waal pflegen. Eine Ära geht zu Ende, der Landrat bestimmt einen Nachfolger.

Der soll bereits am 15. Dezember in der nächsten Aufsichtsratssitzung gewählt werden. Und Bartels ist sich sicher, dass der Kreis Wesel einen Vorstand bestellt, der seinen Rhenus-Kollegen „gefügiger“ ist. Bartels sagt aber auch, dass die Interessen des Kreises, nämlich ein gewinnorientiert arbeitendes Unternehmen auf die Straße zu bringen, sich nicht zwangsläufig mit den Interessen der Mitarbeiter decken. Was viele irritiert. Kinzels Nachfolger soll den Job nebenamtlich machen.

Die sind bedient, die Verunsicherung, die Rhenus gesät hat, ist nun noch gewachsen. Von Mobbing ist die Rede, von gegenseitigem Beäugen. Das schlägt sich auch in den Ausführungen des Betriebsrates Harald Winter nieder. „Wir bedauern die Entscheidung sehr, müssen sie aber akzeptieren. Otfried Kinzel stand für Transparenz und fairen Umgang mit der Belegschaft. Wir hoffen, dass diese Ehrlichkeit auch von seinem Nachfolger kommt.“

Es habe sogar Anrufe gegeben von Niag-Mitarbeitern, der Betriebsrats solle Kinzel zur Rolle rückwärts überreden. Winter ist da machtlos, nimmt dafür umso mehr die Rhenus-Leute in die Pflicht: „Erstmals hat Werner Kook gesagt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.“

Wenn es nach einigen Mitgliedern des Aufsichtsrates ginge, müsste Kook bald wieder auf seinen Rhenus-Kollegen und Mehrheitsbeschaffer Wolfgang Orth verzichten. Der war nachträglich durch einen damals noch schwarz-gelb-dominierten Aufsichtsrat installiert worden. Was der gegeben habe, könne er nun wieder nehmen, heißt. Mithilfe der Arbeitnehmervertreter. Es bleibt spannend.

Michael Passon

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Kommentare
24.10.2010
17:06
Kinzel – ein Mann gibt auf
von DerAlfafahrer | #6

Pah... Heuschrecke... wenigstens ist Rhenus noch Familiengeführt...

Bisher wurde kaum ein übernommenes Unternehmen weiterverkauft...

Wo sind da bitte die Eigenschaften einer HEUSCHRECKE???
Erstmal informieren und nicht alles nachplappern!

10.10.2010
20:42
Kinzel – ein Mann gibt auf
von Schnatterinchen | #5

Hört/Liest man überhaupt je was Gutes über Unternehmen im Fernsehen oder der Zeitung. Es ist doch langweilig, wenn die Überschrift lautet XYZ hat 100 Mitarbeiter eingestellt.
Viel besser in den Medien klingt doch: XYZ setzt 100 Mitarbeiter auf die Strasse!

10.10.2010
19:18
Kinzel – ein Mann gibt auf
von Ruhrpendler | #4

Von Rhenus (egal welche Sparte) hat man die letzten 15 Jahre zu Recht kein gutes Wort mehr gehört. Eine Heuschrecke der Logistik-Branche, die mit den Mitarbeitern umspringt wie mit Leibeigenen.

08.10.2010
13:30
Kinzel – ein Mann gibt auf
von essenberger | #3

Herr Kinzel hat sich nicht zum Erfüllungsgehilfen von Rhenus machen lassen und war nun entsprechende konsequent. Das kann man von Herrn Bartels nicht behaupten. Was Rhenus macht, ist doch pures Mobbing. So wird kein Unternehmen professionell geführt.

08.10.2010
11:11
Kinzel – ein Mann gibt auf
von Moersliebhaber | #2

Was ist denn hieran einfach? Schade, dass sich Rhenus lieber verschanzt anstatt Stellung zu nehmen. Das würde mal ein bisschen Licht in den Intrigendschungel bringen. Aus meiner Sicht kann ja niemand etwas dagegen haben, wenn ein Unternehmen effizienter arbeitet. Warum also dieser Umgang?

08.10.2010
09:01
Kinzel – ein Mann gibt auf
von Bernd | #1

Ist das wirklich alles so einfach und so Schwarz-Weiß bei der NIAG, Herr Passon?

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