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Keine rosigen Zeiten für die Bauern in Neukirchen-Vluyn

13.02.2016 | 07:00 Uhr
Keine rosigen Zeiten für die Bauern in Neukirchen-Vluyn
Ortslandwirt Diethelm Keesen mit der neuen Maschine. Sie arbeitet Gülle gleich in die Erde ein.Foto: Ulla Michels

Neukirchen-Vluyn.   Preisverfall, Flächenschwund und die starke Abhängigkeit vom Weltmarkt. Viele Faktoren sorgen dafür, dass immer mehr Landwirte am Niederrhein ihre Höfe aufgeben. Neue Technologien bei den Maschinen.

Die Zeichen stehen auf „veränderlich“ – vor allem für die Landwirte. Immer mehr Auflagen, Flächenschwund und Preisverfall machen den Betrieben zu schaffen. Das waren Themen bei der Versammlung der Ortsbauernschaft. Der Vereinigung gehören insgesamt etwa 120 Landwirte im Stadtgebiet an.

Die Zahl der Höfe sinkt bundesweit stetig um zwei bis drei Prozent im Jahr. „Wenn ein Betrieb im Nebenerwerb wirtschaftet, wird er beim Generationswechsel oft aufgegeben“, sagt Ortsbauernvorsitzender Diethelm Keesen. Inzwischen werde jeder zweite Betrieb im Nebenerwerb geführt – der Landwirt geht noch einer bezahlten Arbeit nach, weil der Hof nicht genug abwirft.

Auch die Zahl der Tierhalter sinke. „Das liegt vor allem daran, dass es deutlich mehr Bürokratie gibt. Das ist für die Kleineren nicht mehr zu leisten.“ Daher steige die Zahl der Landwirte, die beispielsweise 200 oder mehr Kühe im Stall hätten. „Für einen der Großen hören drei Kleinere auf.“

Hinzu komme der Preisverfall für die landwirtschaftlichen Produkte. „Unsere Preise hingen schon immer vom Öl ab. Ist das Öl billig, sind auch unsere Produkte sechs Monate später nicht mehr viel wert.“

Große Sorge macht auch der Flächenschwund, wie Kreislandwirt Wilhelm Neu auf Anfrage der NRZ schildert: „Seit 1975 ging ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren; durch Ausgleichflächen für Wohn- und Straßenbau, Kiesabbau und vieles andere.“

Diethelm Keesen weiter: „Das Russland-Embargo hat uns arg getroffen.“ Denn der Export sei für viele Erzeuger ein wichtiges Standbein. „Dadurch gibt es inzwischen zu viel Ware im Inland. Die Preise sinken.“ Und auch der Außenhandel mit Asien stagniere wegen der schleppenden Wirtschaft dort.

Da freuten sich die Landwirte auf ihrer Versammlung im Landhaus Deselaers wenigstens zu hören, dass der Nachwuchs bei den Landmaschinen-Technikern (heute Fachkräfte für Agrarservice) stabil geblieben ist. „Der Beruf ist immer noch interessant für die jungen Leute“, meint Keesen. Dies wohl auch wegen der „Freude an dicken Maschinen“. Er selbst hält sich als Lohnunternehmer einen ganzen Fuhrpark „dicker Maschinen“ am Hof und erledigt damit die Auftragsarbeiten für andere Landwirte, die sich spezielle Maschinen nicht leisten können oder wollen.

Das dürfte weniger die Bauern, aber sicher die Bewohner auf dem Land freuen: Es wird draußen künftig nicht mehr so viel nach „Landluft“ stinken. „Die Gülle darf nicht mehr einfach großflächig verspritzt werden. Sie muss tief an der Erdoberfläche versprüht werden. Eine zweite Möglichkeit ist es, sie gleich beim Ausbringen in die Erde einzuarbeiten, damit sie nicht vom Regen in die Gräben und Vorfluter der Lineg gespült wird.“ Eigens dafür hat Keesen für seinen Betrieb eine nagelneue „dicke“ Landmaschine angeschafft.

Bergbau ist ein Thema

Ein großes Thema sprach Gerrit Korte als Geschäftsführer der Kreisbauernschaft an: Den Bergbau. Bei „Wasserlöchern“ durch Senkungen auf Feldern wurde der Schaden bisher jährlich vom Bergbau beglichen. „Der Bergbau will das jetzt mit einer pauschalen Summe abfinden und danach nichts mehr zahlen. Ähnliches gilt für unsere Gebäude.“ Es gebe Überlegungen, dagegen womöglich eine Musterklage zu führen. Besonders betroffen sind in der Region Höfe in Rayen, Niep und Kapellen.

Klara Helmes

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2016-02-13 07:00
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