Kamp-Lintforts Mutter-Klotz und Löwen-Prise

Willi Körner (rechts) und Heinz-Jürgen Wehmeyer von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition erzählen anhand der Ausstellungsstücke aus alten Zeiten.
Willi Körner (rechts) und Heinz-Jürgen Wehmeyer von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition erzählen anhand der Ausstellungsstücke aus alten Zeiten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition stellt in der Sparkasse Kamp-Lintfort Altes und Neueres aus.

Kamp-Lintfort..  So viel Nichtwissen darf sein: Was um alles in der Welt ist bloß ein Mutterklotz? Willi Körner und Jürgen Wehmeyer von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition müssen schmunzeln. „Der hier ist mit Sicherheit einer der wenigen Exemplare in Europa, die es überhaupt noch gibt.“ Ehrfurchtsvoll wandert der Blick zu dem eingekerbten Stumpen in der Glasvitrine. Ja, und was ist jetzt ein Mutterklotz? Bestens präpariertes Holz, dass die Kumpel von der Zeche nach der Schicht mit zu Muttern nach Hause brachten, damit die schnell und problemlos den Ofen anzünden konnte. Die beiden ehemaligen Kumpel zwinkern: „Und eben drum gibt es die Mutterklötze nur noch selten – alle im Ofen gelandet...“

Kienspanhalter und Linsenlampe

Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die der Verein zum Jubiläum der Sparkasse aus eigenen Beständen zusammengetragen hat. Und fast zu jedem Ausstellungsobjekt gibt es Geschichten zu erzählen. Da ist zum Beispiel die „Löwen-Prise“ mit „frischem Anis-Menthol Sniff“, gleich daneben die Priseflasche. Zu kaufen gab es den Schnupftabak damals in der Kantine. Viele Kumpel haben das Schnupfen zelebriert – und so mancher habe die Prise auch mit ein paar Tropfen Underberg angereichert, plaudert der ehemalige Maschinenreviersteiger Wehmeyer aus dem Kumpel-Alltag in Kamp-Lintfort.

Eigentlich ist das Bergbaugeschichte zum Anfassen – auch wenn sie hier wohl verwahrt (weil zum Teil auch von großem Sammler-Wert) in Vitrinen schlummert: Bergbau-Lampen der letzten hundert Jahre – vom Kienspanhalter über die Linsenlampe bis hin zur Akku-Kopflampe, wie sie viele noch aus dem Arbeitsalltag kennen. Willy Körner, der als Elektriker unter Tage arbeitete und als Betriebsrat aktiv war, hat seine erste Lohnabrechnung von 1954 in die Ausstellung eingebracht, ebenso wie das Kopfgeld genannte erste Geld nach der Währungsreform oder das Lagergeld der auf dem Bergwerk beschäftigten Kriegsgefangenen.

Technik, Werkzeug, Alltag: das klassisch blau-grau-karierte Handtuch und die „Bergauf-Hautschutzseife“ sind ebenso zu sehen wie die Barbara-Figur oder die alte Thermosflasche. Noch nicht so alt ist das schwarze T-Shirt mit dem Bild vom Bergwerk West und der Aufschrift: „Die Kohle geht – Stolz und Ehre bleiben“.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Juni in den Räumen der Sparkassengeschäftsstelle an der Kamperdickstraße zu sehen. Danach wandert sie zum großen Teil wieder ins Knappenheim, wo die Fördergemeinschaft derzeit noch ihr Domizil hat. Interessierte Bürger, so Körner und Wehmeyer, können aber gerne auch dort vorbeikommen und schauen.

Wer noch alte Bergbau-Schätze hat und sie in die Sammlung einbringen will, kann sich beim Vorsitzenden der Fördergemeinschaft, Manfred Stratenhoff, unter 02842/6424 melden.