Kamp-Lintforter ziehen mit

Volle Hütte im Foyer der Stadthalle: Die Kamp-Lintforter zeigen sich aufgeschlossen.
Volle Hütte im Foyer der Stadthalle: Die Kamp-Lintforter zeigen sich aufgeschlossen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadt will sich unter dem Slogan „Kloster - Kohle - Campus“ als Ausrichter der Landesgartenschau 2020 bewerben. Über 300 Bürger kamen zur ersten Arena.

Kamp-Lintfort..  Das war bestimmt kein Zufall: Kurz vor der offiziellen Eröffnung der ersten Arena zum Thema Landesgartenschau 2020 wurden die Gäste – wenn auch dezent – mit „Auf uns“ beschallt, d e r Zusammenhalt-Hymne des Sommers. Denn ums Zusammenhalten geht es auch bei der Bewerbung der Stadt Kamp-Lintfort.

„Das geht nicht ohne breite Zustimmung“, appellierte denn auch ein enthusiastischer, schon fast euphorischer Bürgermeister Christoph Landscheidt in seiner Begrüßung. der dann zufrieden feststellen konnte: „Sie haben mit den Füßen abgestimmt. Sie stehen dahinter.“

In der Tat war das beeindruckend: Mehr als 300 Kamp-Lintforter waren gekommen, um sich zu informieren und mitzureden über die Bewerbung ihrer Stadt zur Landesgartenschau. Damit hatte selbst die Verwaltung anscheinend nicht gerechnet, denn so mancher Gast musste die fast eineinhalb Stunden mit Vorträgen, Fragerunden und moderierten Gesprächen im Stehen verbringen.

Landscheidt ließ keinen Zweifel, dass die Stadt es mit dem Slogan „Kloster - Kohle - Campus“ schaffen werde, die Jury im September zu überzeugen. Außerdem verlasse er sich auf die „Zusammenhalts-Kultur“ in Kamp-Lintfort, die sich ja beispielsweise im Falle Siemens/ BenQ einmal mehr bewiesen habe.

Und selbst wenn es nicht klappe, so Landscheidt weiter, sei nichts umsonst, denn vieles „müssen wir sowieso entwickeln“. Nur eben ohne viele Millionen Förder-Steuergelder zusätzlich, wie etwa beim Zechengelände.

Wie Kamp-Lintfort 2020 aussehen könnte, skizzierte Landschaftsarchitekt Johannes Reinders. Gut 41 Hektar seien für die „Blümchen-Schau“, wie manche ja dieses Unternehmen auch abfällig nennen, vorgesehen, „nicht klein, aber auch nicht riesig“.

Zwei Eingänge

Die Landesgartenschau wird Eintritt kosten. Zwei Eingänge sind vorgesehen, einen „Kamp-West“ beim Terrassengarten (Parken auf dem Gelände des RV Seydlitz) und einen beim Bergwerk West (Parken auf dem ehemaligen Belegeschaftsparkplatz). Der Wandelweg zwischen Kloster und Campus wird nicht eintrittspflichtig. Reinders sagte, es müssten nur wenige zusätzliche Zäune aufgestellt werden, weil der Terrassengarten ohnehin eingezäunt ist. Wobei sich schon ein Knackpunkt auftat.

Während Landschaftsarchitekt Johannes Reinders die Zechenmauer als „natürlichen“ Zaun während der Landesgartenschau stehen lassen will, forderten gleich mehrere Zuhörer der Arena „Die Mauer muss weg!“.

Ein zweiter Knackpunkt – darum wand Reinders keine Blümchen – wird der Übergang an der B 510 sein, der viel und schnell befahrenen Bundesstraße zwischen Kamp und Geisbruch. Eine Unterführung verwarf er aber eindeutig mit Blick auf die Unterführung, die es ehemals am Moerser Kö gab: schmutzig und unwirtlich.

Viel zu tun am Kamper Berg

Während Reinders am Terrassengarten wenig Handlungsbedarf sieht, ist am unteren Kamper Berg viel zu tun. Unter anderem sollen die „Paradiesgärten“, die jetzt eine Brache sind, wieder aufleben und der Weinberg neu in Szene gesetzt werden. Am Wandelweg wünscht sich Reinders ein Gastroangebot und am Campus „Zukunfts- und Wissenschaftsgärten“. Eine Blumenschauhalle sieht er in der mechanischen Werkstatt der Zeche. Jenseits der Zechenbahn einen Stadtpark.

Dass die Kamp-Lintforter sich für die Landesgartenschau begeistern können, wurde vor allem im Anschluss deutlich, als sie ihre Ideen und Beiträge an die Stellwände heften konnten. Da haben sich viele schon tolle Gedanken gemacht. Schlagen vor, die Gartenschau mit „offenen Gartenpforten“ zu kombinieren. Wünschen sich Minigolf im Stephanswäldchen oder eine „Bimmelbahn mit Lore als Anhänger“. Büchereileiterin Katharina Gebauer möchte Lesungen zum Thema Garten und Gärtnern anbieten. Andere stellen sich Lesewiesen rund ums Stephanswäldchen vor. Auch die Jugend soll eingebunden werden: „Skulpturen aus Bergwerksschrott“ sollen das Gelände verschönern, geschaffen von Kamp-Lintforter Schülern. Auch die Listen mit potentiellen Förderkreis-Mitgliedern füllten sich am Donnerstag sichtlich.

Der Einsatz lohnt sich

Dass sich die Teilnahme und der Einsatz für eine Landesgartenschau lohnt, machten zwei Vertreter aus Hemer deutlich, die 2010 ein solches Projekt auf ehemaligem Kasernengelände mitgestemmt hatten: „Das bringt nur Vorteile“, sagten Dr. Heinz-Jürgen Osing und Johann K.A. Müller. Es sei ein „Wahnsinnserfolg“ gewesen, 60 Millionen Euro seien in das Projekt geflossen und ehrenamtliche Arbeit bei der Gartenpflege im Gegenwert von vier Millionen Euro. Die Hemeraner hätten nach der Schau ein anderes Selbstverständnis bekommen, seien stolz auf das Geleistete. „Der Stadtentwicklung kann nichts besseres passieren“, stellte Bürgermeister Landscheidt fest, der es auch durch die Blume sagte: Auf jedem Stuhl grüßte eine bunte Primel die Gäste.