Kamp-Lintforter hatte Probleme mit Dämmmaterial

Fast wäre Fritz Bücken auf dem alten Dämmstoff sitzen geblieben.
Fast wäre Fritz Bücken auf dem alten Dämmstoff sitzen geblieben.
Foto: Markus Weissenfels
Was wir bereits wissen
  • Wer mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelte Dämmstoffe entsorgen will, hat jetzt ein Problem
  • Fritz Bücken aus Kamp-Lintfort kam die Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung in die Quere
  • Im Asdonkshof konnte man ihm jetzt unbürokratisch helfen. Aber es muss eine politische Lösung her

Kamp-Lintfort..  Zunächst dachte der Kamp-Lintforter Fritz Bücken, er habe alles richtig gemacht. Ein altes Gebäude hatte er zwecks Energieersparnis gedämmt, und weil es ja auch noch so etwas wie eine Brandschutzverordnung gibt, verwendete er Styropor, das mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelt war. Als sich schließlich herausstellte, dass die Dämmung zu erheblicher Schimmelbildung am Haus führte, entschloss er sich zu einem drastischen Schritt: Abriss und Neubau. Die Entsorgung des Dämmmaterials war kein Problem – bis zum Oktober 2016.

Denn seitdem gilt die Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung. Die machte aus dem mit HBCD behandelten Dämmstoff von einem Tag auf den anderen Sondermüll, den Fritz Bücken im Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof erst mal nicht mehr los wurde. Drei Hänger voll hatte er im Juli hingefahren, es gab keine Beanstandungen. Als er aber am 4. Oktober den letzten Hänger hinfuhr, wurde er wieder fortgeschickt.

Ein Gutachten für 200 Euro sollte her

Ein Gutachten habe er beibringen solle, so Fritz Bücken. Dies hätte ihn 200 Euro gekostet, aber selbst mit dem Gutachten wäre eine spätere Annahme des Styropors fraglich gewesen, erzählt er. Für den Kamp-Lintforter ein unhaltbarer Zustand: „Das gibt doch nur schwarze Müllkippen“, prophezeit er. Und das könne doch nun wirklich niemand wollen.

Die NRZ hakte beim Asdonkshof nach. Geschäftsführer Peter Bollig gibt Entwarnung: „Nicht loswerden gibt’s nicht“, erklärt er. Das Abfallentsorgungszentrum sei sich seiner Rolle im Kreis Wesel bewusst und werde weiterhin mit HBCD behandeltes Styropor annehmen – aber nur von Bewohnern des Kreises. Peter Bollig: „Wir kriegen Anfragen aus Süddeutschland.“ Denn im Gegensatz zu manch anderen Anlagen besitzt der Asdonkshof die Genehmigung, dieses Material zu entsorgen, hätte aber ein Kapazitätsproblem, wenn größere Mengen davon anfallen.

Entsorgungspreis steigt von fünf auf unglaubliche 7000 Euro

Was die Entsorgung für Otto Normalverbraucher angehe, so sei man im Gespräch mit dem Land NRW, um das Verfahren zu vereinfachen. Was auch dringend Not tue, so Fritz Bücken, denn welcher Handwerksbetrieb könne noch Sanierungsaufträge annehmen, wenn die Entsorgung alter Dämmstoffe solche Probleme bereite. Andreas Pocher, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchverbandes, weiß von Fällen zu berichten, in denen der Entsorgungspreis für die Tonne Flammschutz-Styropor von fünf auf unglaubliche 7000 Euro gestiegen sei. Pocher: „Hier ist die Politik gefordert.“

Für Fritz Bücken jedenfalls ist die Sache noch einmal gut ausgegangen, denn Peter Bollig hat ihm jetzt innerhalb weniger Tage unbürokratisch und schnell geholfen.