Kamp-Lintfort im Stones-Fieber

„Let's spend the night together" – wer lässt sich da zwei Mal bitten?
„Let's spend the night together" – wer lässt sich da zwei Mal bitten?
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Die Rolling-Stones-Show füllte die Stadthalle mit treuen Fans der britischen Band, die bei den alten Songs in Erinnerungen schwelgten

Kamp-Lintfort..  „Let’s spend the night together“, „I can’t get no satisfaction“, „Brown sugar“, „Jumpin’ jack flash“. Wer kennt diese Songs nicht? Lieder, die damals beim meist jugendlichen Publikum zu Schreikrämpfen und in überfüllten Hallen und Arenen zu einigem demolierten Mobiliar führten. Eine phantastische Musik, die Eltern und Lehrer gleichwohl oft an den Rand der Verzweiflung trieb. Verantwortlich dafür waren Mick, Bill, Brian, Keith und Charlie, fünf junge britische Musiker, die ihre Band bezeichnenderweise die „Rolling Stones“ nannten.

Gut, heute sind andere Bands angesagt. Doch wie groß die Fangemeinde der „Stones“ immer noch ist, bewies eine Veranstaltung am Dienstagabend in Kamp-Lintfort, wo in der voll besetzten Stadthalle eine Rolling-Stones-Show mit Live-Band über die Bühne ging. Unter der Regie und musikalischen Leitung von Tankred Schleinschock ließ das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel dabei die besten Songs der frühen Stones bis Mitte der 70er Jahre Revue passieren. Für eindrucksvolle Live-Musik sorgte das Lippe-Saiten-Orchester.

Mick Jagger im Taxi

Neben der Musik standen aber auch Geschichten von Fans, deren Leben die Begegnung mit den „Stones“ verändert hat, im Mittelpunkt der Show. So wie die der beiden Primanerinnen, die sich 1965 mit List in der Halle Münsterland in die Künstlergarderobe schmuggelten. Oder die des Taxifahrers, der die Band am Kamener Kreuz wegen eines liegengebliebenen Autos abholen musste. Oder die Anekdote des Extrem-Fans, der bisher kein Stones-Konzert verpasst und sein Wohnzimmer mit Eintrittskarten tapeziert hat.

Keine Kreisch-Attacken

Aus all dem hatte das Theater eine ganz persönliche musikalische Zeitreise gemacht: „Wir wollten zwar die Musik der Stones so authentisch wie möglich interpretieren, aber imitieren wollten wir sie bewusst nicht“, erklärte Schleinschock. Das funktionierte in der Tat perfekt: Hannes Staffler, Jessica Kessler und Samira Hempel überzeugten als Sänger, vier Gitarren, Schlagzeug und das Saxophon von Klaus Dapper lieferten den nötigen Groove. „Kreisch-Attacken“ gab es zwar keine und auch das Mobiliar der Stadthalle war nicht in Gefahr - das lag aber weniger an der Musik als am eher gesetzten Alter des Publikums.

Nach gut zwei Stunden taten fast Jedem im Saal die Hände vom Mitklatschen weh. „You can’t always get what you want“, spielte die Band als vierte Zugabe. Die Zuhörer verstanden den Wink und gaben sich damit zufrieden: „Mit jedem Song verbinden sich auch bei mir viele Erinnerungen. Die sind jetzt alle wieder lebendig geworden“, freuten sich gleich mehrere Besucher beim Hinausgehen. „Es war schön, das alles noch einmal so zu hören.“

Übrigens: Wer die echten Stones live erleben möchte, der muss in diesem Jahr nur mal eben nach Brasilien jetten...