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Kamp-Lintfort: Grünewalds fahren aufs Land ab

23.02.2016 | 09:00 Uhr
Kamp-Lintfort: Grünewalds fahren aufs Land ab
Nicole Grünewald und ihr Bulli.Foto: Volker Herold

Kamp-Lintfort. Das ist für Nicole Grünewald eine klare Sache: „Bus muss!“ Die Mutter der achtköpfigen Patchwork-Familie kann sich ein Leben ohne Auto – vor allem ein großes Auto – gar nicht vorstellen. Die Grünewalds leben am Stadtrand von Kamp-Lintfort auf einem ehemaligen Bauernhof. Und selbst wenn die größeren Kinder schon selbstständig mit Motorrad oder Auto unterwegs sind zu Schule, Studium oder Job – spätestens beim Familienurlaub auf dem Campingplatz in Spanien ist der blaue VW Bulli wieder hoch im Kurs. Und daheim alle Einkäufe für die große Schar zu Fuß zu erledigen – die zierliche Nicole Grünewald ist sicher belastbar, aber das wäre wohl zu viel des Guten.

Eine Buslinie kommt vorbei

Taxi Mama: Die schlimmsten Zeiten hat die 47-Jährige schon hinter sich mit eng getaktetem Fahrplan zwischen Schulen, Tischtennistraining, Reitstunden oder Kampfsport-Veranstaltungen. Jetzt fährt sie nur noch das Nesthäkchen, den „Prinz“, wie sie den 15-Jährigen Spross der Familie nennt, zur Schule und zurück. Und das mehr aus Mitleid, denn aus Notwendigkeit. „Die Strecke zur Sekundarschule ist mit dem Fahrrad zu schaffen. 20 Minuten etwa. Aber nach so einem langen Tag...“ Außerdem sei sie um die Zeit eh immer unterwegs mit dem Labrador der Familie. Da liege die Schule auf dem Weg. Und was ist mit Bus fahren? „Hier fährt genau eine Linie lang“, seufzt die gelernte Einzelhandelskauffrau.

Seit 17 Jahren fährt die Duisburgerin, die früher „in Mitte“ wohnte, auf das Landleben ab. Einen Umzug in die Stadt, nach Berlin oder Hamburg gar, ist für sie unvorstellbar.. „Daran kann mich nichts reizen.“ Sie sei nun mal ein hektischer Mensch und brauche die Ruhe als Ausgleich. „Nachts hört man hier nichts außer dem Knacken der alten Holzbalken.“

Wahrscheinlich hat sie deshalb auch noch nie darüber nachgedacht, wo die Schmerzgrenze bei den Spritpreisen sie zum Umdenken zwingen könnte. „Unser Diesel ist ja sparsam und nicht gerade übermotorisiert.“

Seit einiger Zeit ist Nicole Grünewald Bereitschaftspflegerin. Das heißt, sie nimmt manchmal sehr kurzfristig Kinder aus schwierigen Verhältnissen vorübergehend bei sich auf. Auch da mag sie nicht auf ihren Bulli verzichten. Hier passt auch ein robuster Kinderwagen gut rein. Und Termine bei Ämtern und Ärzten muss sie schließlich dann auch vermehrt wahrnehmen.

Die Familienkutsche ist zwar groß, aber Probleme beim Einparken hat die Fahrerin nicht: „Er hat den Vorteil, dass ich genau sehe, wo er anfängt und wo er aufhört.“ Nein, sie ist nicht autoverrückt: „Ich brauche keinen Neuwagen, er muss nicht spektakulär sein. Nur groß.“ Deshalb sei der Bulli schon ideal. Auch die größeren Kinder gewöhnen sich ans Autofahren: „Die Tochter studiert in Krefeld. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bräuchte sie mindestens zwei Stunden. Da ist sie mit dem Auto schneller – trotz Staus.“ Auch der Sohn, der in Ratingen zwar in derselben Firma wie der Vater arbeitet, kann aufs Auto nicht verzichten: „Die Zeiten sind so unterschiedlich, und manchmal ist mein Mann halt mit dem Lkw unterwegs“, erklärt Nicole Grünewald. Nein, ohne Auto mobil zu sein, das ist für die Großfamilie nicht vorstellbar.

Karen Kliem

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2016-02-23 09:00
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