Kamp-Lintfort: Ein Beruf für Herz und Verstand

Die Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse CDU macht ein Praktikum in der Pflege des Caritas Hauses St.Hedwig. Sie informiert zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai.
Die Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse CDU macht ein Praktikum in der Pflege des Caritas Hauses St.Hedwig. Sie informiert zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai.
Foto: Funke Foto Services

Kamp-Lintfort..  Nein, betonte Fred Krusch, Leiter des Caritas-Heims St. Hedwig, man habe der Landtagsabgeordneten Marie-Luise Fasse (CDU) keinen Schongang an ihrem Praktikumstag verordnet. Sie wurde eingebunden in den Pflegealltag der Senioren-Einrichtung. Nun ist die blonde Politikerin jemand, die es durchaus zuzupacken weiß: „Ich habe schon mit 14 angefangen, im St. Johannes Hospital in Homberg Wochenend-Dienste zu schieben. Ich habe da keine Berührungsängste“, erklärt sie. Und sie war vorgewarnt: luftige Kleidung, bequeme, rutschfeste Schuhe solle sie anziehen, kein Schmuck. Das hört sich nicht nach Schönwettermachen auf dem Gang an. Sondern nach Vollbad, eincremen, pampern, essen reichen – das volle Programm.

Anlass des Praktikums war der weltweite Tag der Pflege, der offiziell heute eingeläutet wird. Und ihr Anliegen sei es, „dass schon in den Schulen vermittelt wird, wie viel Erfüllung diese Arbeit geben kann und wie sinnvoll sie ist.“ Sie hat aber natürlich auch etwas für ihre politische Arbeit mitgenommen aus diesem Tag: „Die Schwerpunkte in der Politik müssen anders gesetzt werden, so dass auch bei der derzeitigen demografischen Entwicklung die Menschen noch in Würde altern können.“ Denn da schlägt Fred Krusch Alarm: „Im Prinzip müsste jeder Dritte in die Pflege gehen. Alle denken, wir haben noch Zeit, aber das ist nicht so. Und es sind wir, die eines Tages nicht versorgt werden können.“ Er scheut nicht vor einer saloppen Umschreibung zurück: „Wir müssen den Beruf sexy machen, um genug Nachwuchs zu finden.“ Es ärgert ihn, wenn er hört, in der Pflege werde nicht ordentlich bezahlt: „Wir sind eine öffentliche Einrichtung und die Tarife sind anständig.“ Ja, die Arbeit ist anspruchsvoll, aber – das hat Marie-Luise Fasse gestern festgestellt – bei den Hilfsmitteln hat sich viel getan in den letzten Jahren. Sie habe jedenfalls im Caritas-Haus Pflegende erlebt, die „mit Herz und Verstand“ seit vielen Jahren bei der Sache waren, gute Laune hatten und nicht bloß einen Job machten, sondern eine Berufung hätten. Henric Peeters vom Caritas-Verband bremste soviel Begeisterung aus: „Es gibt nicht nur Licht, es gibt auch Schatten.“ Spätestens beim Angebot: 30 Menschen stünden hier auf der Warteliste, glaubt er. Fred Krusch weiß: „Es sind hundert.“