Junges Moerser Schlosstheater ist schräg und authentisch

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Was wir bereits wissen
Mit der Premiere des Stückes „Lila“ wurde ein Stück auf die Bühne gebracht, das auf den renommierten norwegischen Theater- und Buchautor Jon Fosse zurück geht

Moers..  Psychische Belastungen entwickeln und verstärken sich schleichend, aber sie zerstören ihren Wirt kontinuierlich, wie eine Made, die sich langsam durch das Unterbewusstsein frisst. Minderwertigkeitskomplexe machen ihr Opfer anfällig für Eifersucht und diese wiederum ist Gift für eine vielleicht wohltuende Beziehung: Am Montagabend zeigte das Junge Schlosstheater die Premiere des Stückes „Lila“, das auf den renommierten norwegischen Theater- und Buchautor Jon Fosse zurück geht. Sein Kinderbuch „Schwester“ wurde mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zum ersten Mal wurde jetzt ein Fosse-Stück in Moers aufgeführt.

Vier Jungmusiker ohne Talent

Die Ausgangsgeschichte: Vier Jugendliche wollen trotz Mangels an Talent eine Band gründen. Ihren Proberaum haben sie in einem alten Keller ohne Fenster, wo sie mehr oder weniger eingesperrt sitzen und versuchen, musikalisch etwas Brauchbares auf die Beine zu stellen. Jeder von ihnen hat tief sitzende Probleme, die bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Dass ab und zu noch ein leicht paranoides Mädchen in dem schalldichten Raum vorbei schaut, macht die Ausgangssituation für ein Drama perfekt.

„Der Junge“, gespielt von Torben Knobloch, ist einen wandelnder Nährboden für einen Nervenzusammenbruch. Neurotisch und unentschlossenen zweifelt er am Sinn des Bandprojektes und vor allem an sich selbst. „Ich kann es nicht mehr hören. Es klingt einfach beschissen.“

Scheinbar hat ihm der Tod seiner Oma den Rest gegeben und auch das gute Zureden seiner Freundin (Helen Hornung) kann ihn nicht mehr trösten. Diese zeigt gegenüber der „Heulsuse“ wenigstens noch Verständnis, anders als die Bandmitglieder, insbesondere der Drummer alias Helge Gebel. Denn der wird im Laufe des Stückes zunehmend gereizter und flippt zwischendurch aus. „Bringt mir eine Schere, ein Messer, seine Haare sind viel zu lang“, schreit der Drummer, während er den Kopf des Jungen am Schopf gepackt hält. Zum Glück behalten Sänger (Jannis Otten) und Keyboarder (Simon Lemmen) einen halbwegs kühlen Kopf und verhindern das Schlimmste.

Die Konflikte bahnen sich schleichend an und werden manchmal erst in ihrer Eskalation so richtig deutlich. Wobei die Wut des Drummers durchaus verständlich ist, angesichts der Unentschlossenheit, die der „Junge“ an den Tag legt. Unzählige Male kündigt er an, alles hinzuschmeißen und unzählige Male folgen seinen Worten keine Taten.

Viel Eigeninitiative

„Es gibt eine gewisse Gefahr bei dem Stück, in eine Endlosschleife zu kommen“, erklärte Regisseur Holger Runge, der den jugendlichen Laienschauspielern viel Spielraum und Eigeninitiative während der Proben zu dem Stück einräumte.

Vieles von dem recht kurzen Stück erschließt sich erst im Nachhinein, wenn man über das Gesehene diskutieren kann. So war das Verhalten des Schlagzeugers vielleicht auf eine latente Homosexualität zurückzuführen. Immer wieder fasste er den „Jungen“ zaghaft an, um im nächsten Moment auszurasten. Dennoch verhinderte er stets, dass dieser verschwand. Im Extremfall damit, dass er die Kellertür versperrte und so den Fluchtweg abriegelte.

„Lila“ passte wunderbar in das Konzept des Schlosstheaters: Schräg, authentisch und zum Nachdenken. Ein Blick in das kommende Programm kann nicht schaden, denn ein Besuch im kleinen Theater lohnt sich schon alleine wegen der gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre und dem „kleinen“ Preis.