Junge Behinderte sollen Freunde finden

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Rheurdt..  Sabine Schmidt (Name geändert) hat lange nach diesem Angebot gesucht. „In der Schule hat der Gedanke der Inklusion schon Einzug gehalten“, erzählt die Kamp-Lintforterin, deren Sohn Tim (Name geändert) gerade seinen 18. Geburtstag gefeiert hat, selbst wenn er noch ganz Kind geblieben ist und die Tage völlig zwanglos genießt. „In der Freizeit sieht es anders aus. Für Behinderte ist es schwierig, Freunde zu finden. Deshalb kommen wir zum Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung.“

Zweimal im Monat bietet die evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen diesen inklusiven Treffpunkt im Rheurdter Jugendpavillon an der Kirchstraße an. „Wir haben uns Gedanken gemacht, was wir anbieten können“, erzählt Jugendleiterin Christel Bosch. „Dann hatten wir die Idee, einen Treffpunkt für Menschen mit und ohne Handicap ins Leben zu rufen. Das Zusammenleben soll Normalität werden. Mit und ohne Handicap geht zusammen.“ Das Projekt startete im November 2014. Träger ist die Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen, die mit dem Kirchenkreis Moers kooperiert. Gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch. Mittlerweile kommen zwischen drei und fünf Jugendliche mit Handicap, die meistens von ihren Müttern begleitet werden, so wie Tim. Dazu sind noch einmal so viele Jugendliche ohne Handicap dabei. Zusammen spielen sie zum Beispiel Billard, Kicker oder Computerspiele. Oder sie unterhalten sich und knüpfen Kontakte.

„Während der Woche besucht Tim die Schule in der Bönninghardt“, erzählt Sabine Schmidt. „Um 7 Uhr wird er morgens mit dem Bus abgeholt. Nachmittags um kurz nach 16 Uhr kommt er wieder nach Hause. Dann ist er müde. Ein Angebot für den Sonntag hat bislang gefehlt. Tim kann hier andocken und Freunde finden.“ Dabei soll sich dieses Angebot entwickeln. „Die Jugendlichen sollen ihre Wünsche äußern und ihre Ideen einbringen“, sagt Christel Bosch. Dabei hat sie auch eigene Ideen. Zum Beispiel backten die Jugendlichen in der Adventszeit Plätzchen. „Wir planen einen italienischen Nachmittag, bei dem wir zusammen Pizza backen wollen“, berichtet die Jugendleiterin. Im März soll es einmal auf den Kletterparcours gehen, der vor zwei Jahren im Garten des Jugendpa­villons installiert wurde. Im Sommer soll gegrillt werden. „Wir könnten auch gemeinsame Ausflüge unternehmen“, schildert die Diplom-Sozialpädagogin eine weitere Idee. Dazu könnte das Geocaching kommen, also die Schnitzeljagd mithilfe von GPS-Geräten. „Wir ­haben drei Geräte für das Geocaching.“ Das inklusive Projekt soll sich zu einem dauerhaften Angebot entwickeln, selbst wenn die Förderung durch die Aktion Mensch zunächst auf ein Jahr begrenzt ist. „Danach machen wir auf jeden Fall weiter“, sagt Bosch. „Wir wollen zusammenfügen, was zusammen gehört.“

Das Treffen findet jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr im Jugendpavillon Rheurdt, Kirchstraße 44, statt. ­Kontakt: Christel Bosch, Telefon 0176 81151246 oder E-Mail: christel.bosch@kirche-hoerstgen.de.