„Jünger, weiblicher und noch mehr multikulti“

Dr. Hans-Ulrich Krüger (l.), der alte Vorsitzendedes SPD-Unterbezirks im Kreis Wesel, mit seinem Nachfolger René Schneider (2.v.l.) und dessen Stellvertretern Martina Waggeling aus Moers und Simon Panke aus Dinslaken. Rechts Mark Rosendahl, der sein Amt als stellvertretender Vorsitzender ebenfalls abgab.
Dr. Hans-Ulrich Krüger (l.), der alte Vorsitzendedes SPD-Unterbezirks im Kreis Wesel, mit seinem Nachfolger René Schneider (2.v.l.) und dessen Stellvertretern Martina Waggeling aus Moers und Simon Panke aus Dinslaken. Rechts Mark Rosendahl, der sein Amt als stellvertretender Vorsitzender ebenfalls abgab.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Der Kamp-Lintforter René Schneider ist neuer Vorsitzender des SPD-Unterbezirks im Kreis Wesel. Wie der Unterbezirk sich künftig aufstellen soll, verrät er im NRZ-Interview.

Kamp-Lintfort..  Am Freitag ist der Kamp-Lintforter René Schneider zum neuen Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks im Kreis gewählt worden. Er erhielt 149 von 151 Stimmen.

Sie spüren im Augenblick viel Rückenwind aus dem Unterbezirk. Wie möchten Sie ihn nutzen?

René Schneider: Rückenwind ist gut, denn wir wollen viel anpacken: Die SPD muss jünger, weiblicher und noch mehr multikulti werden. Wir wollen vor Ort diskutieren und gestalten, dafür braucht es engagierte Genossinnen und Genossen. Als Kreis-SPD müssen wir vor allem daran arbeiten, die 13 Städte und Gemeinden wieder näher zusammen zu bringen.

Trennt der Rhein den Unterbezirk?

Oh ja, und er trennt nicht nur die SPD als Organisation sondern eben auch die Menschen, die hier leben. Wir fühlen uns alle als Niederrheiner, doch wissen wir von unseren Nachbarn meist sehr wenig. Ich habe im Vorfeld meiner Kandidatur fast alle Ortsvereine und viele Arbeitsgemeinschaften besucht. Sie können mir glauben: Die Moerser wissen genauso wenig vom kommunalen Leben der Hünxer wie umgekehrt die Dinslakener eher wenig mit Xanten zu tun haben. Das wollen wir ändern.

Sie wollen die Ortsvereine im Unterbezirk intensiv einbinden. Warum ist Ihnen die Basisarbeit so wichtig?

Der Rhein trennt uns zwar, aber unsere Grundwerte vereinen uns. Das muss deutlich werden, indem alle Ortsvereine im Unterbezirk repräsentiert sind und mitarbeiten können. Das war nicht immer so. Es gibt überall viele gute Ideen, die wir nur einsammeln und in die Breite tragen müssen. Nehmen Sie nur die Nachwuchsförderung meines Landtagskollegen Ibrahim Yetim, die er für Moers und Neukirchen-Vluyn begonnen hat. Das funktioniert auch für den gesamten Kreis Wesel und nebenbei lernen sich die Parteimitglieder dabei enger kennen. Auch Politik braucht das Persönliche, braucht den Spaß an der Sache.

Ist der Spagat als Vorsitzender des Unterbezirks und Landtagsabgeordneter auf Dauer zu schaffen?

Ich würde das nicht als Spagat sehen, sondern als einen Teamsport: Wir sind 21 Frauen und Männer im Vorstand, über 3000 SPD-Mitglieder im Kreis Wesel. Wir befinden uns alle gemeinsam auf der Strecke und wollen Großes bewirken. Da ist mein Beruf als Landtagsabgeordneter kein Hemmschuh, sondern im Gegenteil ein Vorteil, denn Sie sind in vielen Themen ohnehin drin.

Sie sind 38 Jahre, Ihr Stellvertreter Simon Panke 29. Wie sieht junge sozialdemokratische Politik im Kreis Wesel aus?

Wichtig ist mir, dass junge Politik nicht heißt, dass andere dadurch ausgegrenzt würden. Auch die Senioren müssen sich weiterhin in unserer Partei wohlfühlen. Das Problem ist nur, dass wir ohne den Nachwuchs auf Dauer leer laufen. Wir müssen deshalb an unseren Veranstaltungen arbeiten: dreistündige Parteitage, die in Formalien ersaufen, reißen niemanden vom Hocker. Warum also nicht mal einen Kabarettisten einladen statt eines Ministers? Mit den Jusos bin ich im Gespräch, auch mal ein Barcamp zum Thema Ehrenamt zu machen oder zu einer Kryptoparty einzuladen, bei der Fachleute erklären, wie ich meinen Computer sicher mache. Das hat vordergründig nichts mit Politik zu tun, aber es spiegelt die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen wider.

Mit Blick auf Ihre Heimatstadt Kamp-Lintfort: Was mögen sie an ihr, was nicht?

Mein ganzes Leben verbringe ich schon in Kamp-Lintfort und ich liebe es, hier zu sein! Das liegt vor allem an den Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben. Während meines Studiums war ich ein Jahr lang in Köln.

Am Ende wusste die Verkäuferin beim Bäcker weder meinen Namen, noch dass ich seit zwölf Monaten fast jeden Tag zwei Brötchen gekauft hatte. In Kamp-Lintfort gehören Sie dagegen nach einer Woche schon zum Inventar und wenn Sie morgens mal verschlafen und den Einkauf geschlabbert hätten, würden Sie einen besorgten Anruf bekommen. Leider sind die Kamp-Lintforter aber auch oft sehr kritisch und misstrauen dem eigenen guten Eindruck von ihrer Stadt. Dabei dürfen sie alle stolz sein auf Kamp-Lintfort.