Jedes Werk hat eine eigene Geschichte

Moers..  Wenn aus dem Haus Nummer 18 in der Endstraße im Moerser Stadtteil Genend seit längerer Zeit keine laute Musik zu hören war, erkundigen die Nachbarn sich: „Hey Pit, geht es dir nicht so gut?“

Pit – das ist der Künstler Pit Bohne. Er wurde in Duisburg-Hochfeld im Jahr 1955 geboren und ist in verschiedenen Stadtteilen aufgewachsen, lebt und arbeitet nun seit 22 Jahren in Genend. Zahlreiche Umzüge, so meint er, hätten ihn bereits als Kind zum Einzelgänger gemacht. Die Kunst sei ihm ganz gewiss nicht in die Wiege gelegt worden.

Kunst als Beruf sei sogar in seiner Familie undenkbar gewesen. Aber er sei schon immer „anders“ gewesen, habe früh sein eigenes Brot gebacken und sein eigenes Spielzeug gebaut. „Da war bestimmt schon etliches darunter, was man heute als Kunst bezeichnen würde“, berichtet Pit Bohne aus seiner Jugend.

Nach seiner Schulzeit hat Bohne eine „bürgerliche“ Lehre als Glasmaler begonnen und erfolgreich absolviert. Und, weil es für diesen Beruf keine Meisterschule gab, später seinen Meister als Glaser gemacht. So richtig wohl habe er sich allerdings damit nicht gefühlt, aber ein eigener Broterwerb hätte ja sein müssen.

Im Jahr 1979 machte Pit Bohne mit beim ersten Kunstmarkt in Moers, der parallel zum Jazz Festival verlief.

Ein Bedürfnis

Dabei habe er festgestellt, dass man auf Kunst- und auch Weihnachtsmärkten mit „kommerziellen Kunstobjekten“ so viel Geld verdienen kann, dass man davon eine Zeit leben könne, um das zu machen, was einem wirklich wichtig sei. Und wirklich wichtig ist ihm „zeitkritisch“ zu sein in seinen Werken, so nennt er das.

Nein, eine Installation wie das gerade fertiggestellte Objekt mit dem Titel „Menschenvieh“ ist nun wirklich kein Zierstück für den Garten. Eisenfiguren hängen in einem Käfig auf Rädern und klirren laut aneinander. „Sie schreien“ sagt Bohne und genau das sollen sie auch. Sie sollen Mahnmal sein gegen die Massentierhaltung oder auch gedenken an all die Flüchtlinge, die dicht gedrängt auf Booten im Meer ertrinken. Jedes seiner Werke hat seine eigene Geschichte.

Den Moersern bekannt ist Bohne durch „gefälligere“ Kunstobjekte wie zum Beispiel seinen blauen Lichtinstallationen am Turm der Moerser Feuerwehrwache oder bei Enni mit dem Spruch: „Wasser ist Leben“.

„Geht sorgfältigmit Wasser um!“

Ebenfalls sehr bekannt sind Bohnes Menschen aus Stahl auf einem Sockel aus Beton, die „Stille Demo“. Die Stille Demo wandert von Ort zu Ort als schweigender Protest gegen Missstände. Demnächst sollen die Figuren in die Werkstatt des Künstlers zurück kehren.

Dort sollen sie überarbeitet werden. „Ich glaube, oft wird nicht verstanden, was ich mache. Im Falle der Demo will ich die Figuren nun mit einer Aussage versehen, die alle verstehen müssten: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Damit geht der Künstler einen Kompromiss für das Verständnis der Betrachtenden ein, der ihm sicher nicht leichtgefallen ist. Dennoch hat jedes Werk seiner eigene Geschichte.

Wer an Pit Bohnes außergewöhnlicher Kunst interessiert ist, kann ihn telefonisch kontaktieren unter: 02841/ 886878. Auch im Internet gibt es weitere Informationen zu dem Künstler und seinen Werken auf seiner Seite unter: www.pit-bohne.de. Pit Bohnes Künstleratelier befindet sich auf der Ender Straße 18 in Moers. Sein Atelier öffnet er nach Absprache auch gerne für Besucher zur Besichtigung.