Das aktuelle Wetter Moers 17°C
Krimifestival

Jede Menge Blut im Wiesenhof in Moers

27.02.2016 | 10:00 Uhr
Jede Menge Blut im Wiesenhof in Moers
Spannung pur im Wiesenhof.Foto: Erwin Pottgiesser

Moers.   Das Buch „Die andere Seite der Hoffnung“ spielt am Niederrhein und der Ukraine

Der Herr in der zweiten Reihe vorne links verzieht schmerzerfüllt das Gesicht. Damit, dass sich das junge Mädchen während des wärmenden Vollbades auf dem Bauernhof in Zyfflich am Niederrhein einfach die Pulsadern aufschneidet und der brummelige Landwirt Lessmann sie so ganz ohne Vorwarnung findet, hätte er wohl nicht gerechnet. Die Gefühlsregungen des Publikums im Wiesenhof an diesem Mittwoch Abend des Krimifestivals zu beobachten, ist sehr aufschlussreich.

Die von der Buchhandlung Barbara veranstaltete Lesung aus dem Krimi „Die andere Hälfte der Hoffnung“ von Mechtild Borrmann rief eine große Bandbreite an Emotionen hervor, denn die dritte Veranstaltung im Rahmen des Krimifestivals war zugleich ein informativer Abend. Moderiert von der Journalistin Monika Hanewinkel, lernte das Publikum die Autorin, die für ein anderes Werk bereits mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden ist, auch sehr privat kennen. Sie erzählt von ihrem Sabbatjahr auf Korsika, in dem sie weder einen Fernseher noch Radio oder sonst irgendetwas an Ablenkung zu Verfügung hatte. „Da hätte jeder angefangen zu schreiben,“ scherzt die Frau, die gebürtig aus Kleve stammt, wird dann aber gleich wieder ernst.

Zwischen Zyfflich und Kiew

Denn der Roman spielt nicht nur auf dem Bauernhof am Niederrhein, sondern auf einer zweiten und dritten Erzählebene auch in Tschernobyl in der Zeit der Reaktorkatastrophe, aber auch in die Gegenwart.

Wieder zeigen die Gesichter des Publikums, wie präsent die Geschehnisse aus dem Jahr 1986 in der Ukraine den Anwesenden sind. Die Krankenschwester Valentina wird vorgestellt, sie hat keine Vorstellung über das Ausmaß der Geschehnisse, als sie die ersten Patienten mit der Strahlenkrankheit am Morgen nach der Katastrophe versorgt.

Die Zuhörer leiden sichtlich, als sie nur mit einem Schutzkittel bekleidet im Akkord Menschen versorgt. Valentina führt zu dem Zeitpunkt ein glückliches Leben, denn ihr Mann arbeitet im Reaktor, und so verfügt die Familie über eins der damals so begehrten Wohnobjekte in Prypjat, der heutigen Geisterstadt im Sperrgebiet. Dieses hat Borrmann im Rahmen ihrer Recherchen für den Roman bereist und zeigt bedrückende Fotos von der Region, so dass die Kulisse noch lebendiger wird.

Wie der Erzählstrang aus der Ukraine mit dem vom Niederrhein zusammengeführt wird – dafür muss dann doch das Buch mit 320 Seiten gekauft werden. Doch soviel verrät die Autorin schon während der Lesung: Das Mädchen in der Badewanne ist ebenfalls Ukrainerin, auf der Flucht vor Menschenhändlern.

An diesem Abend wird der wortkarge Bauer aus Zyfflich zum Mörder und Beschützer des Mädchens, das er retten kann. Seine Schäferhündin stirbt und zwischendurch immer wieder Zeitsprünge nach Tschernobyl ins Jahr 1986. Die Gesichter des Publikums sind der Beweis, dass die Worte der Autorin in die Geschichte reinziehen.

Hanna Lohmann

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
40 Jahre Comedy Arts
Bildgalerie
Comedy
Zurück ins Mittelalter
Bildgalerie
Schlossfest
article
11602447
Jede Menge Blut im Wiesenhof in Moers
Jede Menge Blut im Wiesenhof in Moers
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-moers-kamp-lintfort-neukirchen-vluyn-rheurdt-und-issum/jede-menge-blut-im-wiesenhof-in-moers-id11602447.html
2016-02-27 10:00
Nachrichten aus Moers Kamp-Lintfort Neukirchen-Vluyn Rheurdt und Issum