Irgendwann wird es zum Missbrauch
31.05.2011 | 17:00 Uhr 2011-05-31T17:00:00+0200
Moers.Die Suchtberater in den Räumen der Caritas am Ostring wissen um die Probleme, die Medikamenten- und Alkoholabhängige haben; und Beratung ist der erste Schritt zur Therapie.
Das wissen die Mitarbeiter der Caritas-Suchtberatung am Ostring in Moers nur zu gut. Das Team hilft Menschen, die alkohol- oder medikamentenabhängig sind. „Bei über 90 Prozent unserer Besucher geht es um Alkohol“, schildert Sozialarbeiter Johannes Albers. Zusammen mit seinem Kollegen Raimund Michaelis, Sozialarbeiter und Suchttherapeut, berichtet er von der Arbeit in der Suchtberatung.
Suchtberatung bedeutet nicht Drogenberatung. „Den Part der illegalen Drogen haben die Drogenberatungsstellen im Kreis Wesel.“
Abends öfter mal
ein Gläschen
Alkohol, die Sucht kommt schleichend. „Mancher trinkt abends ein Gläschen zum Ausspannen, dann auch zwei. Schließlich wird das zur Gewohnheit. Die Sucht ist da, wenn es nicht mehr ohne geht“, schildert Michaelis. Doch so mancher Abhängige mache sich vor, den Tag auch ohne seine Droge überstehen zu können. „Wenn man die Leute fragt, sehen sie sich immer in einer harmloseren Phase als wir Außenstehenden.“
Auch die Abhängigkeit von Medikamenten komme schleichend. „Und sie wird oft Jahrzehnte lang von den Menschen im Umfeld der Kranken nicht bemerkt.“ Denn anders als ein Alkoholkranker, der im betrunken Zustand auffalle, sei der Medikamentenabhängige mit seinen Tabletten „normal“ und gut drauf. „Er versetzt sich in eine bessere Stimmung.“ Es sei schon vorgekommen, dass ein Betroffener erst, als er plötzlich in ein Krankenhaus musste, durch schwere Entzugserscheinungen bemerkte, wie süchtig er war.
Entzug – bei Alkohol dauert es nicht sehr lange, bis der Körper entwöhnt ist. „Problematisch ist aber die Abhängigkeit im Kopf. Das Gehirn hat ein Gedächtnis für den Suchtstoff entwickelt.“ In der ambulanten Therapie in den Räumen am Ostring versucht man denn auch, mit den Betroffenen Strategien zu finden, wie sie einen Rückfall vermeiden können.
Da war beispielsweise der Alkoholiker in Therapie, der plötzlich eine Flasche Korn auf dem Band an der Kasse stehen hatte. „Die hat er aus alter Gewohnheit gegriffen. Wenn sie schon da steht, wird sie auch bezahlt und zu Hause getrunken.“ Also: Entweder erst gar nicht in einen bekannten Supermarkt gehen, oder ganz bewusst einen großen Bogen um die fraglichen Regale machen.
Auch Medikamentenabhängigkeit ist eine Sucht
Medikamentenabhängige kommen selten in die Beratungsstellen der Caritas. „So lange es gut für sie läuft, haben sie keinen Grund zu entziehen.“ Da machen auch Alkoholiker keine Ausnahme. „Die allermeisten kommen nur, weil sie müssen.“ Getrieben von einer Frau, die mit Scheidung droht; geschickt von der Firma, die mit Entlassung droht, um nur einige Szenarien zu nennen. Und: „Viele wollen hier anfangs Hilfe finden, um ihren Konsum zu reduzieren und zu steuern. Aber das geht nicht.“ Es gebe nur Abstinenz oder das Weitertrinken. Wozu erst einmal die Einsicht reifen müsse. „Das ist so schwer, wie wenn Sie einem Lahmen die Krücken wegnehmen wollten.“
„Alkoholkranke haben vergleichsweise gute Chancen, von ihrer Droge herunter zu kommen und dann auch abstinent zu bleiben“, schildert Albers. Dies wohl auch deshalb, weil Alkoholiker zumeist in der Mitte des Lebens stünden, bereits etwas erreicht hätten, Familie, Beruf und Status nicht verlieren wollten. Daher seien 50 Prozent von ihnen auch nach drei Jahren noch trocken. Eine Quote, auf die Drogenberater-Kollegen nur mit Neid blicken könnten. „Da beträgt die Rückfallquote 90 Prozent. Selbst bei Rauchern liegt sie noch bei 80 Prozent.“
Im letzten Jahr wurden 42 Alkoholkranke behandelt
42 Alkoholkranke behandelte die ambulante Therapiestelle am Ostring 1 im letzten Jahr, jeden etwa über sechs bis zwölf Monate. Schließlich waren 90 Prozent von ihnen abstinent. Ein Mal pro Woche trifft sich die Therapiegruppe, zusätzlich gibt es Einzelgespräche.
Geeignet ist die ambulante Therapie für Menschen, die zu Hause aufgefangen werden und im Beruf bleiben wollen. „Wer allein in den vier Wänden hockt, sollte besser in stationäre Behandlung gehen.“
Zum Thema Komasaufen bei Jugendlichen: „Große Mengen Alkohol in jungen Jahren genossen – das speichert das Gehirn ganz anders. Da ist die Suchtgefahr enorm hoch. Leider erreichen wir diese junge Klientel hier nicht.“ Doch bei vielen sei eine künftige Abhängigkeit absehbar.
18:37
Wenigstens mal wieder ein Club, der in der Zeitung steht.
Gratulation
Ohne Alkohol aus zu kommen ist geht sehr gut.
Bei Feiern merkt man dann; dass manche Leute Dolmetscher brauchen.
Nabenallerseits