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Stadtentwicklung

Investitionsvolumen für die Königlichen Höfe: 100 Millionen

14.02.2010 | 11:33 Uhr
Investitionsvolumen für die Königlichen Höfe: 100 Millionen

Moers. Die „My Zeil” als Teil von Deutschlands zweitwichtigster Einkaufsmeile in Frankfurt ist bekannt. Das Übersee-Quartier in Hamburg, die neue Hafen-City, auch. Am besten passt der Vergleich zur überschaubaren „De Parade” im niederländischen Bergen an Zoom.

Alle Bauprojekte haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind vom Investor MAB geplant worden und passen sich in ihrer Struktur komplett dem Charakter ihres Umfelds an. Und das verspricht MAB auch für das neue City-Quartier am Kö. Arbeitstitel: Königliche Höfe.

Bei der offiziellen Präsentation warb der Investor heftig um seine neue Braut. Projektleiterin Caroline Rauschen-bach: „Am Anfang stand die Frage: Was hat eine so schöne Stadt wie Moers mit einer so guten Kaufkraft eigentlich für ein Problem?” Im Kern gebe es zwei Gründe: die starke Konkurrenz der umliegenden Städte mit zigtausend Qua-dratmetern Einzelhandel und dann der Besatz in Moers. „Braun ist ein guter Magnet, dann fällt es in Richtung des leer stehenden Hortengebäudes ab.” Das Areal von Post bis Grafschafter Passage sei das perfekte Quartier für eine „Erweiterung der Steinstraße und damit der Altstadt”. Hier soll, Stand heute, nach dem Komplett-Abriss aller Gebäude, ein neues Zentrum entstehen, das Impulse setzen könnte. Aufgeteilt auf vier große Häuserblöcke, die an kleinen Gassen und Plätzen liegen mit Cafe´s und Restaurants.

MAB-Geschäftsführer Michael Flesch legt Wert darauf, dass die große Stärke des Konzepts sei, dass man es auf einer Grafik gar nicht als neu erkennen würde. Kein Klotz, sondern eine kleinteilige Bebauung mit zwei oder drei Ankermietern (ganz sicher ein Nahversorger), insgesamt 15 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 7000 für Wohnbebauung. „Die Mischnutzung ist ganz wichtig. Das Quartier wird an die offene Struktur der Moerser City angepasst, die Menschen werden nicht in einen Fremdkörper hereingezogen, sondern schlicht weitergeleitet.” Für die architektonische Vielfalt des kleinen, maximal dreigeschossigen neuen Viertels sollen gleich mehrere Architekten sorgen, die sich in einem Wettbewerb für unterschiedliche Aufgaben bewerben können.

Da Konzept bleibt zunächst ein Entwurf. Und dann gibt es da ja noch das Problem der vielen Eigentümer.

Die Pläne sind noch keine Architektur. Ob es etwa möglich ist, eine Tiefgarage unterhalb des Einkaufszentrums zu bauen mit einer Ausfahrt zur Uerdinger Straße, zeigen noch die geologischen Untersuchungen. Ob Freiflächen konsequenterweise nicht überdacht werden und Arkadengänge als potenzieller Regenschutz dienen werden, bestimmt die weitere Entwicklung. Nicht zuletzt: Ob ein großzügiger Flanierbogen zwischen Kö und Passage realisiert werden kann, hängt von den Eigentümern ab.

„Jetzt ist das Signal da”

Flesch umschreibt das so: „Es gibt noch viele offene Faktoren, die man unter Kontrolle bekommen muss. Aber wir haben einen einstimmigen Ratsbeschluss, das ist deutschlandweit eine Seltenheit.” Heißt: Flesch hofft auf einen Mitnahmeeffekt, auch bei den Eigentümern der Grundstücke und Immobilien, die dem neuen Quartier weichen sollen. Erste Annäherungen habe es gegeben, aber „natürlich verhalten sich die Eigentümer bislang abwartend. Nun ist das Signal da, und wir sind für alle ein ernstzunehmender Verhandlungspartner”.

Etwa acht Eigentümer schwimmen mit. Sie alle in ein Boot zu bekommen, also vom Verkauf zu überzeugen, bezeichnet Geschäftsführer Flesch als „die große Herausforderung” des Projekts. In der Vergangenheit hatten Besitzer wie Paul Kugler oder Jürgen Käfer, dem gleich mehrere Immobilien gehören, immer wieder bekundet, mit der Stadt keine Geschäfte mehr machen zu wollen. Das Postgebäude gehört optional dem ehemals interessierten Investor OMD, der allerdings noch nicht überwiesen hat. Das können die Berliner jederzeit tun, zu einem festgeschriebenen Preis. bei MAB gibt man sich optimistisch, den Knoten zu durchschlagen: „Sonst würden wir heute nicht hier sitzen.” Und noch etwas: „Die Umstände mögen nicht optimal sein, aber bei welchem Bauvorhaben sind sie das schon? Die Zeit könnte keine bessere sein. „Nachdem 15 Jahre nichts passiert ist, muss jetzt was gemacht werden an dieser Stelle.” Schafft MAB die Voraussetzungen, könnten die Königlichen Höfe in zweieinhalb bis drei Jahren fertig gestellt sein.

„Die Stadt atmet da rein”

Im technischem Dezernat hoffen sie darauf. Nicht zuletzt, weil MAB zumindest einen Teil der geplanten, aber aufgrund der Finanzprobleme verschobenen City-Verschönerung umsetzen würde. Die Verlegung des Busbahnhofes an den Neuen Wall. Günter Wusthoff spricht von einem „sehr überzeugenden Konzept, mit dem wir uns deutlich von den umliegenden Städten abheben”. Und zur Quartiers-Idee im besonderen: „Die Stadt atmet da rein.”

Bürgermeister Norbert Ballhaus plant eine frühzeitige und breite Bürgerbeteiligung. In Veranstaltungen und verschiedenen Etappen. Aber auch die Händler sollen eingebunden werden, der Einzelhandelsverband und das Stadtmarketing. Das Gesamtinvestitionsvolumen beziffert Caroline Rauschenbach auf 100 Millionen Euro.

Michael Passon

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