In Moers beginnt am Sonntag das Mittelalter

Museologe Alexander Borchard pflanzt in diesen Tagen Dachhuaswurz auf den Strohdächern im Grafschafter Musenhof - eine Art mittelalterlicher Blitzableiter.
Museologe Alexander Borchard pflanzt in diesen Tagen Dachhuaswurz auf den Strohdächern im Grafschafter Musenhof - eine Art mittelalterlicher Blitzableiter.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Grafschafter Musenhof ist eine heimliche Touristenattraktion in Moers. Am Sonntag ist Start in die neue Saison mit dem Thema „Aberglaube im Mittelalter“

Moers..  Zwei Tage noch, dann beginnt in Moers das Mittelalter. Nicht in ganz Moers, aber im Grafschafter Musenhof, der mittelalterlichen Spiel- und Lernstadt neben dem Schloss. Mit der Eröffnung am Sonntag geht das Dörfchen in seine sechste Saison. Bis zu 20 000 Besucher werden bis Ende Oktober erwartet.

Tatsächlich ist der 2010 eingeweihte Grafschafter Musenhof eine heimliche Touristenattraktion. Die Spiel- und Lernstadt, in der Kinder ab sechs Jahren das Leben im Mittelalter kennen lernen, wird zwar vor allem von Moersern in Anspruch genommen. „Aber ein erheblicher Teil der Besucher kommt aus einem Umkreis von 50 Kilometern“, sagt Diana Finkele, die Leiterin des Schlossmuseums. „Wir sind sehr oft ausgebucht.“ Genutzt wird der Musenhof gern von Schulen und für Kindergeburtstage. Schon vor dem Saisonstart ist wieder eine ganze Reihe von Terminen belegt. Darüber geben viele Eltern ihren Nachwuchs in der offenen Betreuung in die Obhut der Museumspädagogen und gehen in der City shoppen (siehe Box).

160 Gruppen waren im vergangenen Jahr in dem Dorf im Schlosspark, um bei Workshops und Erlebnisführungen etwas über Tischsitten und Esskultur im Mittelalter, Maulaffen und Ölfunzeln oder Ritter und Burgfräulein zu erfahren. Die Kinder bekommen dann Kostüme und Rollen zugewiesen und stromern durch Schmiede, Bäckerei und Kerker. Die Toilette richtet sich hinter ihrer mittelalterlichen Fassade freilich an den aktuellen hygienischen Bedürfnissen aus. Wie es früher zuging, wenn man mal „musste“, wird aber dargestellt: Im Bedürfnisfall begab sich der einfache Niederrheiner in die „Heimlichkeitskammer“.

In diesen Tagen wird der Musenhof auf den Saisonstart am 12. April ab 14 Uhr – bei freiem Eintritt – vorbereitet. „Aberglauben im Mittelalter“, lautet das Thema. Der neue Museologe Alexander Borchard, der der Einrichtung mit einer halben Planstelle zur Verfügung steht, setzt deshalb gerade auf den Hausdächern Dachhauswurz: „Die Pflanze galt als Schutz vor Gewitter“, erklärt der 32-Jährige. Karl der Große habe deshalb im 9. Jahrhundert verfügt, dass sie auf jedem Haus mit Strohdach zu pflanzen war. Borchard: „Eine Art mittelalterlicher Blitzableiter – legitimiert von höchster Stelle.“

Mehr über die Angebote unter www.musenhof-moers.de

Samstags können Eltern ihre Kinder (6 bis 12 Jahre) zwischen 10 und 13 Uhr in die Obhut der Museumspädagogen geben.

In den Sommerferien wird die offene Betreuung von der vierten bis sechsten Woche montags bis freitags jeweils von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr angeboten.