In diese Kirche muss Leben

Der Förderverein Christuskirche.(von links): Ulrike Kaufmann, Lutz Zemke, Birgit Kames, Renate Wallbott. Bei dem Modell auf dem Foto handelt es sich um eine riesige Spardose, die der Männerkreis in eineinhalbjähriger Kleinarbeit gebaut hat.
Der Förderverein Christuskirche.(von links): Ulrike Kaufmann, Lutz Zemke, Birgit Kames, Renate Wallbott. Bei dem Modell auf dem Foto handelt es sich um eine riesige Spardose, die der Männerkreis in eineinhalbjähriger Kleinarbeit gebaut hat.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Wie und warum ein findiges und umtriebiges Grüppchen Geld für die Sanierung der geschichtsträchtigen Christuskirche in Kamp-Lintfort sammelt

Kamp-Lintfort..  Das war eine eindrucksvolle Demonstration: Zum Gespräch bat der Förderverein Christuskriche in die Sakristei. Und schon nach einer halben Stunde kroch die Kälte in die Beine. Die Heizung in der Kirche ist kaputt. Wer hier im Winter einen Gottesdienst durchhalten will, muss leidenswillig sein. Und das in Zeiten, wo den Kirchen die Menschen immer mehr den Rücken zuwenden. „Sie glauben ja gar nicht, was in der evangelischen Kirche los ist“, sagt Ulrike Kaufmann vom Förderverein. So predigt der Pfarrer schon mal vor „17 Leuten, die frieren“, weiß Lutz Zemke.

Nun ist es um die Christuskirche im Herzen von Kamp-Lintfort, die 1929/1930 erbaut wurde, nicht ganz so schlimm bestellt wie um die Moerser Stadtkirche: „Die Stützpfeiler stehen stabil, obwohl sie auch auf Torfgrund steht“, erklärt Zemke, „aber wir haben krasse Probleme mit dem Gefälle.“ Und wenn man schon den Boden rausreißen muss, dann sollte man die Heizung reparieren und was an der Dämmung tun.

Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass sich der Förderverein gegründet hat, denn schnell war klar, dass die Gemeinde die Kosten nicht würde tragen können. Und weil das ein findiges und umtriebiges Grüppchen ist, hat man sich auch weitergehende Gedanken gemacht. „In der Stadtmitte muss eine Kirche stehen. Und Kirchengebäude sind ohnehin nicht veräußerbar. Schon gar nicht, wenn sie marode sind“, erklärt Vereinsvorsitzender Zemke. Außerdem habe gerade diese Kirche mit vielen Emotionen zu tun, etwa durch die Aktion „Zufluchtsstätte“ der Bergarbeiterfrauen 1995 und im Arbeitskampf 2006/2007, als Ben Q dicht machte. Nicht zuletzt ist Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider für einen Gottesdienst gekommen, als das Bergwerk die letzte Schicht fuhr. So was gibt man nicht auf, sagten sich die Vereinsmitglieder.

Aber sie sagten sich auch: In diese Kirche muss Leben. Ein Haus, das bloß am Sonntagmorgen für ein paar Stunden die Türen öffnet, kann nicht sinnvoll sein. Gleichzeitig blickten sie auf ihre direkte neue Nachbarschaft: die Hochschule. Eine tolle Gelegenheit, damit eine Kirche nicht nur was für alte Leute ist. Gottesdienste in englischer Sprache gehören seither ins Konzept der „Christuskirche-plus“. Und Kulturveranstaltungen. Oder andere Veranstaltungen. „So lohnt sich wenigstens das Heizen.“ Aber weil erstens kein Mensch Lust auf harte Kirchenbänke hat, wenn das Konzert zwei Stunden dauert, und zweitens neue Stühle flexibler machen, wurde das ebenso in die Pläne aufgenommen. Alles in allem kam man unterm Strich auf etwa 1 Million Euro, die es braucht. Der Plan: 100 000 Euro will der Förderverein einsammeln.

Seither heißt Vereinsmitglied zu sein natürlich Kekse backen und Marmeladen kochen, auf Weihnachtsmärkten stehen und überlegen, was man noch tun kann. Am liebsten beim Stammtisch. So kam man auch auf die Steinaktion. Der Verein bemühte sich nach der Schließung des Bergwerks um Steine aus der Mauer von Friedrich Heinrich. Und verkauft sie gegen mindestens 100 Euro Spende für den Förderverein. Spendendosen stehen in Kamp-Lintforter Läden. „34 000 Euro haben wir schon zusammen. Es kommt immer mehr Bewegung rein“, freut sich Ulrike Kaufmann über den Lohn der Mühen, „und wenn man zäh dran bleibt...“ Doch ist der Weg weit und das Ziel, zum 100-jährigen Jubiläum der Gemeinde 2017 alles in trockenen Tüchern und eine kuschelige Kirche im Winter zu haben, ein sportliches.