Im Einsatz für Kamp-Lintforts Kinder

Lothar Freund lenkt den Bus mit einem LKW-Führerschein.
Lothar Freund lenkt den Bus mit einem LKW-Führerschein.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Lothar Freund fährt den umgebauten Bus der Kindertafel. Er macht zweimal pro Woche an zwei Stationen Halt. Auch das Zuhören ist bei der Arbeit wichtig.

Kamp-Lintfort..  Die schlichte Liebeserklärung auf der Bilderwand am Busfenster spricht für sich: „Lieber Tafelbus, ich mag euch. Ich komme immer hierhin und ich habe euch lieb. Grüße von Esra.“ Für Lothar Freund, einen der ehrenamtlichen Fahrer der rollenden Kindertafel des Vereins „Klartext für Kinder“, Motivation genug, sich seit vier Jahren einen Tag in der Woche aus dem Familienleben auszuklinken und sich für fünf Stunden hinters Lenkrad des ausrangierten und umgebauten Linienbusses zu klemmen.

Bald fünf Jahre

Im Herbst werden es fünf Jahre, dass der Tafelbus nicht nur in Moers, sondern auch regelmäßig in Kamp-Lintfort hält. Zweimal wöchentlich an zwei Standorten bietet das Klartext-Team Kindern nicht nur eine warme gesunde Mahlzeit an, sondern hat stets auch ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme. „Es macht Spaß“, sagt der 64-Jährige und wirbt um neue Kollegen: „Wir können weitere ehrenamtliche Fahrer gut gebrauchen.“

Als Lothar Freund vor vier Jahren aus dem aktiven Berufsleben ausstieg, wollte er sich weiter engagieren. Der Moerser, aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, hörte damals von einem Kollegen, dass der Verein Fahrer suchte und sprang ins kalte Wasser. „Der Bus gilt durch die Umrüstung als LKW, deshalb braucht man als Fahrer nur den ehemaligen Klasse-2-Führerschein, heute der C oder CE-Führerschein.“ Zusätzlich bietet die Niag ein Fahrtraining mit dem Bus an.

Für Freund beginnt sein Tag als Fahrer in der Regel gegen 11.30 Uhr. Dann übernimmt er auf dem Niag-Gelände in Moers den Tafelbus. Fährt er die Kamp-Lintforter Tour, steuert er zunächst das CJD-Jugenddorf an und lädt das Essen für die Kinder ein. Was auf den Tisch kommt, sei „kindgerecht, aber ausgewogen“, sagt Freund. „Bei uns gibt es keine Pommes, keinen Ketchup, keine Mayo sondern Kartoffeln, Nudeln, Reis, Soßen, Gemüse und Salate. Und immer einen leckeren Nachtisch.“ Wenn er eine halbe Stunde später an der Sudermannstraße oder auf dem Alten Marktplatz an der Ebertstraße hält, warten neben zwei Helferinnen aus dem Team oft auch schon viele Kinder auf den Bus. „Wir haben so unser Stammpublikum, aber es kommen immer wieder auch neue Gäste.“

Während der Bus hält, kümmert sich Freund überwiegend um die Technik an Bord – auch das Bedienen der Spülmaschine zählt zu seinen Aufgaben. „Man ist praktisch der Maschinist an Bord“, umschreibt der Rentner seinen Part. Ein Maschinist, der Zuhören können muss. In seinen vier Jahren als Fahrer des Tafelbusses hat Freund viele Geschichten gehört.

Was ihn nach wie vor beschäftigt: „Es gibt viele Kinder, deren Problem weniger die wirtschaftliche, als die soziale Armut ist. Da geht es Zuhause nicht unbedingt um Geld, sondern darum, dass jemand zuhört, dass einer da ist, mit dem man seine Zeit verbringen kann,“ sagt der Helfer.

Wenn die Kinder sich am frühen Nachmittag auf den Heimweg machen, fährt Freund den Bus wieder zurück nach Moers und parkt ihn auf dem Niag-Gelände. Pro Standort kann der Verein derzeit auf drei bis vier Fahrer zurückgreifen, ein Dienstplan regelt vier Monate im Voraus den Einsatz. Aber: „Es darf halt keiner ausfallen, dann wird es eng“, macht der Rentner deutlich, warum Klartext aktuell neue ehrenamtliche Fahrer braucht.

Gründe, sich zu engagieren, gebe es viele, weiß Freund. Einer sei sicher auch das tolle Team. „Und als Fahrer arbeitet man immer mit zwei Frauen zusammen. Das ist klasse, da ist man immer Hahn im Korb“, fügt er augenzwinkernd hinzu.