„Ich bin doch auch nur ein Mensch“

Moers..  Der Duft von frisch gemahlenem und gebrühtem Kaffee zog durch den Raum. Begleitet von einem sparsam eingesetzten Bandoneon, dem silbernen Geklingel zweier Spieluhren und dem monotonen Geräusch einer Kaffeemühle. Mit diesen Utensilien, Gerüchen und Geräuschen untermalte Ralf Kaupenjohann am Freitagabend im Kammermusiksaal des Martinstifts das von ihm arrangierte und vertonte Live-Hörstück „über das Verschwinden“.

Es basiert auf dem Theaterstück „Zitrone Schlüssel Ball“, das Intendant Ulrich Greb vor 10 Jahren mit großem Publikumserfolg im Schlosstheater Moers auf die Bühne gebracht hatte. Thematisiert wird die sich verändernde Wahrnehmung und das allmähliche Verschwinden von Worten, Wissen und Orientierung im Zuge einer beginnenden Demenz: „Er wollte bis zum Schluss Auto fahren. Dann ist er 400 Kilometer durch die Gegend gefahren und hat sein Ziel nicht gefunden...“ – „Welchen Tag haben wir heute? Wo ist meine Uhr geblieben?“ – „Meine Mutter war früher eine ganz ruhige, leise Person. Heute ist sie genau das Gegenteil. Das ist es, was man einfach nicht begreift.“ – „Weißt Du, wer ich bin? Sie erkennt mich nicht mehr.“ – „Die laufen alle durch meine Wohnung. Hier war doch mal eine Tür.“ - Ich will nach Hause. Helfen Sie mir. Ich bin doch auch nur ein Mensch...“

Verstörende Erfahrungen von Angehörigen, Pflegern und Selbsthilfegruppen mit an Demenz erkrankten Menschen: „Demenz wird in unserer alternden Gesellschaft stark zunehmen. Wir müssen lernen, mit diesem Phänomen umzugehen und unsere Anforderungen zu revidieren. Durch die Begegnung mit der ‚Krankheit’ entstehen ganz neue Perspektiven bei der Betrachtung dessen, was wir unter ‚Normalität“ verstehen“, erläutern die Initiatoren den Hintergrund. „Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“

Eine Veranstaltung, die nach Thema, Inhalt und Ausführung sicher mehr Zuhörer verdient gehabt hätte