Hundertjähriger aus Moers zurück auf der Gorch Fock

Kommandant Kapitän zur See Nils Brandt, Herbert Klaus und seine Familie auf der Gorch Fock im Juni 2015.
Kommandant Kapitän zur See Nils Brandt, Herbert Klaus und seine Familie auf der Gorch Fock im Juni 2015.
Foto: Thomas Miatke
Zwölf Jahre diente Herbert Klaus bei der Marine, unter anderem auf dem Segelschulschiff. Dessen Kapitän ludt ihn zum Geburtstag ein, noch einmal an Bord zu kommen.

Kiel/Moers..  November 1935: Der damals 20-jährige Stabsmatrose Herbert Klaus geht in Kiel an Bord der Gorch Fock I, um seine zehnwöchige Ausbildung zum Unteroffizier anzutreten. 80 Jahre später, im Juni 2015, steht der jetzt 100-Jährige auf dem Deck des Schwesterschiffs der Gorch Fock I, ist zurückgekehrt nach Kiel. Es ist ein Geburtstagsgeschenk, das ihm Kapitän zur See Nils Brandt als Kommandant des Segelschulschiffes nur zu gerne gemacht hat.

Zwölf Jahre seines Lebens diente der 100-Jährige bei der Marine: zuerst auf dem Panzerschiff Deutschland, dann auf der Gorch Fock, schließlich auf dem Schlachtschiff Scharnhorst. Herbert Klaus hatte Glück: Als die Scharnhorst 1943 versenkt wurde, war er nicht an Bord, denn er absolvierte zu dieser Zeit die achtmonatige Ausbildung zum Oberbootsmann. Von der 1968 Mann starken Besatzung der Scharnhorst überlebten nur 36 den Untergang des Schlachtschiffes.

Kapitänleutnant Thomas Miatke begleitete das Moerser Geburtstagskind, dessen Tochter und Enkel sowie den Kommandanten auf dem Rundgang über die Gorch Fock. „Sichtlich beeindruckt von der Ähnlichkeit der beiden Segelschulschiffe sind ihm beim Rundgang durch das Schiff auffallend viele Gegebenheiten wie zum Beispiel die Unterbringung der Kadetten in den Hängematten noch sehr vertraut“, so der Kapitänleutnant.

Singen beim Kartoffelschälen

Bemerkenswert, so Thomas Miatke, sei zudem, dass viele Details in den Arbeitsabläufen an Bord zum Teil heute noch existieren – wie zum Beispiel die „gesungene“ Meldung des Ausgucks auf der Back bei Dunkelheit. Der Holderberger Herbert Klaus erinnerte sich: „Während der Abendwachen haben wir beim Kartoffelschälen stets viel gesungen.“ Dass das Kartoffelschälen ihn über die Jahrzehnte so fit gehalten hat, darf bezweifelt werden; er selbst führt es darauf zurück, dass er immer viel Sport getrieben habe. Und das war schon zu seiner Zeit bei der Marine so: 1934 war er „Flottenmeister“ beim Flottenwettrudern.

Als Herbert Klaus Mitte der 50-er Jahre aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft heimkehrte, arbeitet er zunächst als gelernter Bau- und Möbeltischler und wurde im Dezember 1954 Beamtenanwärter bei der Deutschen Bundespost – in Moers. Im November 1979 ging er als Filialleiter in den Ruhestand.

Mit dem Besuch der Gorch Fock am letzten Montag konnte ihm seine Familie durch die Vermittlung der Bundestagsabgeordneten Kerstin Radomski einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Herbert Klaus dürfte der älteste Gast sein, der jemals das Deck des Schiffes betrat – jedenfalls der älteste, der auf der Gorch Fock Dienst tat.