Holk Freytag gibt den Hanns Dieter

Moers..  Reine Nostalgie: Wie gerne hätten Holk Freytag, Ex-Schlosstheater-Intendant, und Jürgen Kessler, langjähriger Wegbegleiter Hanns Dieter Hüschs, ihre szenische Lesung „Und sie bewegt dich noch!“ im Schlosstheater aufgeführt. „Da hätten wir uns nicht umgewöhnen müssen“, raunten sie sich gestern bei der Stippvisite im alten Gemäuer zu. Aber keine Chance. Nach zwei Tagen waren die Karten für das Schloss ausverkauft, so dass STM-Intendant Ulrich Greb sofort reagierte und die Veranstaltung in die Festivalhalle verlegt hat. Statt 90 werden nun 300 Zuschauer am Sonntag um 18 Uhr erwartet.

Wer nur Hüsch-Texte hören wollte, der war am Mittwoch in der Festivalhalle. Die Lesung am Sonntag, deren Titel in Anlehnung an ein Hüsch-Programm entstand, ist eine etwas andere Hommage. Es ist nicht unbedingt für Hüsch-Nostalgiker, was die beiden Freunde des „schwarzen Schafs vom Niederrhein“ auf die Bühne bringen. Es fängt im ersten Teil eher das Leben und Wirken des Kabarettisten ein, im zweiten gehe es um das „Fortschreiben der Philosophie Hüschs“, wie Freytag formulierte. „Es läuft nicht gut hier unten, Hanns Dieter“, heißt es dort, „unter den Kabarettkollegen gibt es immer mehr Kabarettunternehmer. Es geht um Spaß und Kohle, um Kult und Quote. Unsere Welt des poetischen, literarischen Kabaretts ist vergangen (...) Man braucht Humor für das, was andere Leute für Humor halten.“

Premiere feierte das Bühnenstück, das auf dem im April erschienen, gleich betitelten Buch Jürgen Kesslers basiert, am Mittwoch in Hamburg. „Der Termin 6. Mai war in Moers schon besetzt“, schmunzelt Kessler über den so unniederrheinischen Premierenort. Holk Freytag schlüpft in die Rolle Hüschs, Kessler in die seines Agenten, der er ja lange Jahre tatsächlich war. Irmgard Haub singt Hüsch-Lieder, begleitet von Johannes Reinig am Klavier.