Hochbetrieb im Kinderdorf

Sonntag, 12.04.2015, Moers, Saisoneröffnung im Musenhof. Jace holt ein Brot aus dem Ofen. Foto Christoph Karl Banski / FUNKE Foto Services
Sonntag, 12.04.2015, Moers, Saisoneröffnung im Musenhof. Jace holt ein Brot aus dem Ofen. Foto Christoph Karl Banski / FUNKE Foto Services
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Bei herrlichem Sonnenschein startete der Grafschafter Musenhof am Sonntag in die neue Saison. Wie man Hexen und Dämonen vom Hause fernhält

Moers..  Alexander Borchard strahlte mit der Sonne um die Wette. Der 32-jährige Museologe, der am Sonntag zum Saisonauftakt seinen ersten Einsatztag als verantwortlicher Pädagoge im Moerser Musenhof hatte, war glücklich. „So ein tolles Wetter – man hat mir gesagt, dass das in den letzten Jahren deutlich anders war. Das werte ich natürlich als gutes Omen.“

Ein gutes Omen – das passte perfekt zum diesjährigen Saisonthema „Aberglauben im Mittelalter“. Rund um dieses Thema ging es in den Häuschen und an den Ständen in dem kleinen mittelalterlichen Dorf im Herzen der Stadt, in dem schon kurz nach der Eröffnung um 14 Uhr reger Betrieb herrschte.

Viele Kinder waren gekommen, meistens in Begleitung ihrer Eltern, aber auch oft im Schlepptau der Großeltern. „Wir machen einen Familienausflug mit drei Generationen“, erzählte Bianca Koch aus Neukirchen-Vluyn, die mit ihrem Mann, der Tochter, den beiden Enkelkindern Daylina (5), Aurelio (7) und Nachbarkind Leonie (8) in den Musenhof gekommen war. Die Kinder bastelten unter der Anleitung von Jelena und Abiturientin Jana Lena, die ehrenamtlich in der kleinen Museumsstadt mithelfen, fleißig „Drudengatter“. Diese werden an Haustüren gehängt und sollen Hexen und Dämonen fernhalten, erläuterte Jana Lena. Eher klassisch ging es in der kleinen Schmiede zu, wo erklärt wurde, wie Hufeisen – allen bekannt als Glücksbringer – geschmiedet werden. Dabei blieb die Feuerstelle jedoch aus Sicherheitsgründen kalt.

Ein Schutzamulett zum Umhängen stellten Valentin (6) und Felix (8) aus Moers her. Das Amulett soll nicht nur gegen böse Geister helfen, sondern die Federn des wilden Vogels sollen ihren Trägern auch Kraft und Mut übertragen. Die beiden Brüder waren mit Mama und Papa schon häufiger im Musenhof und finden es dort „einfach toll“.

Salbe gegen fast alle Wunden

Christa Collin war mit ihren Enkelsöhnen Fynn (13), Enno (7) und Jonte (4) da. Sie wanderten von Haus zu Haus und stellten unter anderem mit Studienpraktikantin Laura Nennertheim Ringelblumensalbe her. Die braucht man, wenn es nicht so ganz geklappt hat mit der Gefahrenabwehr. Sie hilft praktisch gegen alle Wunden, die so tapfere Mittelaltermenschen sich zuziehen konnten.

Fynn wirkte nicht ganz so begeistert, dass Laura die Rezeptur zur Herstellung der Salbe gleich für einen kleinen Mathekurs nutzte. „Wie viel Milliliter sind in diesem Gefäß drin und wie viele Löffel davon muss ich nehmen, wenn in den Löffel 5 Gramm passen?“ wollte Laura von ihm wissen.

Museumsleiterin Diana Finkele war auch vor Ort. Sie genoss dort die Sonnenstrahlen zwischen den Spezial-Führungen, die um 15 Uhr und um 17 Uhr zu einem schwierigen Thema der frühen Neuzeit, dem Hexenwahn, durch das Schloss stattfanden.

Zur besten Kaffeezeit füllte sich der Platz um das mittelalterliche Dorf immer mehr. Neben den Aktivitäten, die an diesem Tag im Musenhof angeboten wurden, lockte sicherlich auch der Duft der frischgebackenen Waffeln, die dort hergestellt wurden, Groß und Klein an.