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Klartext für Kinder

Hilfe für die Kinder ist ein Volltreffer

10.01.2012 | 17:00 Uhr
Hilfe für die Kinder ist ein Volltreffer
Foto: Olaf Fuhrmann

Am Niederrhein.   Interview mit Klartext-Vorstandsmitglied Gudrun Tersteegen: „Sich um seinen Nächsten zu kümmern, kann einem nicht das Gefühl geben, etwas vergeblich zu tun“.

Was der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Ende des Jahres in erschreckender Weise noch einmal vor Augen führte, erleben die vielen engagierten Mitglieder des Vereins „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!“ täglich an der Basis. In Familien, Schulen, Kindergärten oder Jugendeinrichtungen in Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Über die vielen Gesichter von Armut und über Wirkung und Chancen der Vereinsarbeit sprach die Redaktion mit Vorstandsmitglied Gudrun Tersteegen.

Welche Erfahrung machen Sie beim täglichen Kampf gegen Armut vor der Haustür?

Gudrun Tersteegen: Die Auswirkungen von Armut werden immer gravierender und gerade Kinder und Jugendliche sind am stärksten betroffen. Da fehlen oft die selbstverständlichsten Dinge, Alltagsgegenstände, Kleidung. Das ist erschreckend. Auch weil wir sehen, dass sich Armut in manchen Familien geradezu vererbt und neue Armut erzeugt. Kinder und Jugendliche sind in diesen Fällen von vielem ausgeschlossen, sind desillusioniert. Wenn in der Schule Probleme auftauchen, kann nicht wirklich geholfen werden. Freunde und Vorbilder fehlen. Da entwickelt sich ein für unsere Gesellschaft verhängnisvoller Kreislauf. Was wir als Klartext für Kinder tun, ist akute Hilfe zu leisten, häufig in Einzelfällen. Möglichst zügig und unbürokratisch besorgen wir mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen, was fehlt.

Was ist das Besondere an der Arbeit des Vereins? Der Charakter?

Gudrun Tersteegen: Das Besondere an den aktiven Mitgliedern unseres Vereins ist, dass wir allesamt aus der Mitte der Gesellschaft heraus freiwillig, ehrenamtlich und ungeheuer engagiert aktiv sind. Trotz unserer sehr unterschiedlichen Berufe und privaten Hintergründe. Jeder bringt ein Bündel an Kompetenzen und Fähigkeiten mit, aber eben auch ein solides Maß an Nächstenliebe, ohne das es nicht geht und die uns in kontroversen Debatten auch immer wieder zusammenführt.

Organisiert vom Verein Klartext für Kinder: ein Fußballcamp beim TuS Preußen Vluyn an der Sittermannstraße. Foto: Marc Albers

Als gemeinnütziger, Spenden gestützter Verein mit einer großen Strahlkraft, dank der Pressebegleitung durch den Initiator NRZ, tragen wir eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb berichten wir auch ständig in der NRZ, über Mitgliederbriefe und unseren Internet-Auftritt über unsere Arbeit. Transparenz ist ungeheuer wichtig.

Woran mangelt es Kindern im Alltag? Sind es grundlegende Dinge?

Gudrun Tersteegen: In unserem Vereinsalltag hat sich die Zahl der von uns bearbeiteten Anfragen seit Gründung mehr als verdoppelt. In den letzten zwei Jahren haben wir über 500 Anträge bearbeitet. Es ist oft beschämend zu sehen, an was es mangelt: warme Stiefel, Kleidung, jetzt etwa für den Winter, aber auch Bettdecken, eine neue Brille oder ein Vereinsbeitrag, immer häufiger auch gesunde Mahlzeiten. Die durchweg positiven Erfahrungen mit unserer fahrenden Kindertafel sprechen für sich.

Oft fehlt nicht eins, sondern alles. Gerade dann, wenn die Familien, bei uns viele Alleinerziehende, in sogenannten prekären Lebensverhältnissen leben. Da ist jede Hilfe richtig. Neben den Einzelfallhilfen ist unser Verein in der Lage, soziale Projekte maßgeblich zu unterstützen. Zum Beispiel das Awo-Sozialkaufhaus „Stoffwechsel“ oder das Diakonie-Projekt „Wellcome“ der Diakonie, in dem es um die qualifizierte Begleitung von Familien von der Geburt eines Kindes an geht. Wir sind Mitfinanzierer von sport- und musikpädagogischen Projekten wie „Tanz dich frei“ und „MUS-E“ um nur ein paar zu nennen. Armut in Deutschland ist vor allem ein Teilhabe- und Bildungsproblem.

Sie und ihre Mitstreiter opfern neben Familie und Beruf viel Freizeit. Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen?

Gudrun Tersteegen: Nein, nie! Sich um seinen Nächsten zu kümmern, kann einem nicht das Gefühl geben, etwas vergeblich zu tun. Erst recht nicht, wenn es sich um Kinder handelt. Aber natürlich sind wir auch verpflichtet das Problem beim Namen zu nennen. Kinderarmut ist eine gesellschaftliche Zeitbombe und schon jetzt unerträglich. Als Verein können wir dem Thema „ein Gesicht“ und Öffentlichkeit geben.

Mehr Informationen über den Verein und seine Arbeit finden Sie unter www.klartext-fuer-kinder.de

Michael Passon

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