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Hier bricht nur die Freude aus

23.10.2007 | 22:52 Uhr

JUSTIZ. Das in der Justizvollzugsanstalt Kapellen entwickelte und produzierte Spiel "Ohne Bewährung" ist ein absoluter Renner.

MOERS. Um diese Probleme würde so manche mittelständische Firma Elke Krüger beneiden: Suche nach neuer Produktionsstätte aufgrund gestiegener Nachfrage, Aufbau neuer Vertriebswege, Qualifizierung weiterer Mitarbeiter. Was sich nach einer Erfolgsstory aus dem Wirtschaftsteil anhört, spielt sich jedoch hinter dem Zaun der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kapellen ab. Das Gesellschaftsspiel "Ohne Bewährung", in der JVA entwickelt und produziert, hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt, der Freude ausbrechen lässt.

Idee, Ausführung und Produktion "Made in JVA"

Elke Krüger, Leiterin der JVA Kapellen, strahlt: "Wir hatten ja nie mit einem solchen Erfolg gerechnet!" Nachdem Katharina Wollecke, Sozialarbeiterin und Leiterin der Arbeitsherapie, erst einmal die Spielidee entwickelt hatte, machten sich JVA-Mitarbeiter und Gefangene an die Arbeit. Im Dezember 2006 wurde das erste Exemplar von Elke Krüger getestet. "Das war so klasse", erinnert sie sich. Und das fanden alle.

Doch bis zum Verkaufsstart war es ein langer Weg. Das Spiel sollte in der JVA hergestellt werden, so viel war klar. Der Auftrag für die grafische Umsetzung ging an einen Gefangenen, der in Kapellen eine nicht bezahlte Geldstrafe verbüßte. Kurz bevor die Grafikdateien dann zur Druckerei in der JVA Geldern gehen sollten, kam der Gau: Alle Dateien waren weg! Was tun? Der Grafiker hatte seine Strafe verbüßt. "Was jetzt kommt, glaubt mir fast keiner, aber so war's", sagt Elke Krüger. Und sie hat Recht. Wer würde glauben, dass ein Gefangener freiwillig auf seine Entlassung verzichtet, nur um für die JVA zu arbeiten und alle Grafiken noch einmal herzustellen? Wirklich unglaublich - aber wirklich wahr.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Obwohl alle Fristen längst verstrichen waren, bekam die JVA noch einen Stand auf der Spielemesse. Ein Justizangestellter schlüpfte auf der Messe in ein Sträflingskostüm, und schon war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten. Elke Krüger: "Aus ganz Deutschland und Europa kommen die Bestellungen, sogar ein Spielemuseum in Österreich wollte eins haben." Und der Erfolg brachte mehr Arbeit mit sich: Die erste Auflage von 400 Stück ist vergriffen, die zweite in der Produktion. Die Gefangenen machen Überstunden, und gestern wurde geprüft, ob das leer stehende Hafthaus an der Haagstraße in der Moerser Innenstadt als zweiter Produktionsstandort genutzt werden kann.

Apropos Hafthaus: Am Sonntag, 25. November, ist für einen Tag Weihnachtsbasar im alten Knast an der Haagstraße. Der handgefertigte und beleuchtete Elch aus Holz war schon im letzten Jahr der Verkaufsrenner, und in Kapellen läuft seine Herstellung, wie auch die des Spiels, auf Hochtouren. Der Erlös wird in die weitere Produktion gesteckt. Wie gesagt: eine Erfolgsstory."Ohne Bewährung" ist ein Brettspiel, das in einem handgefertigen Holzkasten geliefert wird (Pappel: 29,50 Euro; Buche: 32,50 Euro). Die Spielsteine und Figuren sind ebenfalls Handarbeit, "Made in JVA". Das Spiel bildet die Wirklichkeit des offenen Strafvollzugs ab. So viel Realität gibt es in kaum einem anderen Spiel: Den Drogenkontrolleur "Siggi", einen wahrer Stolperstein für die Spieler , gibt es wirklich in der JVA Kapellen. Und er heißt Siggi. Das Spiel gibt's unter www.jva-shop.nrw.de.

HARRY SEELHOFF

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