Helden krempeln für Ruhr.2010 die Ärmel hoch
08.12.2009 | 18:00 Uhr 2009-12-08T18:00:00+0100Kamp-Lintfort. Als zweiter von 52 ins Rennen zu gehen kann Vorteile haben: Nach Dinslaken wird Kamp-Lintfort vom 17. bis 23. Januar der Nabel der Kulturhauptstadt sein. Mit über 20 Veranstaltungen wollen die Kamp-Lintforter in ihrer "Local Heroes Woche" den Blick der Großen auf die Kleinen ziehen.
Wo endet das Ruhrgebiet und wo beginnt der Niederrhein? Ein bisschen klingt diese Frage im Kreis Wesel so kurz vor Ruhr2010 wie das Testament eines Kamikazefliegers. Es sei denn, sie wird mit Humor beantwortet, so wie es die Kamp-Lintforter mit einer eigens in Auftrag gegebenen Kabarettnummer in ihrer „Local Heroes Woche” tun: Nach Dinslaken wird die Bergbaustadt im nächsten Jahr vom 17. bis zum 23. Januar als zweite Stadt den Staffelstab übernehmen und mit über 20 Veranstaltungen in sieben Tagen zeigen, wer und wo ihre lokalen Helden sind.
Vor- oder Nachteil, als Zweiter nach Xanten im Januar an den Start zu gehen? Kamp-Lintforts Kulturdezernent Dr. Christoph Müllmann: „Es ist ein Vorteil, möglichst früh dran zu sein. Dann sind die Leute noch neugierig.” Fakt ist, dass kleine Kulturhauptstadtprovinzen wie Kamp-Lintfort oder Neukirchen-Vluyn (31.1 bis 6.2.) nicht wirklich in den Genuss einer Qual der Wahl kamen. Erst als das Land seine finzanzielle Unterstützung (2 Euro pro Einwohner) zusagte, konnten die Kamp-Lintforter im Frühjahr richtig loslegen.
Sehen und gesehen werden? „Es geht auch um das Image der Stadt, das wir ein Stück weit ändern wollen”, so Müllmann. „Man muss die Möglichkeit, Werbung zu machen, nutzen.” In kaum einer anderen Stadt der Ruhrmetropole, so schreibt Bürgermeister Landscheidt in der eigens fürs Kulturhauptstadtjahr aufgelegten Veranstaltungsbroschüre, ließe sich so hautnah der Strukturwandel beobachten, wie in Kamp-Lintfort.
Sehen und gesehen werden?
Los geht's: Am Sonntag, 17. Januar, wird eine Fahrradstaffel des ADFC zum Fähranleger Orsoy radeln, um dort aus den Händen einer Dinslakener Sulkistaffel das Banner der Kulturhaupstadt direkt in die Stadthalle zu dem extra um eine Woche verschobenen Neujahrsempfang transportieren. Ab 11 Uhr wird dann das Ensemble „Nahtlos” mit Ausschnitten aus seinem musikalischen Kabarettstück „Pottpüree” obige Frage humorvoll beantworten. Am selbigen Tag ist die Kultur des Mittelalters ab 13 Uhr zu Gast im Haus Frohnenbruch – ein Fest mit Märchen, Mythen und Musikanten. Ab 14 Uhr lädt das Geistliche und kulturelle Zentrum Kloster Kamp zu einem „Tag der Stille” ein. Einer der Höhepunkte wird das „Traditionsfest” in der Lohnhalle des Bergwerk West am 22. Januar ab 17 Uhr sein. Gemeinsam mit ehemaligen Kumpel aus den englischen und polnischen Partnerstädten wird bei Musik und Currywurst gefeiert.
Ausstellungen in der Galerie Schürmann (Claudia Sper), in der Galerie des Honorarkonsuls Bernd Schulz (Mystisches Afrika), oder in der Lineg (Jörg Parsick-Mathieu), Lesungen an ungewöhnlichen Orten wie im Gewölbekeller des Klosters (17. Januar, 18 Uhr), im Lehrstollen des Bergwerk West (19. Januar, 10 bis 16 Uhr) und im Fahrradkeller des Rathauses (23.1., 10.30 Uhr) sowie Konzerte und Kunstaktionen gehören zu den weiteren Veranstaltungen der Local Heroes Woche. Petra Niemöller, Leiterin des Kulturbüros: „Allein über die Vorarbeiten zum Programm für 2010 sind ganz viele neue Kontakte zwischen Kulturschaffenden und Vereinen vor Ort geknüpft worden.”
Mit der Local Heroes Woche ist aber auch in Kamp-Lintfort das Kulturhauptstadtjahr nicht zuende. Twins-Projekt, die Eröffnung des Wandelweges, eine Begegnung von Nonnen und Mönchen mit Europapolitikern im Kloster und die SchachtZeichen sind weitere Höhepunkte im kommenden Kulturjahr.
Die gelungene Programmbroschüre „Kultur extra” liegt in Kamp-Lintfort öffentlich aus und ist als pdf-Datei auf der Homepage der Stadt zu lesen.
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