Heiß geliebt, eiskalt serviert
27.08.2010 | 22:53 Uhr 2010-08-27T22:53:00+0200
Moers.Wettermäßig hatten wir uns den ersten Tag des Comedy Arts Festivals ein wenig anders vorgestellt. Aber wer – mollig warm eingepackt – trotzdem gekommen war, wurde reich belohnt. Allein die Bekanntschaft mit dieser arroganten, koddrigen, bräsigen Echse, diesem eingebildeten großkotzigen Teufelskerl, entschädigte für zehn Grad Außentemperatur zu wenig.
Michael Hatzius hat mit der Echse eine wunderbare Figur erfunden. Blasiert, mit Hang zu endlosen Monologen, die der Selbstüberhöhung dienen. Nicht weniger als die Zellteilung mit Hilfe von Membranen aus dem Baumarkt will dieses Echse vor 2000 Jahren erfunden haben. Solche Typen haben offensichtlich Hatzius schon manchen Abend verdorben. Diese Dominanz versprühende Körpersprache beherrscht er in Vollkommenheit. Selbst eine technische Panne, die der Echse die Mikro-Sprache verschlug, machte das Biest nicht mundtot. Und der Satz: „Ich glaube, ich habe einen Tinnitus im Auge. Ich seh nur Pfeifen“, dürfte bei vielen Zuschauern in den Sprachgebrauch eingehen. Neben Rene Mariks sprachfehlerndem Maulwurf eine weitere Entdeckung der Ernst Busch Hochschule für Schauspielkunst. Der NRZ-Förderpreis hat mit Hatzius einen würdigen Preisträger gefunden.
Eröffnet haben das Freitagsprogramm vor nicht ausverkauften, aber angesichts des Wetters gut gefüllten Rängen „Los2play“ aus Spanien, eine vierköpfige Artistentruppe, mit lauter Faxen im Sinn. Für deren Grimassen müssen die Gesichtsmuskeln ungefähr so durchtrainiert sein wie Arme und Beine für die zahllosen Hebe- und Wurfnummern. Diese passgenau zu vermasseln, wie es der Clown unter den Artistinnen tat – dazu bedarf es besonderen Könnens. Ein munterer Einstieg.
Gregor Wollny wollte gemeinsam mit Otto Kuhnle das Moerser Publikum erobern. Aber wegen eines Bandscheibenvorfalls seines Partners musste er allein auf die Bühne. Dort schlug er eine herrliche Blödel-Materialschlacht, servierte mit zahllosen kleinen Requisiten visuelle Comedy aus dem Koffer und dem Pappkarton. Was man so alles aus einem schnöden Zollstock machen kann? Wollny kommt uns in fliegendem Wechsel mit Schirm, Schwert und Bohrhammer, mit Hund, Krawatte und Bilderrahmen. Er ermogelt sich mit wunderbar vergeigten Zaubertricks Sympathiepunkte. Bescheuert, aber reizend.
Durch das Programm führte der Moerser Junge Ludger K., der in die „weite Welt hinaus gegangen ist – und bis Duisburg kam“, wie der künstlerische Leiter Holger Ehrich ankündigte. Gestern kalauerte Ludger K. sich durch Moers. Wie heißt die geteilte Stadt? Eick. Und wo ist eigentlich der Stadtstreicher Robbi geblieben, damals, als man den Tunnel am Königlichen Hof zugeschüttet hat? Er verteilte seine kleinen Bosheiten über große Wahrheiten – politisch nicht immer stilsicher – großzügig. Das Publikum mochte es.
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