Heftiger Streit um die Moerser Aumühle
22.01.2010 | 05:00 Uhr 2010-01-22T05:00:00+0100
Moers. Was für eine Verwirrung. Und eine äußerst peinliche Vorstellung. Für die Lineg, für den sci:moers und irgendwie auch für die Verwaltung. Karl-Heinz Theußen hatte bei der Vorstellung der Pläne in der Links-Fraktion verlauten lassen, er selbst werde später in die restaurierte Mühle einziehen.
Anstelle eines wohlwollenden Votums des Stadtentwicklungsausschusses zum neuesten Stand des Gemeinschaftsprojekts Aumühle kam es zum offenen Streit. An dessen Ende sich vor allem Sci-Geschäftsführer Karl-Heinz Theußen entnervt zeigte.
Denn über seiner Person braute sich schon Donnerstagmorgen das Unheil zusammen. Theußen hatte bei der Vorstellung der Pläne in der Links-Fraktion verlauten lassen, er selbst werde später in die durch öffentliche, Stiftungs- und Spendengelder restaurierte Mühle einziehen. In jenen Wohnbereich also, der eigentlich für den Betriebsleiter des geplanten Projektes vorgesehen ist. Die Aumühle soll durch ein pädagogisches Konzept nach dem Motto „vom Korn zum Brot” erlebbar gemacht werden. Für Schulklassen und Kindergärten. Bei Fraktionschefin Gabriele Kaenders läuteten die Alarmglocken, zumal der öffentliche Weg, der jetzt direkt an dem alten Mühlrad vorbeiführt, verschwinden soll. „Theußen zieht nicht nur da ein, die Leute können ihm auch nicht ins Wohnzimmer gucken”, polterte Kaenders. Was Theußen auf NRZ-Anfrage relativierte: „Dass ich da einziehe, steht nicht fest, sondern in Erwägung. Das ist Eigentum des sci, der dafür Sorge tragen muss, dass es vermietet wird.” Außerdem, so Theußen, habe er das bei den Linken nur „provokativ in den Raum geworfen.” Wie auch immer, das Kind war im Brunnen.
Glaubwürdigkeit in Frage gestellt
Im Ausschuss zeigte sich nicht nur Stefan Doll von der FBG entrüstet: „Für mich stellt das die Glaubwürdigkeit des gesamten Projektes in Frage.” Die Meinung, das sei eine „interne Angelegenheit des sci” hatte der auf Deeskalation bedachte Vorsitzende Mark Rosendahl jedenfalls exklusiv. Theußen selbst beendete diese Debatte, in dem er erst formulierte, es gebe keinen entsprechenden Vorstandsbeschluss des sci, um dann endlich zu sagen: „Nein, ich ziehe nicht da ein.”
Womit das Hauptproblem bleibt, zum Unglück aller Fraktionen, die in ungewohnter Einigkeit einforderten, der alte Weg direkt am Mühlrad solle bestehen bleiben. Axel Sandhofen: „Es ist nicht Sinn der Sache, dass Spaziergänger das Mühlrad von einem neuen Sonderweg aus mit dem Fernglas bewundern müssen.” Der Grund für die weiträumige Umleitung des beliebten Wanderwegs ist laut Lineg ökologischer Natur. Und notwendig, „weil es sonst keine Fördermittel vom Land gibt.” Das bezeichnete CDU-Fraktionschef Klaus Rudatsch als „Schwachsinn”.
Suche nach Kompromissen
Nun soll modifiziert und nach Kompromissen gesucht werden werden. Karl-Heinz Theußen jedenfalls war bedient: „Die Stadt Moers ist auf uns zugekommen, ob wir aus einer verrotteten Postkartenmühle eine Mitmachmühle machen wollen.”
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