Haus am See in der Kamp-Lintforter Stadthalle

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Was wir bereits wissen
Das Theaterstück „Das Haus am See“ zeigte am Donnerstagabend Volker Brandt, die deutsche Stimme von Michael Douglas, als den 75-jährigen Norman Thayer am Anfang einer Demenz.

Kamp-Lintfort..  Was ist, wenn das Leben plötzlich zeitlos wird? Wenn die Erinnerungen verblassen und man sich wieder findet, alt, und auf nichts zurückblickt? Wenn man sich an einem Ort fremd fühlt, den man seit vielen Jahrzehnten kennt? Das Theaterstück „Das Haus am See“ zeigte den 75-jährige Norman Thayer am Anfang einer Demenz. Am Donnerstagabend wurde es in der Stadthalle aufgeführt.

Im Stück von Ernest Thompson feiert Norman seinen Geburtstag, mit seiner äußerst liebevollen Frau Ethel im gemeinsamen Ferienhaus am Goldsee. 48 Jahre lang verbrachten sie dort ihre Sommer, doch in diesem Jahr ist der alte Griesgram besonders mürrisch und verwirrt. Doch bevor Ethel etwas von seinem merkwürdigen Verhalten mitbekam, gibt sich der brummige Mann sarkastisch und schwarzhumorig.

Wenn sterben, dann spektakulär

„Na vielleicht wollte er ja eine Selbsteinäscherung vornehmen“ – als Ethel ihre Puppe „Elma“ im Kamin findet, philosophiert Norman über das eigene, möglichst spektakuläre Ableben. „Und dann mit doppeltem Salto ins Kaminfeuer.“

Ein Bild von seiner Tochter Chelsea, das Norman scheinbar zum ersten Mal entdeckt und sie inmitten ihrer Schwimmmannschaft zeigt, kommentiert er mit: „Die war aber auch ganz schön dick.“ Jeder Mensch, der Norman in irgendeiner Weise anspricht oder auch nur anschaut, wird Opfer seines kompromisslosen Sarkasmus. Für einen Moment blitzt jedoch auch bei Norman der liebevolle Ehemann durch. Ausgerechnet diese Seite zeigt er, als er gehetzt und gestresst vom Erdbeerpflücken zurück kommt und gesteht, dass er keine Erinnerungen mehr an die Umgebung hat: „Deshalb bin ich so schnell ich konnte zurück gelaufen, um dein hübsches Gesicht zu sehen.“ Doch das Stück bezieht seinen Reiz eindeutig aus der Art, wie die Figur des 75-Jährigen mit seinen Mitmenschen umspringt, wie sie selbst höfliche Annäherungsversuche im Keim erstickt: „Hätten Sie gerne das Zimmer, in dem ich meine Frau zum ersten Mal geschändet habe?“

Ist es der Charakter, der sich im Alter nicht mehr ändern lässt? Oder ist es der verzweifelte Versuch eines Mannes, welcher die langsam fortschreitende Krankheit erkannt hat, mit Bärbeißigkeit und Sarkasmus andere Menschen auf Distanz zu halten und so seinen Zustand so lange als möglich zu verschleiern?

Das Publikum wurde an diesem Abend bestens unterhalten und bekam eine Komödie geboten, die mit einer großen Portion derben Humor ein recht ernstes Thema behandelte. Ein Happy End rundete die ganze Geschichte ab.