Hand aufs Herz

Michael Paßon
Michael Paßon
Foto: WAZ FotoPool / Markus Joosten

Frau Ixkes wird beim nächsten Mal wieder einschreiten. Hand aufs Herz: Würden Sie es auch tun? Sie sollten. Oder zumindest gleich Hilfe holen. Zivil-Courage ist ein schönes Wort – viel zu oft leider viel zu oft wohlklingendes Phantom in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft. Das dürfen wir nicht zulassen!

Nun müssen es, wie jetzt offenbar in Kamp-Lintfort, keinen braunen Schwachköpfe sein, Übriggebliebene oder Orientierungslose. Vielleicht ist es beim nächsten Mal die Gruppe betrunkener Jugendlicher, die ein Mädchen belästigt oder einen älteren Herrn bedroht. Niemand kann vorhersehen, was in solchen Situationen passiert. Und die unglaublich grausamen wie hemmungslosen Attacken an diversen Bahnsteigen in den letzten Jahren regen zurückhaltende Gemüter auch nicht gerade zum Einmischen an.

Aber noch mal die Hand aufs Herz. Könnten Sie noch mal glücklich werden, wenn Sie dabei zugesehen hätten, wenn Menschen zu Gewaltopfern werden, vielleicht ihr Leben lassen? Genau!

Wer wegguckt, macht sich mitschuldig. Die Bus-Pöbelei in der Zechenstadt war sicher harmloser, aber absolut nicht tolerierbar und spätestens dort fängt es an. Frau Ixkes wollte nicht derselben Ecke stehen mit jenen, die fremdenfeindliche Beleidigungen mal eben raushauen als sprächen sie über das Wetter. Es gibt sicher viele, die stellen sich über solche Äußerungen und verstecken sich hinter dem Motto: „Lass die Idioten doch reden“. In der Öffentlichkeit ist das grundfalsch.

Eine tolerante Gesellschaft übt null Toleranz gegenüber Gewalt und Fremdenfeindlichkeit, übernimmt Verantwortung füreinander. Mischt sich ein, für die Schwächeren, für sich selbst. Auch wenn es Sie nicht tröstet, Frau Ixkes: Sie haben alles richtig gemacht!