Große Leidenschaft fürs Ehrenamt in Neukirchen-Vluyn

Barbara Hahne heute. Noch immer strahlt sie viel positive Energie aus.
Barbara Hahne heute. Noch immer strahlt sie viel positive Energie aus.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Barbara Hahne: fünf Kinder, das Wort zum Sonntag, Politik und viele andere Einsätze fürs Gemeinwohl machten ihr Leben reicher.

Neukirchen-Vluyn..  Sie war 30 Jahre für die CDU aktiv, sprach als erste Nichttheologin im TV das Wort zum Sonntag, schrieb 20 Jahre Predigten und Gebete für Verlage, setzte sich für viele soziale und kirchliche Belange ein, gründete die Musikschule und den Kinderschutzbund mit und zog auch noch fünf Kinder groß. Barbara Hahne (77) zieht sich jetzt aus der politischen Arbeit zurück. Die Parteifreunde bereiteten ihr einen bewegenden Abschied. Für uns erzählt sie aus einem bewegten Leben.

Es war Helmut-Schulze Neuhoff von der CDU, der die Frau des damaligen Neukirchener Pastors Gerhard Hahne in die Politik holte. „Ich habe ihm öfters kritische Fragen zur Ortsgestaltung gestellt. Da hat er eines Tages gemeint, wer so spricht, der sollte auch mitarbeiten“, schildert sie. So wurde sie 1985 sachkundige Bürgerin – ganz ohne CDU-Mitglied zu sein.

Eingebunden in die Prozesse

Das änderte sich jedoch zwei Jahre später: „Ich war so einbezogen in die Prozesse der Partei, dass ich auch Mitglied werden wollte.“ Und: „Ich wünsche allen kritischen jungen Leuten, dass sie so gut eingebunden werden.“ Nur zwei Jahre später wählten sie die Bürger in den Rat der Stadt, dem sie 15 Jahre angehörte. Weitere 15 Jahre vertrat sie die Neukirchen-Vluyner CDU im Kreistag in Wesel. Schwerpunkte der Arbeit waren die Themen Familie, Schule, Sport und Kultur.

Eine Art der Selbsthilfe war die Musikschulgründung. „Nachdem ich meine Kinder etliche Jahre nach Moers gefahren hatte, dachte ich, es geht nicht so weiter. Das war schon toll. Wir haben die Schule anfangs komplett ehrenamtlich geführt.“ Kein Geringerer als der TV-Macher Hans W. Geißendörfer entdeckte Barbara Hahne wenig später, 1971, fürs Fernsehen. „Da war ich auf der Konferenz der westfälischen Pfarrfrauen. Geißendörfer war damals verantwortlich für den kirchlichen Bereich beim Sender.“ – „Sie sind die Frau, die ich brauche“, meinte Geißendörfer.

Barbara Hahne: „Ich hatte fünf Kinder, da hab ich erst mal abgesagt, als der Brief kam“, erzählt sie. Sie sagte noch mal ab. Die dritte Anfrage hatte Erfolg, Barbara Hahne fuhr zu den Probeaufnahmen nach Düsseldorf. Heute würde man sagen, es war ein Casting. Und die Pfarrfrau wurde aus verschiedenen Kandidatinnen ausgewählt.

Die Neukirchen-Vluynerin ging zweimal im Jahr auf Sendung, sechsmal insgesamt. Doch die Popularität erwies sich als Problem: „Es kamen nach jeder Sendung täglich gut 50 Briefe von Menschen, die mir etwas zu sagen hatten.“ Zwar habe es eine Stelle in Düsseldorf gegeben, die die Briefe beantwortete. „Aber ich wollte mit diesen Menschen selbst kommunizieren und ihnen nicht über Dritte antworten lassen. Doch das war in einem Pfarrhaushalt mit fünf Kindern einfach nicht möglich.“ Was dann auch der Grund dafür war, dem Sender abzusagen. „Da war Geißendörfer fast böse auf mich.“

Votum war ihr wichtig

Sie schrieb jedoch weiter – für kirchliche Verlage. Predigten, aber auch Gebete und Meditationen. „Das Votum meines Mannes war mir immer wichtig.“ Aber nie habe er Einfluss auf die Texte genommen. Auch beruflich war Barbara Hahnes Weg ungewöhnlich. „Ich wuchs in der DDR auf. Und mein Vater hatte einen Parfüm- und Friseurladen.“ Was der Grund dafür war, dass Barbara damals nicht studieren durfte. „Ich hatte schon Glück, dass ich im Salon des Vaters meine Lehre machen durfte.“

Der Lehre folgte die Meisterschule. „Ich war schon mit 22 Meisterin. Wohl auch, weil ich schon einen gewissen Gerhard Hahne kennengelernt hatte“, lächelt sie. Der wurde später bekanntlich Pfarrer in Neukirchen-Vluyn.

Aktiv war die Pfarrfrau immer. Als Ende der 80-er Jahre eine Mordserie Neukirchen-Vluyn und Umgebung erschütterte, bei der auch Kinder umkamen, sei die Angst umgegangen. „Das war der Anlass, eine Ortsgruppe des Kinderschutzbundes zu gründen. Bis heute ist sie in Moers angebunden.“ Immer noch liest Barbara Hahne regelmäßig die Zeitung und die Bibel. Was ihr wichtig ist: „Dass meine neun Enkel sehen, dass das Ehrenamt eine wichtige Sache ist und dass es sich lohnt, sich dafür einzusetzen. Denn es kann ein Leben sehr bereichern.“

Daher habe sie ihre Enkel auch zur Verabschiedung durch die CDU mitgenommen. „Offensichtlich hatten die Parteifreunde keine Mühen gescheut und tatsächlich das Band meines ersten Wortes zum Sonntag besorgt. Das war sehr anrührend für mich.“ Ach ja, dem Vorstand der Senioren-Union bleibt Barbara Hahne treu.