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Große Hilfe mit einem kleinen Schnitt

05.02.2013 | 09:00 Uhr
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Kamp-Lintfort. Es war eigentlich Zufall. Sigrid van Bonn ging zu ihrem Hausarzt und ließ sich untersuchen. Der entdeckte bei einem Ul­traschall, dass sie ein kleines Aneurysma, eine Arterienerweiterung, an der Bauchschlagader hatte. Eine solche umgangssprachlich genannte Aussackung bleibt meist lange unerkannt und entwickelt sich ohne Symptome.

Dann bekam sie das Gefühl, dass etwas im Bauch eingeklemmt sei. Bei einer weiteren Untersuchung hatte sich das Aneurysma schon weiter ausgedehnt – eine Operation wurde notwendig. Um den richtigen Spezialisten zu finden, recherchierte van Bonns Sohn im Internet.

Einer der dort genannten Spezialisten war Dr. Klaus Bien, der seit Juni die Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie/Phlebologie am St.-Bernhard-Hospital leitet. Bien führte dort mit der so genannten endovaskulären Behandlung eine neue Operationstechnik ein. „Bei dieser Technik kann man gerade älteren Patienten eine weniger belastende Alternative zu einem großen Bauchschnitt anbieten. Damit werden die Komplikationen minimiert“, so Bien.

Van Bonn hatte vorher große Angst. „Weniger vor der Operation als vor der Narkose“, gibt die 76-jährige Lintforterin unumwunden zu. „Ich hatte einfach sehr große Furcht, nicht mehr wach zu werden.“ Eine Zeit lang überlegte sie sogar, sich vielleicht lieber nicht operieren zu lassen – selbst wenn das Lebensgefahr für sie bedeuten würde.

„Das Risiko einer Narkose liegt weniger im Alter, eher bei den Begleiterkrankungen“, erklärt Dr. Gero Frings, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Akutschmerz. „Gerade bei älteren Patienten müssen wir die Vorerkrankungen bei den Narkosevorbereitungen berücksichtigen.“ Für jeden Patienten wird deshalb ein individuelles Konzept erstellt.

Der Rückhalt ihrer vier Söhne, das Vorgespräch mit Bien und dem Narkosespezialisten gaben ihr aber so viel Zutrauen, dass van Bonn doch der lebensnotwendigen Operation zustimmte. „Ich war heilfroh, als ich wach wurde. Meine Gebete waren erhört worden. Und dann habe ich zwei Tage gebraucht, um zu begreifen, dass ich es geschafft hatte.“

Bien arbeitete vor der Operation eng mit seinen Kollegen aus Kardiologie und Radiologie zusammen. Denn bei der Operation wurden über kurze Leistenschnitte unter Röntgenkontrolle kleine Katheder über die Beckenschlagadern in die Hauptschlagader eingeführt. Eine schmale Prothese wurde über dünne Drähte durch die Schlagaderaufweitung geschoben.

„Jetzt ist das beklemmende Gefühl weg. Ich habe auch keine Angst mehr“, so die Lintforterin. Bien ist stolz auf seine Patientin. „Ich kann nur erahnen, wie viel Angst sie vor der Operation gehabt hat. Als die Operation aber unumgänglich wurde, war sie sehr mutig“, lobt er sie. „Auch im Heilungsprozess zeigt sie sich als Kämpferin.“

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