Gretchen und die Quotenfrage
02.02.2011 | 18:43 Uhr 2011-02-02T18:43:00+0100
Moers.Der Schein trügt: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten der Moerser Stadtverwaltung - nämlich 65 Prozent - ist weiblichen Geschlechts. Das Sagen haben die Frauen im Rathaus deshalb aber nicht .
Der Blick auf den Anteil der Frauen in Führungspositionen lässt die rosarote Brille schnell beschlagen: Chefin dürfen sich gerade mal 20 Prozent der Dezernenten und Fachbereichsleiter nennen. Für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ist die Sache klar: nur über eine Quote lässt sich mehr Gleichgewicht in Chefetagen herstellen. Eine Forderung, die die Moerser Gleichstellungsbeauftragte Barbara Folkerts befürwortet, „mittlerweile“, sagt sie.
„Früher habe ich gedacht, eine Quotenregelung habe einen schalen Beigeschmack, so nach dem Motto: Bin ich wirklich gut für den Job oder doch nur die Quotenfrau?“, so Folkerts. „Aber ohne Vorgabe wird der Weg schwieriger und noch länger dauern.“
Überzeugungsarbeit
Generell sei die Stadt Moers gut aufgestellt, „ich muss hier keine Überzeugungsarbeit leisten, ich stoße auf offene Ohren“. Dass sich dennoch nur langsam etwas ändere, liege an den Rahmenbedingungen - etwa am haushaltsbedingten Beförderungs - und Neueinstellungsstopp. Trotzdem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor nicht optimal sei, eröffneten sich Frauen neue Möglichkeiten: „In unserer hochtechnologisierten Arbeitswelt muss man nicht mehr 40 Stunden im Büro sitzen, um eine Leitungsfunktion zu erfüllen.“
Mit 800 Mitarbeitern ist die Sparkasse am Niederrhein ein großer Arbeitgeber in der Region. „Eine Frauenquote ist aus unserer Sicht nicht nötig“, so Pressesprecher Jörg Zimmer, „außerdem wäre dies ein heftiger Eingriff in die unternehmerische Freiheit.“ 23 Prozent der Führungspositionen des Kreditinstitutes sind von Frauen besetzt, auf allerhöchster Ebene, im Vorstand, bleiben die Männer bislang unter sich.
Enorm viel getan
Elke Krüger, Leiterin der JVA Kapellen, ist eine Frau in Führungsposition, „und das ist gut so“, sagt sie spontan. Eine Frauenquote in ihrem Arbeitsbereich hält sie für nicht erforderlich. Da habe sich in den letzten Jahren enorm viel getan, so Krüger. Führen Frauen anders als Männer? „Ja, sie bauen mehr Netzwerke auf, schauen daher mehr über den Tellerrand, finden kreativere Lösungen. Und - sie arbeiten manchmal auch wirtschaftlicher“, sagt die JVA-Leiterin.
Über eine Quote werde das Problem nicht gelöst, glaubt Amtsgerichtsdirektorin Angela Glatz-Büscher. „Die Ursache liegt vielmehr in der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Viele Frauen hätten daher Probleme mit den Anforderungen einer Führungsposition - Überstunden, Wochenendtermine, hohe Flexibilität. „Das beste Ergebnis wird erzielt, wenn geschlechtlich gemischte Teams miteinander arbeiten“, glaubt Glatz-Büscher, „wegen der unterschiedlichen Blickwinkel.“
Es muss mehr Frauen in Führungspositionen geben findet Marie-Luise Klotz, Rektorin der Fachhochschule Rhein-Waal. „Und das braucht Unterstützung. Es muss dafür gesorgt werden, dass Männer nicht immer Männer aussuchen.“
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