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Graffiti-Kunst im alten Hafthaus

01.08.2010 | 15:05 Uhr
Graffiti-Kunst im alten Hafthaus
Graffiti trifft Justiz heist das Sprayer - Projekt im Freistundenhof im alten Hafthauses. Sebastian M. (Tron) sprüht gerade. Foto: Markus Joosten

Moers. Laute HipHop-Musik schallte durch den Freistundenhof des Gefängnisses, die Luft geschwängert vom Geruch nach Lösungsmittel.

Am Wochenende fand das Projekt „Graffiti und Justiz – Zwei Welten prallen aufeinander“ im Hof des Alten Moerser Hafthauses seinen Höhepunkt. Eine ganze Woche lang hatten sich hier verschiedene Gruppen aus Jugendeinrichtungen und Freigänger der JVA Kapellen in Sachen Graffiti ausprobiert.

„Die Aktion ist ein Beitrag zur Ruhr2010 im Rahmen des Projekts ’Schattenkultur’“, so Detlef Reck, Sport- und Freizeitkoordinator der JVA Kapellen. „Im Hafthaus läuft gerade eine Kunstausstellung von 17 Gefängnissen des Ruhrgebiets und da wollten wir als Hausherr auch etwas anbieten.“ Es ist ein interessanter Gegensatz, jetzt Graffiti als Kunst zu präsentieren, denn früher saßen hier Häftlinge wegen Graffiti ein.

Neben der Fläche, die von den Newcomern gestaltet wurde, gibt es Werke echter Graffiti-Größen zu sehen. Darunter auch das von Dominic M. (31), der zurzeit eine Haftstrafe in der JVA Kapellen verbüßt und dort die Aufgabe des Sportwarts übernommen hat. „Rund 13 Arbeitsstunden stecken in dem vier Meter hohen und sieben Meter breiten Bild“, berichtet der junge Mann mit dem Künstlernamen „Tron“ nicht ohne Stolz und erklärt: „Meistens sprüht man in kunstvoller Weise seinen Szene-Namen. Das ist nicht einfach nur Geschmiere, sondern die Buchstaben werden abstrahiert und finden sich dann in einer Art Gesamtkunstwerk wieder. Aber ich sprühe auch gerne Landschaften und andere Hintergründe.“ Das Graffiti-Sprühen sei nicht einfach nur eine Beschäftigung, findet Dominic, sondern auch dazu gut, „den Kopf frei zu bekommen, Aggressionen abzubauen und etwas Kreatives zu leisten“. Seine Sprayer-Karriere startete der aus Norddeutschland stammende Künstler als Zehnjähriger und war 1995 bei Großprojekten dabei.

Dominic M.: „1996 habe ich mit 25 anderen Sprayern das größte Bild Deutschlands gemacht.“ Sie besprühten einen Öltank in Wilhelmshaven - 1600 Quadratmeter.

Zu sehen sind die Ergebnisse des Moerser Projekts bis 26. September im Rahmen der Ausstellung „Schattenkultur“. Öffnungszeiten: Samstags von 10 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertags von 11 bis 17 Uhr. Ort: Altes Hafthaus an der Haagstraße 7. Eintritt 7, ermäßigt 3,50 Euro. Die „Schattenkultur“ ist für Kinder unter 8 Jahren nicht geeignet.

Cornelia Brandt

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