Goldene Zeiten für günstige Kredite

Moers/Neukirchen-Vluyn..  Eigentlich sind es zum großen Teil die Zinsen, mit denen Sparkassen und Banken ihr Geld verdienen. Doch die befinden sich auf einem historischen Tiefpunkt. Da war selbst der Vorstand überrascht, dass die Bilanz der Sparkasse am Niederrhein für 2014 so positiv ausgefallen ist: Rekord bei den Krediten, Rekord bei den Einlagen, Rekord bei der Bilanzsumme. Dennoch ist der Jahresüberschuss leicht gesunken. Gleichwohl hat das Kreditinstitut genauso viel Geld an soziale, kulturelle und sportliche Organisationen verteilt wie im Jahr davor: 1,2 Millionen Euro.

305 Millionen Euro an neuen Krediten hat die Sparkasse vergeben, wobei die Hälfe davon an gewerbliche Kunden ging. Nach Überzeugung von Vorstandsmitglied Bernd Zibell zeigt sich darin die große Investitionsbereitschaft der Firmen – unabhängig von deren Größe: „Das gilt für den Ein-Mann-Handwerksbetrieb wie das international agierende Unternehmen“, sagt Zibell. Bei den Privatkunden stehen die Baufinanzierungen im Vordergrund. Auch hier gab es so viele Vermittlungen wie nie zuvor. Das Kreditvolumen stieg auf 2,28 Milliarden, die Bilanzsumme auf 3,1 Milliarden Euro.

Während sich der Kunde als Kreditnehmer über niedrige Zinsen freut, ärgert er sich darüber beim Blick auf sein Giro- oder Sparkonto. Das Geld von auslaufenden Sparverträgen wird deshalb vorzugsweise auf Tagesgeldkonten „geparkt“ – in der Hoffnung auf steigende Zinsen. Doch die bleiben niedrig, „und dies“, prophezeit Sparkassenchef Giovanni Malaponti, „wird noch lange dauern, drei Jahre wenigstens.“

3,3 Millionen Euro Überschuss hat die Sparkasse erwirtschaftet. Das Geld überweist sie aber nicht an ihre Trägerkommunen, sondern legt es auf die hohe Kante und stärkt damit ihr Eigenkapital, dessen Quote inzwischen bei 14,8 Prozent liegt. Bis 2019 soll sie auf 16 Prozent steigen.

Obwohl die niedrigen Zinsen die Sparkasse zur dauernden Prüfung ihrer Kosten zwingt, sieht Giovanni Malaponti die 28 Filialen in sechs Kommunen nicht gefährdet. Daran ändert auch das wachsende Online-Geschäft nichts, denn die Sparkasse macht eine bemerkenswerte Erfahrung: Selbst Online-Kunden, die alle Überweisungen per Computer oder Smartphone abwickeln, kommen persönlich, sobald es ans „Eingemachte“ geht. Malaponti: „Bei der Altersvorsorge oder Baufinanzierungen wollen sie ihrem Berater gegenüber sitzen.“