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„Gewinne, Gewinne, Gewinne“

05.09.2011 | 07:00 Uhr
„Gewinne, Gewinne, Gewinne“
/ WAZ FotoPool

Moers.Herzlich willkommen in der sechsten – wir wollen den Karneval nicht vergessen – Moerser Jahreszeit! Wir haben in diesem Jahr einmal hinter die Kulissen geschaut, was den Reiz der Kirmes von der Schaustellerseite ausmacht.

Fazit vorab: Das ist kein Job für jeden. Aber wen es einmal gepackt hat, den lässt es nicht mehr los!

Der Herr
der Coins

Mein Treffpunkt mit Schausteller Michael Zajuntz ist am Samstag um 15 Uhr der „Kö“. Zunächst geht es zum Kastellplatz. Erste Station: Am Musikexpress thront Tino Reminder in seinem Häuschen. Er ist der Herr der Coins. Es ist zwar noch früh, aber schon gut zu tun. „Raupe“ geht immer, bei jung und alt, von acht bis 80. „Mein Ur-Ur-Großvater hat mit dem Fahrgeschäft angefangen. Ich bin damit aufgewachsen und habe nie etwas anderes gemacht.“ Eine Ausbildung hat Tino Reminder nicht, aber seine gute Laune ist verbrieft.

Die Leute und die Bestellungen kommen und gehen, schließlich sitze ich auch an der Kasse - und muss ständig nachfragen: einfache Fahrt, ein sechseckiger Plastik-Chip, 2,50 Euro. Drei Fahrten sechs Euro, sieben Fahrten zehn Euro. Äh, acht Fahrten? 13? Eigentlich weiß ich es, aber wie mir jetzt die Scheine entgegenflattern, sinkt mein Rechenvermögen ins Ungenügende. Als ich noch ein Schild mit abweichenden Fahrpreisen für den Familientag sehe, ist’s vorbei. Jetzt kommen die Leute etwas zögerlich an die Kasse. Sie haben wohl Angst, dass ich mich verrechne.

SAISONGESCHÄFT
Eine eigene Welt

Bis Ende Oktober geht die Saison für die Schausteller. Für Michael Zajuntz zum Beispiel kommen nach Moers noch Orsoy, Borth, Schaephuysen und Bocholt. Dann geht es für die meisten in die Winterpause oder eventuell auf Weihnachtsmärkte, die auch zunehmend Fahrgeschäfte buchen. „Die Kirmes ist eine ganz eigene Welt“, freut sich Zajuntz.

Eine Fahrt dauert etwa drei bis vier Minuten, abwechselnd vor- oder rückwärts, in fünf Geschwindigkeiten. An die Steuerung darf ich aber nicht, aus Versicherungsgründen. Ich erinnere mich an frühe Kirmestage und frage nach: „Hat die Raupe auch noch ein Verdeck?“ „Nein, das gibt es nicht mehr“, lacht Tino Reminder und stellt die Maschine auf „Stufe zwei rückwärts“. „Heute wird ganz öffentlich geknutscht!“ Ich überlasse das Kassenhäuschen jetzt wieder dem Profi und meine, sogar die Aushilfen atmeten auf. Weiter geht’s.

In der Glücksbox treffen wir Sascha Griehs. Der 32-Jährige ist gleichzeitig mit der Euroeinführung in die Selbstständigkeit gestartet. Wir rechnen zu dritt, wann das nochmal war. 2001? 2002? Es ist heiß. Zurzeit sind die breiten Gänge noch etwas leer an dieser Ecke der Kirmes. Viele Leute sind heute wohl erst einmal ins Freibad gegangen.

Ich verkaufe Lose an ein Pärchen in den 40ern. 15 Stück für drei Euro, die Preisliste klebt - auch für mich gut sichtbar! - auf der Theke. Leider nur 115 Punkte. Aus der möglichen Auswahl soll es dann nicht der Massageball sondern das rote „I give you my heart“-Plüschherz sein. Renner ist laut Griehs im Moment Yoshi, ein kleiner grüner Kumpel von Super-Mario. Zwei Mädchen mit Losbündeln in den Händen spekulieren auf den Grünling und fragen, ob achthundert Punkte reichen. Die haben sie aber noch gar nicht. Sascha Griehs schlägt ihnen vor, nach einer Denkpause wieder zu kommen.

Süße sibirische
Tigerbabys

Ich versuche mich am Mikrofon, erkläre, dass man hier süße sibirische Tigerbabys gewinnen kann und nicht erst in den nächsten Zoo fahren muss. „Da muss aber schon noch etwas mehr kommen“, trifft mich ein Seitenblick des Schaustellers. Also gut, Herr Berufsredner: „Womit zieht man die Leute am besten?“ „Ja, wenn man das immer so wüsste!“, zuckt Griehs die Schultern. Die Leute kaufen seine Lose. Und wenn einer kauft, kommen weitere.

An Zajuntzs Getränkestand am Kö darf ich schließlich noch ein paar Biere (ver-)zapfen. Ein Radler wirkt vorzüglich gegen die Hitze. Gefühlt sind es heute über 30 Grad, in der Zeitung stand etwas von 27? Die Damen vom Wurstgrill gegenüber weinen über die neue Chilisauce für die Feuerwurst: Immer noch sehr scharf! Zajuntz freut sich auf die Livemusik, die ab 18 Uhr losgeht. Denn dann kommen auch die Leute und es macht richtig Spaß!

Holger Müller

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Kommentare
05.09.2011
09:19
„Gewinne, Gewinne, Gewinne“
von Rakllo | #2

timo was macht Jupi den noch ??

05.09.2011
09:07
„Gewinne, Gewinne, Gewinne“
von Rakllo | #1

tolle Repotage,Timos Vater kenne ich noch,die tolle alte Rauppe,

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