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Gewerkschaft lädt ein zur Lesung mit Günter Wallraff

09.04.2010 | 15:31 Uhr
Gewerkschaft lädt ein zur Lesung mit Günter Wallraff

Kamp-Lintfort.„Günter Wallraff deckt Missstände auf“, verkündet die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Im Rahmen ihres seit langem laufenden Kampfs für eine unabhängige Arbeitnehmervertretung bei der Reinigungsfirma „Aktiv“ gewann sie den prominenten Autor für eine Lesung am 28. April.

Günter Wallraf kommt zu einer Lesung mit nachfolgender Diskussion am Mittwoch, 28. April, um 19 Uhr in die Stadthalle. Wallraff war zwar nicht undercover in dem Unternehmen tätig, aber in seinem jüngsten Buch „Aus der schönen neuen Welt“ beschreibt er auch die Praktiken des Anwaltbüros, das die große Firma in den vielen juristischen Auseinandersetzungen vertritt.

Und diese Praktiken sind alles andere als arbeitnehmerfreundlich. Auch am Freitag, 9. April, beschäftigt „Aktiv“ wieder einmal das Arbeitsgericht in Duisburg. Verhandelt werden sollen die einstweiligen Verfügungen, die das Unternehmen gegen die Gewerkschaft beantragt hat. Auf diese Weise soll, so Gewerkschaftssekretärin Zeynep Bicici, der IGBAU untersagt werden, Kunden von „Aktiv“ weiterhin mit kritischen Informationen über die Reinigungsfirma zu versorgen, die rund 850 Beschäftigte hat.

„Wir sind für Tarifverträge“

Dass solche Informationen auch kontraproduktiv sein könnten, diese Gefahr sieht Bicici nicht „Weder die IGBAU noch die Beschäftigten machen die Firma platt.Wir sind für Tarifverträge und für Mitbestimmung.“ Die Gewerkschaftssekretärin verbindet mit der Informationskampagne die Hoffnung, dass auch aus dem Kreis der Kunden Druck auf die Firmenleitung ausgeübt werde und der Arbeitgeber dadurch zur Einsicht gelange, dass es notwendig sei, einen vernünftigen Weg für den Umgang mit der Arbeitnehmervertretung zu finden.

Zeynep Bicici kritisiert zugleich, dass von Objektleiterinnen den Reinigungskräften nahe gelegt werde, nicht mit Gewerkschaftsmitgliedern zu sprechen. Ohnehin hält sie für problematisch, wenn solche Führungskräfte in den Betriebsrat gewählt würden. „Denn sie müssen auch autonom Entscheidungen treffen können.“ Grundsätzlich bemerkt Zeynep Bicici: „Uns geht es darum, dass die Belegschaft in Ruhe arbeiten kann und vernünftig entlohnt wird.“ Zufrieden stellt sie zur aktuellen Lage fest, dass die Vorbereitungen für die nächste Betriebsratswahl bislang ohne Störmanover über die Bühne gehen.

Ulrich Ernenputsch

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